Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1870)
- Date
- 1870-08-23
- Page
- Seite 680 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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680 dem Menschen empfinde. Der Doctor macht geltend, Gott andre sich nicht, und erkundigt sich nach den Beschäftigungen Gottes, die letzterer nach Rabi Judas Meinung vollbringe. Der RaLi zahlt diese Beschäftigungen folgendermaßen auf: Die ersten drei Stund' ungeirrt Gott stetig im Talmut studirt. Die andern drei er Uriheil fallt Auf zwei Stühlen über die Welt. Und so er die Verdammten kennt, Vom Stuhle der Gerechtigkeit behend Sitzt er auf den der Barmherzigkeit. Die dritten drei Gott auf wett und brett. Die Welt ernährt aus seinen Würden hoch Vom „Eingehurn bis us den stoch"*) Die Bierdten drei got unbefiett**) Stets mit dem Leviaffan***) spielt. Der Doctor will wissen, waS Gott die Nacht thue. „Er steigt", sagt der Rabi, „auf die Cherubim und jagt in 18 Längen durch die Welt." „Wenn Gott so traurig ist wegen euch, was thut er dann in seiner Traurigkett?" „Er unterrichtet die Kinder, die, ehe sie Talmud lernen konnten, starben, in diesem Buche", meint der Rabi. Jetzt geht der dogmatische Streü recht an, der Rabi bringt Stellen auS Rabi Jael,j-) Rabi Simeon, Zefer Teschnor. ff) „In Letzterem steht", so sagt der Rabi, „einen Christen todtzuschlagen, sei bester, als die Juden wüßten." Der Doctor rach dem Rabi zu schweigen, sonst könne es den Juden bös gehen, er solle lieber seine Meinung von der christlichen Kirche sagen. Der Rabi verflucht hierauf die ganze Christenhett durch einen Fluch, deu er Numienu nennt. Der Doctor weist auf den Umstand hin, daß die Christenhett sich von Tag zu Tag mehre, und da der Rabi ihm höhnisch die Siege der Türken vorhält, sagt er, Juden und Christen hätten von den Türken das gleiche Schicksal zu erwarten, übrigens könnten ja die Juden den Türken zu Hülfe ziehen. Man kommt auf die Erbsünde, auf das Wesen der Seele, auf die Enakim zu sprechen, der Rabi erklärt dem Doctor die Bedeutung der Tephilim und voll Zorn über den Waukelmuth eines seiner Begleiter, der durch die Drohungen des Doctors eingeschüchtert sich für besiegt zu erklären im Begriffe ist, ruft er: *) Vom Einhorn bis auf den Floh. **) ohne zu befehlen. ***) Leviathan, t) Rabi Joel. tt) Sefer Teschnor, was meint er mit diesem? Bei Schirna, als ein Jud' ich bin Und ziehen dich die Gaim hin So wiß bei Hermuß das darzu, Daß ich den gemeinen Fluch dir thu. Daß Gott dir ewig sei voll Haß Und daß die Tefer und die Mackaß, Die Asira und Maropot, Die Maschmaschmia und der Tod Dich vorankumen zu allererst Und daß du zu Kapora werft.*) Schließlich sagt die Synagoge, man solle für jetzt den Streit unentschieden lasten; sie verlange, daß über's Jahr die Kirche ihr Rede und Antwort gäbe. Damit ist die Kirche zufrieden. Der Dichter. Also piß jar, ob wir sein im leben Muß auch die kirch ir antwurt geben Der sinagog nach iren willen Die sie desgleich auch meint zu stillen. Jetzund von der materi ntt mehr Spricht Hans Folz zu Nurmberk balbirer. (Schluß folgt.) Kuriosum. In der letzten Nummer des Kosmos machte Herr Abbe Moigno bekannt, daß die Steinmeffer, deren sich Josua zur Beschneidung bedient hat, im Grabe des Propheten von Herrn Abbe Richard gefunden worden seien. Hier sehen wir, sagt er, eine der merkwürdigsten historischen Thatsachen der Bibel auf das Bestimmteste bestätigt, und wir besitzen nunmehr Steine, welche vor 355V Jahren gemeiselt worden und sicherlich, wie wir es auch auf's Klarste beweisen werden, älter sind, als die verarbeiteten Steine des Somme-Thales und der Grotten von Aurignac. Wer weiß, ob uns das Spectroskop, durch die geschickten Hände des Herrn Sorby behandelt, nicht auch auf einigen dieser Steinmeffer Blutspuren der Beschneidung vor die Augen führt? — Niemand, der dies mit Vergleichung der betreffenden Schriftstellen liest, wird verkennen, daß es sich hier um einen Antiquttäten-Humbug handelt. *) Dieser Fluch hat viele Aehnlichkeit 'mit dem, welchen ich bei Analyfirung des zweiten Fastnachtspiels anführe. Was Astra und Maropot und die Maschmaschmia ist, weiß ich nicht. Tefer ist Pest. Wassermann vermuthet, daß Schirna die Schechiua sei, Hermuß weiß auch er nicht zu erklären. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dir, H. Lotze.