Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 26 (28.6.1870)
- Date
- 1870-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrgang. Allgemeine JW 26. Zeitung des Iudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 28. Juni 1870. Me üeiömg erscheint wöckmtlicb einmal. Dienstags, in 2 bis 2>/2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. HalbiShri- 2 THIr. Vierteljährig 1 Tblr. bnierat: werden mit l '/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postcünter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Destel» lungen an; der Haupt-Expedi.ion für beide Letztere hat fich das König!. Sachs. Haupt-LciQWgs-Bnrccm unterzogen. 3 i b 111. Leitende Artikel: Was ist und will der Fanatismus der neueren jüdischen Orthodoxen? — Literarischer Wo - ch enbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bielefeld. — O esterreichis chungarische Monarchie: Wien, Pest. — Frankreich: Paris.— Rumänien: Bonn.— Belgien: Brüssel. — Schweden: Stockholm. — S chweiz: Bern. — Rußt and: Chemnitz. — Äme" rika: New-Uork, Washington. — Nachtrag: Berlin. Feuilleton-Berlage: Novelletten. I. — Die jüvisch - griechischen Dichter. (Schlußwort). Leitende Artikel. Bonn, 19. Juni. Was ist und will -er Fanatismus -er neueren jü-ischen Grtho-oren? Auf den Heerstraßen des Judenthums wirbelt jetzt viel Staub auf. Ja, allzuviel, Venn bei jedem Windstoß erfüllt er die Luft weithin, daß die Sonne fast einen rechlichen Schein bekommt, das Athmen fchwer wird, Mund und Lunge sich mit Sand füllt und auf jede sprießende Pstanze eine graue Decke fallt. Was ist das für Staub, und woher kommen die Windstöße, die ihn in Bewegung setzen? Seit fünfundzwanzig Jahren hat sich unter den Juden in den civilisirten Ländern, besonders in Deutschland, eine neue jüdische Orthodoxie aufgethan, die vielen Staub aufwirbelt, vielen Lärm macht, und hinter welcher in der That nichts von Geistes- und Thatkraft, nichts Schaffendes und Treibendes, weder Religion noch Sittlichkeit steht. Dieses harte Wort wollen wir erweisen. Es liegt kein Vorurtheil, keine Voreingenommenheit, kein Verlangen, zahllose Unbill zu strafen, darin. Warheit und Ueberzeugung sprechen es aus. Unser Urtheil haben wir immer abgegeben. Bei dem immer wachsenden Tumulte aber ist es Zeit, die Dinge einmal vollständiger ins Klare zu setzen. Warum sagen wir: die neuen jüdischen Orthodoxen? Weil sie eben von der wahren und eigentlichen jüdischen Orthodoxie, von der alten geschichtlichen sehr verschieden und sehr weit entfernt sind. Diese ein richtiges Deutsch schreibenden. Gymnasial- und Universitätsbildung besitzenden, von der modernen Cultur beleckten, mit der wiffenschaftlichen Arbeit vorgeblich bekannten Orthodoxen sind grundverschieden von unseren wirklichen Orthodoxen. Freilich hat nur einer unter ihnen. Herr R. S. Hirsch, Etwas geleistet, was der Beachtung nicht ganz unwerth ist; die Anderen, die Lehmanns, Hildesheimers u. s. w. haben gar nichts geleistet; diese verleugnenden, verketzernden, verfolgenden, sich jedes Mittels bedienenden Amte sind grundverschieden und sehr fern von der wahren jüdischen Orthodoxie. So ermächtigen uns Wesen, Leistung und; Gebühren sie als neue, als eine Abart, die unserer Zeit angehört, zu bezeichnen. Was ist nun dieser Fanatismus? Wir bekennen offen, daß wir in unserer Zeit an einen wahrhaften, wirklichen Fanatismus, ganz besonders religiösen Fanatismus nicht glauben. Wir halten ihn überall für erheuchelt, und geben höchstens zu, daß er zuletzt durch