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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-06-14 · Heft 24 (14.6.1870) · p. Seite 470

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 24 (14.6.1870)
Date
1870-06-14
Page
Seite 470 (sequence 2)
Language
German
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470 Denn da das Institut keine Buchhandlung, und weder auf Gewinn noch auf Verlust angelegt ist, sondern seine Schriften eben nur für seine Abonnenten drucken laßt, und den ganzen Ertrag der Abonnements auf die Herstellungskosten der Schriften verwendet, so muß es die Zahl der zu druckenden Exemplare nach der Höhe der Abonnentenziffer bestimmen. Wir lasten nun allerdings jedes Mal einige hundert Exemplare über die Zahl der bis zum 30. Sept. angemeldeten Abonnenten drucken, weil bei aller Mahnung und möglichst strengem Einhalten immer doch einige Agenten mit ihren Anmeldungen im Rückstände bleiben, wir aber mit dem Anfänge des Druckes nicht länger anstehen können, wenn die Werke rechtzeitig fertig werden sollen. Wir lasten also, wie gesagt, einige hundert Exemplare mehr abziehen, um solchen Nachbestellungen genügen, und besonders um etwaige neue Plätze, an denen das Institut bis dahin noch keinen Boden gewonnen, und die für die Zukunft etwas versprechen, versorgen zu können. In diesem Jahre nun waren zwar mit dem 30. Sept. von beinah allen Agenten die Anmeldungen eingelaufen. Nach dem Erscheinen der diesjährigen Werke aber langten so viele Mehr- und Nachbestellungen bei uns an, daß die mehr gedruckten Exemplare in kurzer Zeit sämmtlich abgegangen waren. Wir bitten daher Alle, welche sich für das Institut interessiren, namentlich alle unsere Herren Agenten, den Schlußtermin regelmäßig einzuhalten, da wir für alle Bestellungen nach dem 30. Sept. nicht mehr einsteheu können, sie auszuführen. So mußten denn auch in diesem Jahre schon zu unserm großen Bedauern eine nicht unbeträchtliche Zahl Nachbestellungen unbefriedigt bleiben. Das Publicum hat also abermals sein Verbiet über die Leistungen des Institutes ausgesprochen, und ein Verbiet von dieser Stelle ist für ein literarisches Institut das entscheidende. Trotz allen Anfeindungen und Wühlereien unsrer Gegner, trotz allen feindseligen Kritiken und Verdächtigungen, die gegen das Institut im Ganzen und seine Einrichtungen, theils gegen seine einzelnen Leistungen ins Feld geführt wurden, hat das Publicum dem Institute die Gunst und Theilnahme erhalten, die es ihm nunmehr bereits seit 16 Jahren geschenkt, und hat seine Erzeugnisse hinlänglich gewürdigt. Wir wissen wohl, daß diese Gegner nicht blos im Lager unserer Antipoden, die z. B. im verflossenen Jahre ein besonderes Pamphlet wider das Institut aussandten und emsig verbreiteten, zu suchen sind; es sind ganz andere Leidenschaften, als der fanatische Eifer gegensätzlicher Grundsätze, welche gegen uns die Waffen führen, wir können sagen, niedrigere Beweggründe, die scheinbar den Mantel unparteiisch sein wollender Kritik um sich schlagen, es aber im nächsten Augenblicke doch nicht verbergen können, wie ihnen jedes Gefühl für Recht und Wahrhaftigkeit abgeht, so daß sie sich elender Kunstgriffe bedienen, um herabzusetzen und herabzuwürdigen, und zu diesem Zwecke auch die Unwahrheit und Lüge nicht scheuen. Wir begegnen allen diesen Feinden nur mit Stillschweigen. Wir erwidern ihnen nichts, ebenso wie wir andrerseits in dieser Zeitung feit vielen Jahren jede Besprechung der vom Institute herausgegebenen Schriften unterlaffen, um nicht den Vorwurf irgendwie zu rechtfertigen, daß wir den Erzeugnissen des Institutes durch „Lobeserhebungen" zu Hülfe kommen. Wir meinen durchaus nicht, daß jene Feindseligkeiten gegen das Institut ganz ohne Wirkung und Schaden bleiben; so wie eine kräftige Unterstützung fördert, so behindern Anschuldigungen und Herabsetzungen. Aber wir halten es für unter unserer Würde, solchen Manoeuvres entgegenzutreten und lassen lieber die Thatsachen allein für uns sprechen, was sich denn auch bis jetzt immer und ganz besonders im verflossenen Jahre bewährt hat. Im Grunde genommen giebt es im und für das Judenthum einen viel schlimmeren Feind als alle diese gehässigen und kleinen Geister, das ist: die Gleichgültigkeit, der Jndifferentismus, die Geist- und Gemüthlosigkeit. Raupen und Würmer schaden den Blüthen und Früchten gar sehr; aber eine Dürre, eine regen- und thaulose, macht die ganze Flur welk und öde und vernichtet alle Hoffnungen des fleißigsten Säemanns. Diese Gleichgültigkeit für das Judenthum, seine Interessen und Erzeugnisse, für Religion überhaupt, ist ein viel schädlicheres Hinderniß auch für unser Institut, und wenn es uns gelänge, diese in ihrer Ausdehnung beschränken, in ihrem Wachsthum behindern zu helfen, so hätten wir damit ungleich mehr errungen, als wenn wir alle unsre Gegner, die offenbaren wie die geheimen, aus dem Felde räumen könnten. Die Leiter des Instituts sind unaufhörlich bedacht, die möglich besten Arbeiten demselben zuzuführen und künftige Leistungen vorzüglicher Art vorzubereiten. Es versteht sich von selbst, daß Meisterwerke nicht wie die Pilze aus der Erde wachsen, daß Epoche machende Schriften nicht alle Tage zur Hand sind. Eine jede Literatur baut sich wie jedes Bauwerk nicht blos aus Kunstwerken der Sculptur, aus mächtigen Säulen und

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