Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1870)
- Date
- 1870-08-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrgang. Allgemeine JW 32. Zeitung des Iudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 9. August 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2>/z Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Tblr. Inserat: werden mit > >/, Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedi:ion für beide Letztere har sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel; Die Gefahren. — Das mosaisch-talmudische Kriegsrecht. H. — Die westrussichen Juden. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig, Berlin, Bonn, Cöln, Schwerfenz. — O österreichischungarische Monarchie: Pest, Suczawa. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Donaufürstenthümer: Bukarest. Feuilleton-Beilage: Gebete während des Krieges. I. — Die jüdisch-griechischen Dichter. — Moritz Katisch. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 27. Juli. Die Gefahren. Noch steht der Kampf inmitten seiner Vorbereitungen. Die Heerhaufen thürmen sich auf beiden Seiten der Grenze in riesenhaften Massen auf. Dicht an meinem stiedlichen Garten rollen von Viertelstunde zu Viertelstunde unabsehbare Eisenbahnzüge mit den deutschen Kriegern und ihren Geschossen vorüber. Nock sind es nur unbedeutende Vorpostengefechte, die sick entspannen. Aber diese Vorbereitungen zeigen aus die furchtbaren Schlachten hin, welche folgen werden. Woher dies Alles? und wohin will es? Zwei Gefahren sind es, in welchen die europäische Welt sich befindet, aus denen ein allgemeiner europäischer Brand und unermeßliches Verderben hervorgehen kann. Die erste Gefahr besteht in der großen nationalen Spannung, in welcher alle europäischen Staaten unter und gegen einander befangen sind. Und da nun die Lösung derselben seit 1854 mit dem Schwerte unternommen wurde, da in diesem Augenblicke abermals der Krieg diese Lösung anstreben soll: so ist es nicht abzusehen, wann ein dauernder Friede die europäische Welt wieder beglücken werde. — Innerhalb der europäischen Staaten und Völker ist für die Neuzeit noch nichts fertig, weder im Innern noch im Aeußeren. Betrachten wir das Letztere. Seit mehr als drittehalb Jahrhunderten erstrebte Frankreich die Suprematie in der europäischen Völkerfamilie, und erreichte sie. Heinrich IV., Richelieu, Ludwig XIV., die Republik, Napoleon I. und Napoleon III. hatten diese Obmacht zum Ziele ihrer unermüdlichen Anstrengungen mit den außerordentlichsten Opfern gemacht. Diejenigen französiscken Regierungen, welche sie nickt zu erhalten wußten, fielen, eine nach der anderen. Ludwig XVI., dessen Vorgänger das politische Ansehen Frankreichs zu Grunde gerichtet hatte, das Directorium, die Bourbonen der Restauration, das Julikönigthum wurden gestürzt, vorzugsweise, weil sie die Machtentfaltung Frankreichs nicht zu bewahren oder nicht wieder in die Höhe zu bringen verstanden. Es ist dies also die traditionelle Politik Frankreichs, mit welcher sich deshalb die französische Nation identificirt hat, so daß sie sich in der Thal jeder inneren Freiheit berauben läßt, wenn jener gefröhnt wird. Den Verfall aller inneren Institutionen duldet sie und jede freiheitliche Verfassung läßt sie verpfuschen, wenn jenem Gelüste nach der europäischen Suprematie genügt wird. So