Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1870)
- Date
- 1870-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
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schon lange nicht mehr in der Lage, sich gegen das Christenthnm vertheidigen zu müssen. Es tritt aggressiv auf, in die Fußstapfen Strauß's und Renan's tretend. Mit des Pariser Rothschild Hülfe ist von einem dortigen jüdischen Gelehrten eine schlimme Streitschrift gegen das Christenthum erschienen?) Der Redner gesteht zu, daß der christliche Staat — der übrigens keine Chimäre sei — lange Zeit hindurch eine blutige Schuld gegen die Juden auf sich geladen habe. Heut aber bekehre man nicht mehr mit Feuer und Schwert, sondern durch die Macht des Wortes. Aber wo sind die Streiter, welche den Herausforderungen des Äudenthums gegenübertreten? ") Während len wird, wenn auch die jüdische Lehre nachdrücklich vorgetragen wird, doch das Christenthum stets mit Schonung behandelt. Aber selbst die Paar spezifisch jüdischen Schriftsteller und Organe erregen den Neid und den Haß dieser Herren, und sie klagen über Mangel an Gegenkräften'. 9) Wir hatten von dem gelehrten Prosessor Delitzsch mehr erwartet, als daß er nur von einem und zwar durch das Geld des Pariser Rothschild ans Licht geförderten Buche spreche! Das Motiv ist klar; man will dem Publicum immer weißmachen, daß das Judeuthum durch das Geld der reichen Juden unterstützt werde. Und doch weiß Niemand bester als Pros. Delitzsch, daß die jüdische Literatur so gut wie garnichts von den reichen Inden hat. Er, der treue Abonnent deS Instituts zur Ford. d. isr. Lit., weiß aus dem Abonnentcnverzeichniß, daß weder die Pariser, noch die Frankfurt am Mainer, noch die Wiener Rothschilds jemals auch nur auf ein Exemplar dieser Schriften abonnirt haben, nur die Damen dieser Familie in London sind ans einige Exemplare abonnirt. Dem Baron v. Rothschild zu Paris haben wir nur für die Unterstützung eines Werkes zu danken, des arabischen Originals des Llore Xebueliim durch Mnnck, und dafür hat ihm nicht blos die Judenheit, sondern die ganze gelehrte Welt zn danken. Das ist Alles, und Prof. Delitzsch hat hier gegen sein eigenes bestereS Misten gesprochen. ">) Hier ist Alles eitel Uebertreibung! Maßlos sind christlicherfeitS die Auslastungen gegen das Judenthum, und nun hier und da einmal jüdischerfeitS ein Ausfall gegen die christlichen Dogmen und die Geschichte des Christenthums zu Tage tritt, weiß sich Prof. Delitzsch vor Noth und Weh nicht zu halten. Und doch gesteht er wieder selbst zu, daß die meisten jüdischen Schriftsteller sich sehr achmngsvoll über die Person Jesu äußern! Wenn übrigens sich so selten christliche Autoren gegen die etwaigen Angriffe von der Seite der Juden erheben, so haben wir uns mehr als die Kirche darüber zu beklagen. Denn der Grund ist, weil die christliche Welt von den Arbeiten der Inden garkeine oder nur wenige Notiz nimmt. Wir würden uns sehr fteuen, wenn dies nicht der Fall wäre, und wenn Prof. Delitzsch eine üble Wirkung von den jüdischen Angriffen fürchtet, so sollte er ftoh sein, daß die christlichen Schriftsteller so wenig beitragen, diese Angriffe bekannt zu machen und ihre Motivirung zu verdie Synagoge von ihren Kindern wie von einer Mauer umgeben ist, muß die Kirche sich von ihren Söhnen verrathen oder wenigstens Preis geben lassen. Das Uriheil jüdischer Schriftsteller über Christus ist meist voll Respect für seine Person, während auf christlicher Seite jetzt häufiger das „Kreuzige ihn!" ertönt, als auf jüdischer. Die meisten Missionare der Vereine zur Beförderung des Christenthums unter den Juden in neuerer Zeit sind Proselyten gewesen. Es fehlt an einem frischen Nachwuchs von Missionaren. Es bedarf ferner einer Professur für jüdische Literatur und Geschichte an einer deutschen Universität. Zum Erlaß eines solchen Gesuches sollten sich die Missions-Gesellschaften vereinigen. Ferner erkennt der Redner zur Förderung der Mission die Gründung einer Juden-Missions-Anstalt in einer Universitätsstadt als nothwendig an. Bon dem Juden-Missionar fordert er freiwillige Auflegung von Entbehrungen, da ein im Wohlleben und vornehm antretender Missionar Mißtrauen errege. Für die Getauften eine Berufsstellung in der christlichen Gesellschaft zu schaffen, ist speciell die Aufgabe des Missions-Vereins."- Ohne diese Versorgung würde ihr Werk wie tonendes Erz sein. Prof. Cassel stimmt diesen Ansichten vollständig zu. Es bedürfe um so mehr einer Gegen-Literatur, als die jüdische Literatur sich vielfach mehr mit dem Schein der Wissenschaft umgebe oder sich auf christliche Arbeiten gründe. Besonders nennt der Redner als einen solchen unsicheren Schriftsteller des Judenthums den „hypothesensüchtigen" Geiger. Die folgenden Verhandlungen beschäftigten sich mit speicelleren internen Angelegenheiten der Mission. Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Frage des Schutzes und der Pflege, welche die Missions-Gesellschaften den im Unterrichte befindlichen Juden bis zu ihrer Taufe schuldig sind. Als Referent sprach Prediger vr. Weber aus Diebach in Bayern. Er wirft ein hübsches Licht auch auf den Fanatismus auf jüdischer Seite, daß Proselyten von ehemaligen Glaubensgenossen an ihrem Leben bedroht worden sind?"- Aber auch aus den Darstellungen dieses Referenten ging wieder hervor, was bereits allgemein bekannt ") Herr Pros. Delitzsch will also ganz materielle Belohnungen für die Getauften Herstellen und erklärt offen, daß ohne sie die Mission keinen Erfolg hat. Für solche BehaupMng müßten wir denn doch sactische Erweise erbitten» und zwar nicht blos einen oder zwei, sondern viele, nicht blos aus Ländern des Fanatismus und nicht allein nach der Erzählung von Missionären.