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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-23 · Heft 34 (23.8.1870) · p. Seite 677

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 34 (23.8.1870)
Date
1870-08-23
Page
Seite 677 (sequence 13)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Z«-enth«ms. Feuilleton-Beilage zu tlr. 34. Leipzig, den 23. August 1870. Gebete während des Krieges. IV. „Großes hast du an uns gethan in deiner Gnade" — und unsere Seelen erheben sich voll freudigen Dankes u dir, Gott in der Hohe'. Unsere Heere gingen bis sierher von Sieg zu Sieg, der Feind ist geschlagen und lieht in Verwirrung, der Glanz seiner Waffen ist dahin, >'ein Uebermuth gebrochen, Tausende seiner Krieger warben gefangen, Geschütze genommen, Standarten erbeutet, Städte erobert. Aber was mehr als dieses — der Feind hat die Grenzen des Vaterlandes nicht überschritten, die Brandfackel, die Verwüstung, die Schrecken des Krieges sind in die theuren Fluren, in feine heiligen Gauen nicht eingedrungen, die furchtbare Sturmfluth wälzte sich vielmehr hinüber in die Landschaften dessen, der den Krieg begann, der ihn uns unvermuthet, plötzlich erklärte — eine gerechte Vergeltung für ihn, eine gerechte Rettung für uns! — Ja, wir können sicher wohnen; was wir in Frieden geschaffen, es verbleibt uns; wir sehen Haus und Heerd nicht der Kriegsfurie anheimfallen; wir brauchen von der trauten Heimstätte nicht zu fliehen; wir sehen in ihr keinen fremden Zwingherrn, keinen Plünderer, keinen Tyrannen! Fürwahr, das sind tapfere Krieger, das sind weife und erfahrene Führer, das ist ein großes, gewaltiges Volk' da ist sittliche Erhebung, Muth mit Besonnenheit, Todesverachten mit fester Ausdauer — Heil dem, der ihm angehört! Und doch... neben all diesen großen Bildern und erhebenden Gefühlen — wie ist unser Herz zwiefacher Strömung hingegeben — da kommen die langen Züge der Verwundeten, und erinnern zugleich an die weiten Gruben, die sich geöffnet, um die Gefallenen, die Todten aufzunehmen... die Sieger und die Besiegten — ist die Waffe ihren Händen entfallen, sind sie alle Menschenbrüder.... Welche Ströme von Blut sind geflossen, wie viele Wundm mit Schwert und Geschoß geschlagen, wie viele Glieder zuckten, wie viele Herzen zogen sich krampfhaft zusammen, wie viele Augen brachen — wie viele Schmerzensrufe, wie viele letzte Seufzer.... Die Menschen, die Menschen, sie haben sich all' Dies bereitet, wider deinen Willen, Vater, wider das Gesetz, das du ihnen gegeben, wider die Bestimmung, die du ihnen eingesetzt — ihre Leidenschaften reißen sie hin, und was der Eine frevelt. Viele müssen es büßen, und was die Einen gesündigt, sie selbst, aber auch unzählige Andere muffen dafür leiden!... wie konnte dies aus unseren Herzen weichen, wenn wir vor dir stehen, du Gott der Liebe und des Erbarmens, du Gott des Rechtes und der Wahrheit! So mischen sich Freude und Schmerz, Triumph und Trauer.... So laß es, Herr, völlig und bald gelingen! Führ' es glücklich zu Ende, damit das Gericht vollständig fei, und das Weh und die Trübsal des Krieges in kurzer Zeit zu Ende seien! Laß die wilden Herzen der Feinde sich schnell brechen, wahre sie vor der Wuth der Verzweiflung, mache sie einsehen, daß die Völker nicht den Kampf gewollt, und daß, wenn die Herrschaft jenes Frevlers zu Ende ist, der den Krieg gesponnen um feines Ehrgeizes und seiner Selbstsucht willen, die Skationen sich die Hände reichen können, einsehend, daß wir Deutsche auch ihnen Freiheit von schmählichem Joche bringen! O daß sie ihrer blinden Eitelkeit nicht noch Tausende und aber Tausende von ihnen und von uns zum Opfer bringen! Darum flehen wir, das ist der Wunsch, die Sehnsucht unserer Herzen — der du uns Sieg verliehen bis hierher, verleih' ihn uns ferner, noch schneller gewahre den Besiegten den Sieg über sich selbst, daß sie zum Frieden sich entschließen, den Stein des Anstoßes hinwegräumen, dem Rechte sich beugen, und mit dem Frieden auch die Freiheit bei sich einkehren lassen. Erhöre, Gott, um was wir beten! Amen. V. „Wie toben die Völker!" Wenn erst die Flamme entzündet ist, wie schlägt sie zum Himmel empor, und immer neue Nahrung fällt in ihre Gluth! Der Sieger spricht: ich schließe keinen Frieden, bevor der Feind völlig niedergeschlagen, ganz gedemüthigt, bevor ich den Becher der Siegeslust nicht bis auf den Grund getrunken! Der Besiegte spricht: ich schließe den Frieden nicht, bevor ich die letzte Kraft nicht erprobt, nicht immer wieder versucht, daS Geschick zum Wechsel zu bringen, das geflohene

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