Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1870)
- Date
- 1870-05-31
- Page
- Seite 439 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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43A anonym*) ausgenommen haben, veranlaßt mich;u der ergebensten Bitte: andiatur et altera pars. Es ist Thatfache, und Sie selbst haben sich im Leben vielfach davon überzeugt, wie nicht selten die besten Absichten verkannt, das edelste Streben bestritten und oft Männer von unermüdeter Thätigkeit und segensreicher Wirksamkeit bekrittelt, wenn nicht gar persönlich angeseindet werden. Kein Wunder daher, daß auch unser Verein zur Verbreitung der Bildung diese Erfahrung machen mußte. Denn obgleich das Comitö die Tendenz des Vereins stets mit Einsicht und Umsicht verfolgt und die geeignetsten Mittel zur Erreichung des Zweckes angcwendet hat: die bewilligten Summen zu monatlicher, auch zeitweiliger Unterstützung bedürftiger isr. Studirendcr aus den höheren Lehranstalten; zwei Stipendien, jedes zu 100 R. jährl. in den Rabbincrschulen; die Verbreitung wissenschaftlicher und populärer Schriften; die Unterstützung der Verfasser und Uebersetzer nützlicher Werke in der hebräischen und auch in der russischen Sprache; die Anschaffung und Versendung der da und dort nöthig gewordenen Schulbücher — worüber ich Ihnen nächstens ausführlicher berichten werde — alles half nichts: „Der Jude u. s. w."-Schon vor einigen Jahren wurde in einer Plenarversammlung beschlossen, die Bibel im Urtexte, und den Anforderungen der Zeit gemäß, mit einer russischen Uebersetzung drucken zu lassen und wurde zu dem Ende das Comite um die Beschaffung der hierzu erforderlichen Genehmigung ersucht. Diese aber wurde höchsten Ortes nicht ertheilt, gleichwie schon früher Herr 99?. aus ein gleiches Gesuch beschicden worden war. Während nun aber das Eomitö nach wie vor vielseitig um die fernere betreffende Verwendung angegangen ward, hat dasselbe abermals ein Gesuch cingereicht des Inhalts, die Bibel im Urtexte mit einer russischen Uebersetzung nach der bereits von der Synode editirten russischen Bibel unter nöthiger Abänderung drucken lassen zu dürfen. — Wer nun in aller Welt wird unter diesem Worte etwas anderes verstehen wollen, verstehen können, als *) Wenn der Artikel nicht mit dem Namen des Corresp. versehen ist, so ist dieser doch für uns nicht „anonym". Anonyme Artikel nehmen wir niemals auf. Der ged. Eorrespondent hat uns schon oft geschrieben , und ist uns mit Namen und Jnsiegel bekannt. Redaktion. die für uns Israeliten etwa anstößigen Stellen daselbst umzuändern und dem hebräischen Texte genau entsprechend zu machen? Warum aber der unterschriebene „Eingeweihte" diese nothwendige Bemerkung, unter welcher die Genehmigung zur Uebersetzung nachgesucht worden ist, in seinem Artikelchen verschwiegeu und hinweggelassen, wird wohl Jeder nunmehr von selbst einsehcn und das Ganze darnach zu beurtheilen wissen. Denn wie hätte er auch sonst der Wahrheit gegenüber zu Schimpf und Schmähung des Eomites sich crdreisten können! Dieses aber resp. die Glieder derselben, Männer von Ruf und Ehre, zum Theil selbst im Auslande rühmlichst bekannt, hielten es darum auch unter ihrer Würde etwas daraus zu erwie dern. Denn mit der Feder der Gehässigkeit und Beschimpfung Anderer beschmutzt sich stets der Schreiber nur selbst. Ich fühle mich aber gedrungen den Sachverhalt in Kürze der Wahrheit gemäß mitzutheileu, ohne aber das Eomite gegen solche Ausfälle und Auslassungen in Schutz zu nehmen zu brauchen. Dasselbe wird — ich bin dessen überzeugt — nicht ermüden und ermatten, sondern vielmehr fortsahren, das Gute zu stützen und zu fördern, zur Verherrlichung unserer Religion und zur Ehre seiner Bekenner. 8apie,ui sat. — Rabb. Dr. Neumann. Warschau, 6. Mai. Die Fälle, wo in den Provinzen ungescheut von Beamten wie von Bauern, von Officieren wie von Räubern die schändlichsten Missethaten gegen die mtglücklichen Juden verübt werden, mehren sich. Die Stadt Kaluszyn, im Gouvernement Warschau, war am 24. April der Schauplatz unerhörter Gewaltthätigkeiten der Polizei gegen die dortige jüdische Bevölkerung. Veranlassung dazu gab ein Streit, den ein jüdischer Einwohner mit einem Ossicier der kaluszyner Garnison gehabt, deffen Bursche ihm vom Hofe Holz gestohlen hatte. Der Bestohlene war in die Wohnung des Officiers gekommen, um wegen dieses Diebstahls Beschwerde zu führen, wurde aber von dem Officier festgehalten und bei verschlossener Thür auf grausame Weise körperlich mißhandelt, so daß er laut um Hülfe rief. Die Nachbarn, die diesen Hülferuf hörten, eilten herbei, erbrachen die Thür der Wohnung des Officiers und befreiten den schwer Gemißhandelten aus seinen Händen. Der Officier, der durch \ das gewaltsame Eindringen in seine Wohnung sein 22*