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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-30 · Heft 35 (30.8.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 35 (30.8.1870)
Date
1870-08-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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34. Jahrgang. Allgemeine JW 33. Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipp so n in Bonn. Leipzig, den 30. August 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal DieasiagS, in 2 bis 2'/, Bogen. Preis deS Jahrgangs 1 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Biertclsährig l Tblr. Inserat? werden mit INgr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Exveditionen nehmen Bestellungen an; der Haupr-<^pedilion für beide Letztere hat sich daS König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Vorn Botkerhaß. — D'Jsraeli.— Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Cassel, Königsberg, Fürth, Aus Württemberg. - O est erreichisch-ungarische Monarchie: Wien, Tarnow, Krakau. — Frankreich: Paris, Mühlbawen — Amerika: New-Äork, Cleveland. — Japan: Dokohama. Fenilleton-Berlage: Gebete während des Krieges. VI. und VH. — Die Juden im alldeutschen Fastuachtspiel. (Schluß). — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 19. August. Vom Völkerhaß. Unter allen Leidenschaften, welche im Menschengeschlechte zum Vorschein gekommen, ihm zum Schrecken und zur Geißel geworden, ist die furchtbarste: der Nationalhaß, der tief eingewurzelte Haß zwischen einem Volke und dem andern. Was wissen spatere Geschlechter von den Ursachen, aus denen er entsprungen? So wenig wie Brüder, welche die erste Beleidigung und Schädigung gewesen, aus der ihre Zwietracht entstand, die sich fortgepflanzt und zum Haffe gesteigert chat. Feindseligkeit reihte sich an Feindseligkeit, bald von der einen, bald von der anderen Seite, Rachegefühl schließt sich an von beiden Seiten, und so ist es der Krieg, der zur Zeit die beiden Nationen zum blutigsten Kampfe aufeinander hetzt, zur Zeit unter dem Scheine des Friedens fortgeführt wird mit Allem, was im Großen und Kleinen gegenseitigen Schaden verursacht, den Haß von Neuem aufstachelt und ihm Befriedigung schafft. Die Geschichte giebt uns Beispiele genug, wo ein solcher Bölkerhaß zur gänzlichen Vernichtung des einen führte, wie zwischen Israel und Amalek, zwischen den Römern und Puniern. Solcher Nationalhaß hat das Furchtbare, daß nicht allein die Völker als Ganze einander bekämpfen und sich unermeßlichen Schaden zufügen, während sie einander im Frieden die höchsten Segnungen bereiten, sich darin fördern könnten, sondern daß er auch alle einzelnen Glieder beseelt und mit tödtlicher Wuth einander verfolgen läßt, so daß er wie ein Fluch sich forterbt und überall hin Verfolgung und Unterdrückung trägt; so fallen unzählige Schuldlose ihm zum Opfer, wie ein Tiger lauert er im Dickicht, hinterrücks auf den harmlosen Wanderer zu stürzen. Fürwahr, wer hat unter solchem Völkerhaffe mehr und länger gelitten, und leidet noch immer, als der jüdische Stamm? Was dieser bis zum vierten Iabrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung ertragen, erklärt sich aus den gewöhnlichen Motiven und Wechselfällen der Geschichte. Selbst besiegt, und zwar nach blutigen Kämpfen, fand er in Babylonien wie in Rom eine gute Behandlung und ihm wurde das römische Bürgerrecht erlheilt. Mit dem vierten Jahrhundert änderte sich dies und bald sah er sich von einem Bölkerhafse umgeben, der ihn fast anderthalb Jahrhunderte verfolgte, marterte, mehr als decimirte, kurz, der allen seinen Gliedern unendliche Leiden bereitete. Hier wiffen wir die Quelle.

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