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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-31 · Heft 22 (31.5.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 22 (31.5.1870)
Date
1870-05-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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34. Jahrgang. Allgemeine Jlf* 22. Zeitung -es Iudenthums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 31. Mai 1870. Diefe Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag», in 2 bis 2'/? Bogerr. Preis deS Jahrgangs l Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig I Thlr. Inserate werden mit I '/r Äigr. für die Petitzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zerwngs-Expcditionen nehmen Bestellungen an; der Hanpt-Expedi.ion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Hanpt-ZeitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Zur Beschneidungsfrage. — Politische und sociale Zustände. UI. — Das Gutachten über die ungarisch-israelitischen Congreß-Statutcn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Posen, Michelsscld, Baiersdorf. — Oesterreichischungari sche Monarchie: Wien. — Schweiz: Aus dem Aargau. — Frankreich: Bonn. — Rumänien: Bukarest. —Rußland: St. Petersburg, W arschau. — Griechenland: Korfu. — Arabien: Aus Aemcn. Feuilleton-Beilage: Betrachtungen vom Thurrne. V. — Zur Warnung. Vermischtes. — Anekdote. Leitende Artikel. Bonn, 22. Mai. Zur Seschneidungsfrage. Nach den vielen Erörterungen, die von Anderen und uns*) über diesen Gegenstand stattgefunden, ist es an der Zeit, zu einer Conclusion zu kommen, und wir stehen nicht an, diese unsrerseits aufzustellen, indem wir einerseits unsere Absicht Niemandem als maßgebend aufdrangen, andrerseits aber auch der Art von Terrorismus, die in dieser Frage versucht worden ist, nicht nachgeben oder die geringste Berechtigung zuschreiben. Es gilt vor Allem, die Einsicht in diese Frage klar zu *) S. Jahrg. 1869. S. 693. 779. 919. 1060. Jahrg. 1870. Beilage zu Nr. 15. stellen, und sie von jeder sophistischen oder rabulistischen Jnterpretationslust fern zu halten, durch welche für unsere Zeit nur aus der Vergangenheit eine Methode erneuert würde, deren Erzeugnisse so oft perhorrescirt werden. Es ist der Beruf der Wissenschaft, jede Frage gründlich und bis in das Speciellste hinein zu untersusuchen und zu erörtern, dann aber einfach und bestimmt die Resultate und Schlüffe, so weit es ihr möglich ist. zu geben; andren Falles wird sie die Frage mehr verwirren als lösen. Die Beschneidungsfrage enthalt aber zwei Partieen, nämlich: welches ist die Ansicht über die Renitenz gegen die Beschneidung? und wie hat sich die Glaubensgenossenschaft gegen solche Renitenz zu verhalten? I. Es ist das unzweideutige Ergebniß aller aufrichtigen Untersuchungen: daß sowohl das biblische wie das talmudische Judenthum die Beschneidung als das „Bundeszeichen," als den unumgänglichen Erweis der Angehörigkeit zum israelitischen Religionsbunde, zur israelitischen Religionsgenossenschaft und Gemeinsamkeit ansieht. Jeder Israelit wird in diesen Bund hineingeboren, aber als die erste und unumgängliche Bethätigung in demselben für das männliche Geschlecht ist die Beschneidung bestimmt. Mos. 17, 10 heißt es: „Dies ist mein Bund, welchen ihr halten müsset, zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: Beschnitten werde bei euch jegliches Männliche," und B. 14: „Aber ein vorhäutiger Mann, der nicht beschnitten worden am Fleische seiner Vorhaut — meinen Bund hat er gebrochen." Es kann Niemand „einen Bund brechen,"

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