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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-07-05 · Heft 27 (5.7.1870) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 27 (5.7.1870)
Date
1870-07-05
Page
Seite 545 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zu-enthmns. FemUeton-Leilage ju Ur. 27. Leipzigs den 5. JE 1870. Novelletten. von Joseph Raimund. I. (Schluß.) Mein Feind ist verloren! war der erste, ein Menschenleben ist zu retten! der zweite Gedanke, der durch die Seele Jakobs blitzte. Mit dem letzten Schlage und dem letzten furchtbaren Stoße waren Gewitter und Sturm verstummt und der Regen rauschte weiter. Eben war der Körper Meiers wieder in die Höhe gekommen. Der rüstige Mann, sonst ein tüchtiger Schwimmer, mußte das Bewußtsein verloren haben, denn er war offenbar das widerstandlose Spiel der Wellen. Jakob zögerte nicht mehr, er warf den Rock ab und stürzte sich in den Strom. Es war eine schwere Arbeit und die eigene Lebensgefahr groß. Aber nach mehrmaligem Nieder- und Austauchen, in Etwas begünstigt durch die an diesem Orte nach dem Ufer gerichtete Strömung, faßte er glücklich den Körper Meier's und brachte ihn an's Ufer. Die Frau mochte wohl in den letzten Momenten etwas gemerkt haben, denn sie stürzte gerade aus dem Hause, ängstlich nach ihrem Manne rufend. Sie begriff sofort was vorgegangen, legte mit Hand an den unbeweglichen Körper des Verunglückten und so brachte ihn das Ehepaar in die Stube und auf das Bett. „Eile schnell, Geliebte, ins Dorf zum Arzt und hole ihn sogleich herbei. Es leidet keinen Augenblick Aufschub!" Die Frau gehorchte; sie achtete nicht ihres weinenden Säuglings, nicht des ängstlich schreienden Kindes; sie warf ihren alten Mantel um die Schultern und eilte geflügelten Schrittes von dannen. Jetzt entkleidete Jakob den dem Tode verfallen Scheinenden und deckte ihn mit allen ihm zu Gebote stehenden Bettfiücken. Es mochte wohl ein eigenes Gefühl in ihm sein, sich mit dem allein und in solchem Zustande zu befinden, der ihn so hart verfolgt, so schwer bedroht, ja an den Rand des Abgrundes gebracht hatte. Er aber, er durchdachte es nicht; er holte eine harte Bürste herbei, nahm den Kopf Meier's in seinen linken Arm und begann mit der Rechten veffen Körper unaufhörlich zu bearbeiten. Eine viertel Stunde verging; Jakob ließ in seiner Anstrengung nicht nach; die Kinder hatten sich beruhigt; man hörte in der stillen Stube nur den Pendelschlag der Wanduhr und das Geräusch der Bürste. Da glaubte Jakob den leise beginnenden Herzschlag und einige leichte Athemzüge an dem erstarrten Körper zu empfinden. Er überzeugte sich, daß es Wahrheit sei, und seine Seele jubelte auf. Bald langte auch der Arzt mit Jakobs Gattin an. Nachdem cr den Zustand Meier's untersucht, rief er aus: „Jetzt, Jakob, habt Ihr dem Meier erst recht das Leben gerettet; Ihr habt den letzten Funken in dem Augenblicke wieder angefacht wo er er erloschen wollte. Nun, Frau, schnell Feuer angezündet, warme Tücher, glühende Steine, heißer Thee, das müssen wir habend Säugling und Tochterchen hatten der Mutter die Händchen entgegengestreckt, der erstere mochte wohl durstig sein und fing wieder zu weinen an. Aber die Mutter achtete ihres Kindes immer noch nicht, achtete ihrer eigenen triefenden Kleider nicht; schnell prasselte das Feuer auf, als ob das Haus angezündet werden sollte, und in kurzer Zeit war Alles bereit, was der Arzt verlangt hatte. Dann erst vertauschte sie ihre nassen Gewänder mit trockenen, hob ihr Kind aus der Wiege und legte es an ihre Mutterbrust. Die starke Erwärmung des Bettes und das unermüdet fortgesetzte Frottiren und Bürsten belebten den erstarrten Körper. Meier hüstelte mehrere Male und schlug dann die Augen auf. Er blickte sich stier um, feine bleichen Lippen stießen die Worte aus: „Wo bin ich?" dann sank der Kopf wieder zurück. „Es geht Alles gut", sagte der Arzt. „Flößen wir dem Patienten noch etwas warmen Thee ein. Dann lassen Sie ihn ruhig liegen. Er wird in starken Schweiß gerathen, dann seine Bewußtlosigkeit in einen tiefen Schlaf übergehen und wenn er erwacht, wird er genesen sein, wenn auch noch eine Zeit lang schwach." Der Arzt klopfte Jakob auf die Schulter, reichte der nährenden Mutter die Hand und empfahl sich. Jakob ließ sich zur Seite des Bettes nieder, die Gattin sprach kein Wort. Wo einmüthiges Handeln stattfindet, bedarf es keiner Verständigung durch Worte. Als der Säugling lächelnd von der Mutterbrust abließ, brachten sie die

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