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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-30 · Heft 35 (30.8.1870) · p. Seite 693

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 35 (30.8.1870)
Date
1870-08-30
Page
Seite 693 (sequence 13)
Language
German
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693 fassers, in Commission bei I. Schloßberg 1869) Erwähnung thun, für jeden Hebraisten eine ebenso angenehme, wie interessirende Lecture. Viele denkwürdige Persönlichkeiten werden uns darin vorgeführt, und durch das wechselvolle Geschick des Selbslbiographen fehlt es an mannigfaltigen Situationen nicht. Der 2. Theil befindet sich unter der Presse. Mögen diese Zeilen beitragen, eine allgemeinere Aufmerksamkeit auf diesen 13. September zu richten. Tarnow, 16. Aug. Gestern war unsere Stadt der Schauplatz einer unseligen Judenverfolgung, wie sie vom polnischen Pöbel so gern angestiftet und ausgeführt wird. Am gedachten Tage kam es auf dem Casimirplatze zwischen einem Juden und einem Christen aus irgend einem nichtigen Vorwände zu einem Conslicte. Wie auf ein gegebenes Zeichen füllte sich der gedachte Platz plötzlich mit einigen Hunderten von Leuten, die dem Anscheine nach dem Handwerkerstande angehörten und meistens mit Knütteln und Stöcken versehen waren: diese saubere Gesellschaft fiel sofort über die Juden her und mißhandelte dieselben auf die fürchterlichste Weise. Der ganze Schwarm zog hierauf nach dem nahegelegenen Hauptplatz, und was dort geschah, ruft die traurigen Erinnerungen an die finsteren Zeiten der gräßlichsten Judenverfolgungen wach. In sämmtlichen von Juden bewohnten Häusern dieses Stadttheiles wurden die Fenster eingeworfen, arme Juden, die ganz ruhig vor ihren Läden standen oder ihrem Gewerbe nachgingen, wurden überfallen und erbarmungslos mit Knütteln geprügelt, andere Haufen von Juden, wie sie gewöhnlich auf dem erwähnten Platze zu finden sind, mit Steinen beworfen. Rachdem in Folge der eben geschilderten Vorgänge eine heillose Verwirrung entstanden war, ging es an die Läden einiger jüdischer Krämer, welche in der Gasse ihre Standorte haben, und nachdem die armen Leute von den Excedenten ohne Erbarmen mißhandelt worden, plünderten dieselben die Läden aus und liefen prügelnd, Steine werfend unter Hurrahs mit dem Raube fort. Nachdem sich die hiesige Communal - Polizei als unzulänglich und ungeeignet zur Herstellung der Ordnung erwiesen hatte und auch das beschwichtigende Zureden einiger angesehener christlicher Bürger nichts fruchtete, entschlossen sich mehrere Israeliten, Militärhilse in Anspruch zu nehmen, welche auch, in Vertretung des zufällig abwesenden Herrn Generalmajors Grafen Wallis, von dem Oberst des hier garnisonirenden Husaren-Regiments Nr. 1, v. Erös, schleunigst geleistet wurde. Bald durchzogen berittene Patrouillen unter dem Commando der Officiere die Stadt und verjagten die Excedenten, während Jnfanrerie-Soldaten die am meisten bedrohten Straßen und Plätze absperrten. Obschon mit dem Erscheinen des Militärs die Ruhe keineswegs wiederhergestellt war und einzelne Haufen von Tumultuanten den ganzen Tag über und tief bis in die Nacht hinein durch die Straßen zogen, die Fenster von Judenhäusern einwarscn, Juden prügelten und mit größeren Gewaltthätigkeiten bedrohten — so kam es doch nicht zu solchen Thätlichkeiten wie am Vormittag. Heute ist es ruhig. Die sonst so lebhafte Stadt sieht wie ausgestorben aus, die Handlungen sind gesperrt, die Straßen leer — auf den Plätzen campiren Infanterie und Jäger, und Husaren-Patrouillen durchstreifen die Stadt unter persönlicher Leitung des hierortigen Brigadiers Generalmajors Wallis, welcher bei Nacht aus Rzeszow herbeigeeilt war und durch gütliches Zureden überall beschwichtigend wirkt. Zu Thätlichkeiten zwischen den Tumultuanten und dem Militär kam cs nirgends — leider aber wurden bei den gestrigen Scencn viele Juden schwer verwundet, von denen Einer, Vater von 6 Kindern, bereits den erhaltenen schweren Verletzungen erlegen ist, und ein gleiches Schicksal erwartet stündlich noch mehrere dieser Unglücklichen. Der Werth des Geraubten beläuft sich auf viele Tausende, und trafen die Plünderungen gerade arme Krämer, welche nunmehr dem größten Elende preisgegeben sind. Auch mehrere Tumultuanten sollen verwundet worden sein. Krakau, 18. Aug. Auch hier wurden gestern vom Pöbel mehrfache Versuche gemacht, Juden in den Straßen zu verfolgen. Jndeß wurden sie rasch unterdrückt. Man schreibt cs einer politischen .Agitation gegen die galizischeu Juden zu, weil die dem französischen Interesse völlig ergebenen Polen die Juden für durchgängig deutschfreundlich halten, oder doch ausgeben. Frankreich. Paris, 12. Aug. (Rev. isr.) Am vorigen Sonn mg wurde im Cousistorial-Tempel eine Sammlung zum Besten der Verwundeten gemacht. Sie trug die Summe von 3300 Frcs. ein. Der Rabbiner Moock

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