Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1870)
- Date
- 1870-07-12
- Page
- Seite 555 (sequence 7)
- Language
- German
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555 find Zusagen, aber noch die Ernennungen nicht erfolgt. Nur Breslau zeigte schon als Abgeordneten den Syndikus Dr. Houigmann an. Wir werden bis nächste Woche «ine größere Liste mittheilea können. Aub. Zeituugsuachrichteu. Deutschland. Dresden, im Juni. (Privatmitth.) Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat seinen Geschäftsbericht auf das Jahr 1869 veröffentlicht. Nach demselben bestand die Einnahme in 18,979 Thlrn., die Ausgabe in 9532 Thlrn., so daß das in die erstere mit eingerechnete Baar-Bermögen von 6,109 Thlrn. auf 95Ü0 Thlr. gestiegen ist. Hierunter befindet sich ein Legat des verst. Commerzienraths M. A. Weher von 2000 Thlrn. zum Bau einer Orgel, wozu deffen Wittwe noch 1000 Thlr. hinzufugte. Der Vorstand hatte die Anschaffung derselben beschloffen, ließ aber auch die Gemeinde darüber abstimmen, und votirten 86 dafür und 37 dagegen. Dennoch wurde von letzterer Seite ein Protest bei dem Cultusministerium erhoben, aber abgewiesen. Nach der herrschenden Stimmung wird Weiteres nicht daraus erfolgen. Die Schulcaffe hatte 10,060 Thlr. Einnahme und 2500 Thlr. Ausgabe, so daß das Baarvermögen von 6121 Thlrn. auf 7558 Thlr. stieg. Die Gcmeindeschule ist aber wegen immer spärlicheren Besuches Michaelis 1869 aufgehoben und in eine rasch emporbluhende Religionsschule von 4 Claffen umgewandelt worden. Die Gemeinde ist jetzt im Wachsthum begriffen, und hat im Jahre 1869 allein 28 neue Mitglieder erhalten, so viel wie in den letzten vier Jahren zusammengenommen. Sie zählt jetzt 769 Seelen. Im Laufe dieses Jahres wurden die Sitzungen dcS GemeinderathS zu öffentlichen gemacht. Die Gemeinde war bei der Leipziger Synode durch drei Herren vertreten, und in Folge der Synodalbeschlüffe wurden die Mischeberachs reducirt, die stille Recitation der Schemone Esre beseitigt und „einige, zu scharfe und mit unseren lichteren Zeiten und deren ^Anschauungen im Widerspruch stehende Ausdrücke" entfernt. Die Gemeinde trat auch dem deutsch-israelitischen Gemeindebunde bei. Don neuen Stiftungen haben wir zu berichten: von der verewigten Frau Clara Bondi 12000 Thlr. zu einer Markus- Bondi- Stiftung, zur Unterstützung hülfsbedürftiger Kranken, die in die böhmischen Bäder reisen, die eine Hälfte christlicher Badereisender. die andere sächsischer Israeliten; ferner eine Clara-Bondi-Stiftung, für welche Frau Rosalie Zunz 10000 Thlr. bestimmte, deren Zinsen zu Miechzins und Schulgeld für arme Glaubensgenossen bestimmt sind. Die wohlchätigen Vereine, deren Zahl 13 ist, besitzen zusammen ein Vermögen von 37,300 Thlrn. Wenn man die geringe Seelenzahl unserer Gemeinde mit all' den hier aufgezählten Summen vergleicht, so wird man die Opferwilligkeit und rege Hingabe Aller an die religiösen Unterrichts- und Wohlthätigkeitszwecke hoch schätzen lerneu. Berlin, 28. Juni. (Privatmitth.) Da diese Bl. einmal dem Herrn Pinner ihre Aufmerksamkeit schenkten, so sollen die Leser auch mit den neuesten Thaten desselben bekannt gemacht werden, die bereits an das Grotesk-Komische streifen. Er hatte seine bekannte Petition dem Reichstage übergeben, und hier wurde sie völlig dem Geschäftsgänge und der Reihenfolge gemäß behandelt, so daß der Schluß des Reichstages eintrat, ehe sie nur in der Commission zur Verhandlung kann. Daraus beschwerte Herr Pinner sich bei demBundesrathe über den Präsidenten des Reichstages, den Appcllationsgerichtspräsidenten Simson! Selbstverständlich hat der Bundesrach die Beschwerde zurückgewiesen, da einerseits bei dem vollständig ordnungsgemäßen Verfahren des Präsidenten Grund zur Rüge gar nicht vorlag, andrerseits der Reichstag, wie Jedermann außer dem Doctor Pinner weiß, eine souveräne Körperschaft ist, über die und über deren Mitglieder niemandem — saußer ihr selbst — eine Disciplinargewalt zusteht. Damit war cs also nichts, Herr Pinner mußte auf ein neues Mittel zur Erreichung seiner Zwecke sinnen. Am 3. August d. 2. soll hier die dem König Friedrich Wilhelm Ul. im Lustgarten errichtete Statue mit großen Festlichkeiten enthüllt werden. Diese Feier begegnet keiner sehr großen Sympathie seitens der berliner Bevölkerung. Die Ungunst, welche die Regierung der Schiller- und der projectirten Humboldtstatue gezeigt hat, machen wiederum die ösftntlrche