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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-12 · Heft 28 (12.7.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 28 (12.7.1870)
Date
1870-07-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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34. Jahrgang. Allgemeine JW 28. Zeitung des Zudcnthums. Ein ««parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 12. Juli 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag«, in 2 bis 2'/* Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. __ Inseratwerden mit I >/, Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und lungen an; der Haupr-Expedilion für beide Letztere hat sich das Königl. ©c*c *~—* ^-*-—»-*>■ Inhalt. Leitende Artikel: Was ist und will der Fanatismus der neueren jüdischen Orthodoxen? HI. — Die Blutprocession in Brüstet. III. — Bericht über die zweite Synodalver- Zeitungsnachrichten: Drutschla Breslau, Hamm, Freiburg, Bonn. Breslau, Hamm, Freiburg, Bonn. — Oesterreich: schungarische Monarchi e: Wien. — Frankreich: Paris. — Holtand: Amsterdam. — Rumänien: Bukarest. Fenilleton-Beilage: Novelletten. ll. — Anathema sit! — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, 3. Juli. Was ist und will -er Fanatismus der neueren jüdischen Orthodoxen? in. Wir sind mit unserem Worte noch nicht zn Ende. Wir stellen den Satz voran: Religion ohne Gerechtigkeit und Billigkeit, ohne Wahrhaftigkeit nnd Treue ist keine Religion. Es ist schlimm, dies noch heute aussprechen nnd einscharfen zu muffen; denn was haben schon die Propheten mit jedem ihrer Aussprüche Anderes gelehrt? Erinnern wir uns an Michah 6, 8: „Verkündet hat er dir, o Mensch, was gut, und was der Ewige von dir fordert: nur Recht zu üben, und Huld zu lieben, und oemüthig zu wandeln mit deinem Gott." Aber wogegen die Propheten und heiligen Sänger zu kämpfen hatten, gegen die Verknöcherung und Verhenchelung der Religion, dagegen haben wir noch heute zu kämpfen, und je einfacher eine Lebre ver Religion, eine Wahrheit ist, desto lauter muß sie und immer wiederholt hinausgerufen werden unter die Menschen, die sich fo leicht verblenden und verwirren lasten. Die Religion will zuerst Den Geist des Menschen erleuchten durch die Lehre vom Wesen Gottes, der Welt, die er geschaffen, des Menschen. Dann will sie sein Gemüth erfüllen mit der Verehrung und Liebe Gottes, mit ver Liebe zu seinen Nebenmenschen, zu allen Geschöpfen. Und aus diesem religiösen Denken und durch dieses religiöse Fühlen will sie das Thun und Lasten des Menschen regeln, zu einem sittlichen machen. Alles ist hier Consequenz und Zusammenhang, Alles lebendig und organisch. Jene Lehre ist der sichere, unerschütterliche Boden, aus welchem, so lange der lebendige Zusammenhang besteht, das sittliche Thun nothweudig erfprießt, aber getrieben und geleitet durch das religiöse Fühlen, das die Leidenschaften bezähmt, die Begierden dämpft, den Willen lautert. Wer wirklich religiös denkt und religiös fühlt, wie könnte der anders als sittlich handeln, und wenn er einmal irre geht und sehltritt, wieder dahin zurückkehren? Das religiöse Denken ist die Wurzel, das religiöse Fühlen der Stamm, und das sittliche Thun Laub, Blüthe und Frucht, welche aus jenen in Fülle hervorspießen, von ihnen getragen und genährt werden. Was ist also das religiöse Denken, die Sammlung religiöser Begriffe, und wären sie noch fo klar und bestimmt,

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