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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-08-16 · Heft 33 (16.8.1870) · p. Seite 659

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 33 (16.8.1870)
Date
1870-08-16
Page
Seite 659 (sequence 15)
Language
German
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659 bedeutend reducirt und, wenn die Andacht fehlt, ganz vom Gebete dispensirt, die Fasttage so ziemlich abgeschafft u. s. w. Ja, es giebt sogar eine Chassidimsecte, welche mit unseren Radicalreformern darin überein stimmt, daß sie den Tag der Tempelzerstörung als einen Freudentag bei festlichen Gelagen begeht. *j Die Extreme berühren sich! Dafür giebt's freilich auch tiefinnige, nach Befriedigung ringende Chassidim, welche die Ascetik bis zu Schneebädern gebracht haben und in der Selbstpeinigung sich berauschen. Im Ganzen und Großen aber ist der Chassidismus ein Sinnentaumel, der sich der talmudischen wie jeder andern Forschung entschlagen will, und darum ist er der intimste Freund des Despotismus, der ebenfalls den Sinnen schmeichelt, um den Geist von den Bahnen des Gedankens fernzuhalten. *) Herr Iastrow drückt sich sehr unbestimmt aus er will doch nicht sagen, daß irgend welche jüdiscbe Reformer Thischea Beab mit einem Gelage feiern? Wir haben noch nichts davon gehört. Redact. Nachtrag. Berlin, 7. Aug. Hier sind drei Lazarethe errichtet, die nicht unter irgend einem Generalstabsarzt oder zur Verfügung eines Armeecorps, sondern direct zur Disposition des Königs stehen. Die beiden dieselben leitenden Oberstabsärzte (mit Majorsrang) sind zwei Juden, Dr. Pinkus und Dr. Prager. — Das Johannisgymnasium in Breslau ist nun doch eine confessionslose Anstalt geworden. Die Stadt hat es als Lazareth eingerichtet, oder denkt Herr v. Mühler die jüdischen Verwundeten vor die Thür zu werfen? Der Zudrang zu den Fahnen seitens jüdischer Freiwilliger ist ein ungeheurer. Die Juden bewähren sich wieder als echte Patrioten. Hoffentlich werden dafür mit dem Kriege die letzten Beschränkungen der Juden in Preußen ihr Ende gefunden haben. — Die „Voß. Zeit." macht mit Recht darauf aufmerksam, daß man nicht mehr von „christlicher" Barmherzigkeit sprechen solle in einem Augenblicke, wo bei allen Wohlthätigkeitsvcranstaltungen die Namen der Juden voranstchen. Die Damen des Vereins zur Speisung und Erfrischung der durchziehenden Truppen .sind meistens Jüdinnen. Dabei mag als Euriosum erwähnt sein, daß, als gestern (Samstag 6.) 500 französische Gefangene, darunter viele Turcos, durcbpassirten, die Damen sie hauptsächlich mit Schweinefleisch bewirthcten, der Vorschriften ihrer Religion und der so vieler unten den Gefangenen uneingedenk. A n; e i gen. Wahl eines Chas'an in der Gemeinde B'nai Jesburun, West 34. Str, New-9)ork, Nord-Amerika. Die Wahl eines solchen findet nächsten 23. Oct. statt. Candidaten für dieses Amt müffen die Fähigkeit besitzen, die Gebete, so wie die Thoravorlesungen, mit vorzüglicher Correctheit vorzutragen, was eine genügende Kenntniß der hebräischen Sprache bedingt ldie Thoravorlesungen sind nur auf Verlangen des Vorstandes zu leisten). Auch müffen dieselben eine tüchtige musikalische Bildung be sitzen, um die Noten richtig vom Blatte lesen zu können und um vereint mit dem Chore zu singen. Der Gehalt der Stelle ist 2000 bis 3000 Doll., außer Nebeneinkünften. Diejenigen, welche auf diese Stelle Rücksicht nehmen, wollen sich in Person vorstellen. Reisespesen werden hierbei, Seiten der Gemeinde, nicht vergütet. Zuvor haben die Candidaten ihre Gesuche und Zeugniffe dem Parnaß der Gemeinde, Herrn Henry Davison, 1.8 Walker Str., bis zum 23. Sept. einzusenden. Die hiesige Lehrer und Cantorstelle, welche mit einem Einkommen von 250 Thlrn. verbunden, soll zum l.October er: anderweit besetzt werden. Bewerber, welche unverheirathet, und gute Zeugnisse besitzen wollen sich baldigst schriftlich bei mir melden. Reisekosten werden nicht vergütet. Borgentreich, 28. Juli 1870. Der Vorsteher: G Löwcnstein. Gesucht wird ein tüchtiger Hauslehrer zu Ende Octobcr c. gegen hohes Salair bei freier Station. Franco-Offerten unter A. lio besorgt die Expedition dieses Blattes. Ein junger unverheiratheter Mann, welcher als Vorsänger, Schächter und jih in einer Gemeinde fungirt, auch einige Kenntnisse in der Musik besitzt, wünscht der Verbesserung wegen anderweitige Stellung. Wer u. wo? sagt die Exped. d. Bl. unter Chiffre K. K. # lO.^-H

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