Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1870)
- Date
- 1870-08-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrgang. JW 31 Allgemeine Zeitung des Iudcnthums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeb en von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 2. August 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis >'/- Bogen. Preis deS Jahrgangs -> Thlr. Halbrahng 2 Thlr Biertcliabrig Inserat: werden mit ,'/, Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhamdlimgen, Postämter mW Zertungs-Expeditionen nehmen tagen an; der Haupt-Expediiio» für beide Letztere hat sich daS Äomgl. Sachi. Haupt-Zertungs-Burean unterzogen. 1 Tblr. Destel- Inhalt. Leitende Artikel: An unsere Glaubensgenossen. — Das mosaisch-talmudische Kriegsrecht. — Literaris chcr Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin,Hamburg, Bonn. — O esterreichischungarische Monarchie: Pest, Lemberg. — Frankreich: Paris. — Spanien: Madrid. — Palästina: Jerusalem. KeuMeton-Beilage: Wer hat den zweiten Tempel zerstört? — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 19. Juli, unsere Glaubensgenossen. Ein unsäglicher Schmerz ist jedem Menschenfreunde, jedem echt religiösen Gemüthe bereitet. Die beiden größten Culturvölker der Jetztzeit stehen im Begriff, sich mit Krieg zu überziehen, mit ungeheuren Heeren, mit raffinirtesten Zerstörungsmitteln, mit Waffen, wie man sie bis hierher nicht gekannt, auf einander loszustürzen, und voraussichtlich einen Kampf zu beginnen, der nur durch die äußerste Erschöpfung beider oder durch die völlige Niederlage des einen Volkes beendet werden kann! Und warum? Noch wenige Tage vor dem Beginne des Conflicts die nachdrücklichsten Friedensversicherungen von allen Seiten, eine Zuversicht auf den Frieden, ein Verlangen nach ihm, wie sie nicht stärker sein konnten. — Ein unleugbarer Beweis, daß beide aus dem Frieden geradezu hcrausgeschreckt worden, daß in keinem derselben ein Begehr nach Krieg vorhanden gewesen. Plötzlich war in der einen Nation eine Ehr- und Ruhmbegierde entzündet, die sie zum Kriege gegen die andere trieb, in welcher ihrerseits nothwendig die Flamme der Vaterlandsliebe aufschlagen mußte. Es ist also Thatsache, daß nichts als der Wille des einen Herrschers diesen ungeheuren Kampf hervorgerufen hat. Unermeßlich sind bereits die Verluste an Besitz und Erwerb, welche die beiden Volker, aber auch die anderen Glieder der civilisirten Bölkerfamilie bettoffen; grenzenlos sind die Opfer an Besitz und Erwerb, welche bevorstehen; aber alle diese sind nicht anzuschlagen gegen die Legionen jugendlicher und kräftiger Männer, welche hingeschlachtet werden, gegen den Haß, der gesäet wird, gegen die Armuth und Noch in zahllosen, ihrer Ernährer beraubten Familien, gegen die Krankheiten und Seuchen, die im Gefolge des Krieges wüthen werden! Krieg! . . . Eine ganze Generation, die des Lebensalters, in welchem Schreiber dieses steht, sieht mit bitterer Enttäuschung auf die Arbeit ihres Lebens zurück, wie auf eine, zum größten Theile und in ihrer innersten Tendenz vergebliche, eitle! So viel ist für Cultur, Humanität, Intelligenz, Gerechtigkeit und Freiheit gefühlt, gedacht, gesprochen, geschrieben, gewirkt, so viel für die Werke und Künste des Friedens gesonnen und gearbeitet worden, daß sich allmälig die Ueberzeugung gebildet hatte, die in allen ihren geistigen und materiellen 9ntereffen so eng verbundenen Nationen würden den Krieg nicht mehr kennen, und jene Zeit angebrochen sein, von