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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-05-17 · Heft 20 (17.5.1870) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 20 (17.5.1870)
Date
1870-05-17
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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391 niffe gemeinschaftlich; sie darf nicht ferner die Confefsionen einander gegenüberstellen. Sie ist Gemeinde- und Staatsanstalt. Als solche ist sie interconfesfionell, als solche wird sie auch ihre erzicherische Aufgabe lösen." Den Schulnachrichten entnehmen wir Folgendes: Die Knabenschule wurde im letzten Quartale von 501 Schülern besucht, davon 255 Evangelische, 180 Katholische, 66 Mosaische. — Die Mädchenschule wurde im letzten Quartal von 325 Schülerinnen besucht, davon. 165 Evangelische, 65 Katholische, 85 Mosaische. Die höheren Lehranstalten, welche in neuerer Zeit in der Provinz Posen errichtet wurden, sind sämmtlich Simultanschulen. So die Gymnasien zu Schrimm, Gnesen, Jnowraclaw, Schneidemühl (sämmtlich königlich); die Realschulen zu Fraustadt, Posen (städtisch); die Progymnasien zu Rogasen (städtisch), Schwerin (städtisch); die höheren Knabenschulen zu Kempen, Kosten, Rakel (sämmtlich städtisch), Trzemeßno (königl.); die Mittelschulen zu Posen und Bromberg (beide städtisch). Nach einer Verfügung der k. Regierung zu Posen vom 6. April hat der Minister der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten in Folge einer Vorstellung der Äudenschaft in Pleschen genehmigt, daß die evangelische Schule dieser Stadt statt des bisherigen Namens „evangelische Stadtschule," den Namen „deutsche Bürgerschule" führen darf, auch gleichzeitig nachgegeben, daß die jüdischen Schulsocietätsglieder zwei Schulvorsteher aus ihrer Mitte wählen dürfen. Durch diese Entscheidung ist hoffentlich ein seit längerer Zeit zwischen den jüdischen und evangelischen Schulsocietätsmitgliedern geführter Streit endgültig erledigt, der in seinen (Konsequenzen fast das Bestehen der nunmehrigen „deutschen Bürgerschule" in Frage zu stellen schien. Letztere hat übrigens seit einigen Jahren ihren Namen häufig gewechselt. Anfangs hieß sie „combinirte Stadtschule," später wurde sie als eine „gehobene Bürgerschule" bezeichnet, bis sie auf Anordnung der k. Regierung zu Posen den Namen „evangelische Stadtschule" annehmen mußte. Neuerdings verlangten die Jüden für sie den Namen, „evangelischjüdische Stadtschule", worauf sie durch Ministerialentscheidung ihre jüngste Bezeichnung erhielt. Oesterreichischungarische Monarchie. Wie», 6. Mai. Wir haben in d. Bl. schon einmal erwähnt, daß der Kaiser Franz Joseph seinen Wohlthätigkeitssinn mehr als irgend ein europäischer Monarch auch den Israeliten seiner Staaten erweist. In diesen Tagen haben er und die Kaiserin zur Gründung des israelitischen Blinden-Erziehungs-Instituts aus ihren Privatmitteln 2000 fl. gespendet.— In diesen Tagen wurde die, dem verstorbenen Freiherrn Salomon v. Rochschild gewidmete Portraitstatue im Nordbahnhofe enthüllt. Auch die Regierung war dabei vertreten und ließ durch den Mund chres Vertreters aussprechen, daß durch diese Statue die Anerkennung der vielen Verdienste des Verstorbenen um die Gründung großer industrieller Unternehmungen bethätigt werden solle. Deffen Sohn, Baron Anselm, erhielt die eiserne Krone erster Claffe, womit die Geheimrathswürde verbunden ist, welche so zum ersten Male in Oesterreich einem Juden ertheilt wurde. — Der 16. Bericht des Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummen - Institutes liegt vor. Nach demselben befanden sich im abgelaufenen Jahre 60 Knaben und 31 Mädchen, zusammen also 91 Zöglinge in der Anstalt, wovon 27 vollständig mittellos sind. Die Gesammt-Einnahmen des Institutes betrugen 27,692 fl. 7 kr., die Ausgaben 28,062 fl. 78 kr. Zu diesen Mehrausgaben kommen noch 900 fl. Verköstigungs Mehrauslagen und rückständige Rechnungen im Betrage von 600 fl., so daß sich ein Gesammtabgang von 1870 fl. 71 kr. herausstellt. Die Direction spricht in dem Berichte die Hoffnung aus, daß die Opferwilligkeit edler Menschenfreunde dem jährlich wiederkehrenden Deficit ein Ende machen werde. —. Ein grauenhaftes Beispiel des religiösen Fanatismus meldet man aus Miele c in Galizien. An dem ersten Qsterseiertage wurde dort in einem Tabaksgewolbe ein junger Jsraelite ermordet, der Cigarren kaufen wollte. Kaum hatte er diesen Wunsch ausgesprochen, als ein Städter Namens Gracinski, der sich im Laden befand, aus den Juden zusprang, ihn beim Arme faßte und mit den Worten: „Jude, Du weißt ja, daß heute Feiertag ist", aus dem Laden drängte. Im Borhaus, während der junge Mann forteilte,

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