Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1870)
- Date
- 1870-07-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrg-Mg. Allgemeine _JW 29. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Her au sge'g eben von Rabbiner vr. Ludwig Phitippson in Bonn. Leipzig, den 19. Juli 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag«, in 2 bis 2'/, Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Tblr. Inserat: werden mit I */i Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung«-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedilion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Reichen. — Die Blulprocession in Brüssel. IV.— Die westrussischen Juden. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, BrcSlan, Hannover. — Ocstcrreichischungarischc Monarch i c: Pest, Preßburg, Lemberg, Brody. — Rumänien: Bukarest. — Italien: Rom. — S 6wcrz: Eningen. —_ Schweden:Norrköping. — Türkei: Tripoli, Alexan- Feuilleton-Beilage: Novelletten. II. lSchlußl. — Eine Lemberger Wählerversammlung. Leitende Artikel. Bonn, 10. Juli. Die Reichen. Die Aufgabe, welche das Judenthum für die nächste Zeit ganz befouders hat, ist: die sittliche Erstarkung im Schoße seiner Glaubensgcnossenschaft. Die Entwickelung der Intelligenz, die Verbreitung der Cultur in der Masse, die ihm angehört, braucht das Judenthnm gegenwärtig nicht mehr als seinen besonderen Zielpunct im Auge zu haben: der kräftige Anstoß, der jener gegeben ist, im Verein mit der gesammten Culturbewegung genügt, und alle statistischen Tabellen der höheren und niederen Unterrichtsanstalten erweisen, welches eminente Streben nach dieser Richtung in den Juden lebt. Ebenso ' ist für die Bearbeitung und Umgestaltung, für die wissenschaftliche, literarische und reformistische Entwickelung genug geschehen, um sicher zu sein, daß sie nicht still stehen, daß sie weiter schreiten und ihren Weg machen wird. Um so kräftiger, um so energischer muß im Judenthume die innere Mission, um uns dieses Ausdrucks zu bedienen, auf die sittliche Seite, auf dieses höchste Erzeugniß einer Religion, auf dieses wesentliche Moment ihres Fortbestandes fortan gerichtet sein. Man verstehe uns richtig: wir meinen nicht, daß die Ethik des Judenthums einer, von allen Seiten an zu greifenden wissenschaftlichen Bearbeitung bedarf, denn, wenn auch dieses Bedürfniß lange noch nicht befriedigt ist, liegt doch hierin nicht die eigentliche Aufgabe, sondern wir meinen, daß in der Gesammtheit der Bekenner des Judenthums das sittliche Wesen und Thun, das sittliche Bewußtsein und die sittliche Kraft nachhaltig gestärkt, gehoben, entfaltet und gekräftigt werden muß. Wir verwahren uns hierbei von vornherein, als ob wir hiermit hätten aussprechen wollen, daß wir unsere Glaubensgenossen an sittlichem Gehalte und Werthe hinter anderen Theilen der Bevölkerung zurückstehend erachteten. Dies ist durchaus nicht der Fall. Ja, wir scheuen uns nicht, in mehrfacher Beziehung daß Gegentheil zu behaupten, und es wird uns diese Behauptung um so leichter, als jeder unparteiische Statistiker durch seine criminalistischen Tabellen, durch seine Ergebnisse in allen Momenten der Familie, der unehelichen, todtgeborenen Kinder, der Sterbefälle in den ersten Lebensjahren, des Alters u. f. w. auf das Zugeständiß stärkeren sittlichen Lebens bei den Juden, z. B. auch was Mäßigkeit, Fernhalten von groben Lastern betrifft, gelangt. Aber das Judenthum rühmt sich vorzugsweise eine Religion der That zu