Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1870)
- Date
- 1870-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrgang. Allgemeine JW 33. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 16. August 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags» in 2 bis 2V2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Tblr. Inserat: werden mit 1 '/z Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Beste!, lungen an; der Haupt-Expedilion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau mrterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Idee und Realität im Lichte der Gegenwart. — Literar ischer Wochenbericht: Bonn. Zeiürngsnachrichten: Deutschland: Bonn, Aus der Provinz Posen, München» Fürth. — Frankreich: Paris. — Jt alten: Rom. — Palästina: Jerusalem. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Eine Schilderung aus dem chassidischen Volke in Polen. Nachtrag: Berlin. Fenilleton-Beilage: Gebete während des Krieges, kl. u. HI. — Die jüdisch - griechischen Dichter. (Schluß). —Aus Palästina. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 1. August. Idee und Realität im Lichte der Gegenwart. Unsre Leser werden es der allgemeinen Stimmung gemäß finden, wenn wir uns auch heute noch nicht von dem Gegenstände loszuwinden vermögen, der jetzt aller Menschen Herzen und Geister in Anspruch nimmt. Noch immer ist der eigentliche Kamps nicht entbrannt und Stunde auf Stunde, Tag auf Tag lauscht die geangstigte Seele nach der Kunde großer Ereignisse, die in ihrem Verlaufe, ihren unmittelbaren und fernern Folgen alle ihre Interessen, die inneren wie die äußeren berühren. Wir fühlen, die Menschenwelt ist wieder einmal an einem Zeitpuncte angelangt, von dem aus sich ihre Gestaltung aus längere Zeit her datirrn werde. Es ist der Augenblick, wo der unausbleibliche Sturm, wo der Stoß des Orcans, dem wir nicht ausweichen können, und dessen Gewalt unberechenbar ist, von uns erwartet werden muß. Wie er uns ergreifen, was er niederschmettern, was zerreißen und zerstieben werde — wir wissen es nicht, wir müssen still halten, wir müssen es über uns ergehen lassen! Aber je überraschender Alles gekommen, desto mehr müssen wir es uns zum Bewußtsein bringen, desto mehr seine Bedeutung und sein Wesen zu ergründen suchen. Vor Allem wird es hierbei ankommen, die ideale und reale Politik zu vereinigen, die streitenden Momente der Ideen und der wirklichen Erscheinungen auszugleichen, sein Auge nicht langer vor Illusionen zu verschließen, aber darum die Wahrheit des ideellen Lebens nicht zn verkennen. Zu Letzterem sind wir in den Stunden großer Bewegung und Gefahr stets am meisten geneigt. — Das 17. Kapitel des 5. B. Moses von feinem 14. V. an deutet mit wenigen Strichen die Wege an, welche die Königreiche der Erve gegangen sind bis auf den heutigen Tag. Es wurde den Israeliten gestattet, sich einen König einzusetzen, wenn sie darnach verlangten. Dreifaches sollte ihm verboten fein: die Vermehrung seines Kriegsheeres (hier besonders durch Rosse), die Vermehrung seiner Reichthümer und die Vermehrung seiner Weiber. Eroberung, verschwenderischer Glanz und sittenlose Ausschweifung waren die drei Wege, auf welchen die Könige Israels nicht gehen sollten. Lesen wir die Worte genauer, so erkennen wir, daß der Gesetzgeber nicht einmal den Versuch macht, diese Verbote durch ir- I gend welche stricte Verordnungen und Einrichtungen festzustellen und zu stützen, so daß sie in der That nur den