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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-30 · Heft 35 (30.8.1870) · p. Seite 697

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 35 (30.8.1870)
Date
1870-08-30
Page
Seite 697 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Mdenthurns. Feuilleton-Beilage z« Ur. 35. Leipzig, den 30. August 1870. Gebete während des Krieges. VI. Nicht auf den Schlachtfeldern allein, nicht in den Landschaften, welche die blutrothe Pflugschaar des Krieges durchfurcht, nicht da allein weilt die Noth und das Elend und die Bedrängniß. O Herr! Selbst nicht in den Familien allein, deren Ernährer, deren Söhne hinausgezogen zum verderblichen Waffenkampf, zu verzehrenden Mühsalen, herrscht die Sorge und der Kummer und die Angst um die Gegenwart und die Zukunft. Schon als die ersten Kriegsdrohungen von der Seine aus in die Welt drangen, mehr noch als der Krieg von jenem trugvvllen Munde erklärt wurde, den jetzt bereits dein Strafgericht ereilt — da stockte Handel und Gewerbe, da standen die Fabriken und Werkstätten still, da sank aller Credit auf Nichts herab, da hielt Jedermann mit Bedacht jedwede Ausgabe zurück — das ist die Noch. Die Millionen Menschen, die von der Hand in den Mund leben, die von Tag zu Tag erwerben müssen, was sie gebrauchen; und die anderen Millionen, deren Besitz nur gering, bald aufgezehrt ist, und die dann der Armuth anheimfallen, da ihr Verdienst aufgehört hat oder fast ganz geschwunden ist; dann die Hunderttaufende, deren Erwerb in dem Vertrauen besteht, das ihnen geschenkt wird, und die, da sie müßig in ihren Läden und Werkstätten sitzen, ihren Verpflichtungen nicht Nachkommen können — welcher Mangel, welche Entbehrungen, welche drückende Sorgen, welches Elend! Dies Alles verschuldet der Krieg, dies Alles begann vor dem Kriege, und wird noch lange Zeit nach ihm wirken, belasten, aufzehren!... Herr und Vater, nur dein Auge sieht in alle diese Hütten, in alle diese Stätten des Unglücks, in alle diese Herzen und schwer bedrückten Geister — nur dein Auge überschaut all dieses unbegrenzte Maaß menschlichen Elends, das menschlicher Hoch- und Uebermuth, menschliche Herrschsucht und Raubgier verursacht hat, verursachen wird. Ja, laß es Allen zum Bewußtsein kommen, Allen, den Hohen und den Niedrigen, laß die rothe Flamme dieses Unheils in die Seelen Aller hineinleuchten, der Herrscher und der Beherrschten, der Lenker und der Gelenkten; laß es mit ehernem, scharfem Griffel in jedes Herz eingraben: das sind die Thränen, die Seufzer, die Leiden, das unsägliche Weh, das Meer von Unheil, das der Hochmuth und die Herrschsucht und die Raubgier über die Menschen ausschüttet, auch hinter den Schlachtfeldern, auch weit, weit um den Schauplatz des Krieges herum, von Ocean zu Ocean! Könnt Ihr das vertreten, da Ihr Nichts, Nichts davon gut zu machen vermöget?! „Wohin sollen wir blicken, von wannen uns die Hülfe komme?" Zu dir allein, du unerschöpflicher Schatz der Gnaden! zu dir, von dem unsere Väter schon sprachen : „Zum Bösen gedachten es die Menschen, aber zum Guten hat es Gott geführt, viele Völker am Leben zu erhallen." Den Brand, den Menschenhände entzündet, du löschest ihn, und läffest aus der Asche reiche Saaten ersprießen; die Fluth, welche Menschenarme durch die durchstochenen Dämme über die Fluren ausgvffen, du trocknest sie und machst die Felder fruchtbar, daß sie hundertfältig tragen! Dessen wollen wir gewärtig sein, denn du bist ja des Erbarmens und der Huld ewiger Born! Und unterdeß blickst du auf Alle, und streuest Hülfe aus auf alle Einzelnen, und rettest diesen und rettest jenen, und sendest Unterstützung unerwartet, Beistand unverhofft, und sättigst die Hungernden, und richtest auf die Gebeugten, und erleichterst die Beladenen — wer schauet zu vir auf, und bleibt ungetröstet? wer ruft dich an, und wird nicht erhört? An dich zu denken, ist Labsal, dich zu nennen und zu bekennen, ist Stärkung und Tröstung. Laß uns ringen in deinem Geleite, nicht verzagen, da du uns führest! Du läßt uns wandeln durch das Todesschattenthal, und das Felsenthor springt auf, und vor uns liegt die sonnenbeschienene Au, und unser Blick fliegt in fröhliche Aussicht hinaus — auch das Heftet wird zum Guten, auch das Unheil zum Heile, und dereinst spreche ich: „Siehe, zum Frieden ward das Bittere, mir das Bittere!" Amen. VII. Für die Wunden der Balsam, für das Gift das Heilmittel. So, Herr, in deiner großen Schöpfung, so in der Welt des Menschengeistes, wie deine Hand sie

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