Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1870)
- Date
- 1870-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34. Jahrgang. Allgemeine _J\f~ 18. Zeitung -cs Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Mische Interesse. Hcrausgcg eben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzigs den 3. Mai 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/, Bogen. Preis des Jahrgangs 1 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. ^vierteljährig I Tblr. Inserate werden mit > V2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Gotresidec unter den Heiden nnd Juden- II. — An die Vorstände und Rcpräscnrantcn-Bcrsammlung der Synagogen-Gemcinden in Preußen. — Gegen den preußischen Umerrichtsministcr. — literarischer Wochenbericht: Frankfurt a. d. Oder. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Drcsden, Berlin, Hannover, Breslau. Heidelberg, Rcsscl iOstpr.'. -Oesterreichischungarische Monarchie: Wien, Pest. — Rußland: Wladislawow. Feuilleton-Beilage: Betrachtungen vom Tburme. I. — Das Attentat auf den Director Deutsch. (Schluß.»— Vermischtes. — Curiosum. Leitende Artikel. Berlin, 20. April. Die Gottesidee unter den Heiden und Juden, n. Von vr. M. Ph. (S ch l u ß.) Die semitischen Gottheiten haben, nach Prof. Müller, von Anfang an einen mehr abstracten Charakter, und zwar ist nach ihm der Grund folgender. In den semitischen Sprachen blieben die prädicativen Wurzeln, die als Eigennamen für irgend welches Subject dienen sollen, in dem Worte selbst so bestimmt ausgeprägt, daß diejenigen , die es gebrauchten, seine prädicative Bedeutung nicht vergessen konnten, sondern sich seiner appellativen Kraft immer bewußt blieben. In den arischen Sprachen dagegen verschwand das bedeutsame Element, oder die Wurzel eines Wortes, leicht so vollständig in den derivativen Elementen, seien es Suffixe oder Präfixe, daß die meisten Substantive fast gleich aufhörten, appellativ zu sein und sich in einfache Namen oder Eigennamen verwandelten. Indem die semitischen Sprachen also die Wurzel intacter erhielten, bewahrten sie auch treuer ihre ursprüngliche Bedeutung, während die arischen Sprachen durch die Abschleifung der alten Form der Wörter auch ihre anfängliche Bedeutung in Vergessenheit brachten. So blieb den ursprünglichen abstracten Namen ihre abstracte Bedeutung, während die arischen Götter allmalig concrete Form annahmen. Prüfen wir diese Angaben Müller's. Seiner Ansicht von dem mehr abstracten Charakter der semitischen Gottheiten müssen wir beipstichten. Die semitischen Gottheiten lassen sich in zwei Elasten vertheilen. Die erste umfaßt die astrologischen Gottheiten, wie Nebo, Adrammelech, Anammelech, Nergal, Kijun, wahrscheinlich auch Nisrach. Die zweite enthält Götter, deren Namen reine Bezeichnungen von Ideen sind, wie El, Eljon, Moloch, Rimmon (der höchste), Mylitta (die Geburthelfende), Astaroth und Aschera (Glückgewährende), Baal, Baal-peor, Baalzebub. Aber selbst die erste Classe, die Gestirne, wurden keineswegs, wie bei den arischen Völkern, in Bezug aus ihre Eigenschaft als Naturerscheinungen ausgefaßt, sondern von vorn herein als Bewirker gewisser Ursachen im menschlichen Leben. Während also bei den Ariern die Naturerscheinungen: Himmel, Erde, Sonne, Mond,