Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1870)
- Date
- 1870-04-26
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
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336 in vollem Maße respectiren und überhaupt keine Zwangsmaßregeln enthalten, finde ich für nöthig, Ew. Wohlgeboren bekannt zu geben, daß alle meine zur Jnslebensührung der oft erwähnten Statuten erlassenen Verordnungen als in voller Kraft bestehend zu betrachten sind und die Organisationsarbeiten auch hinfort vorschriftsmäßig weiter fortzusetzen sein werden. Indem ich daher Ew. Wohlgeboren, zum Behufe der Accommodation an den obigen Beschluß des Reichstages, darauf aufmerksam mache, daß Sie bei der Organisation selbst den Schein des Zwanges unter allen Umständen vermeiden mögen, erkläre ich zugleich zu Ihrer weiteren Darnachachtung, daß in solchen Angelegenheilen, welche im Sinne des Punktes e des §. 60, Abschnitt 1 der Congreßftatuten zur Competenz der Gemeindedisttictualgerichte gehören, auch ferner das genannte Gericht vorzugehen hat; nachdem man jedoch zur Annahme der Congreßftatuten Niemanden zwingen kann, so hat in dem Falle, daß irgend eine Partei dieses Gericht für ihre eigene Person nicht als competent ansehen oder sich mit dessen Urtheil, weil sie vielleicht die Congreßftatuten nicht als für sie bindend anerkennt, nicht zufrieden geben sollte, — die Angelegenheit durch die betreffende Civilbehörde enffchieden zu werden, zu welchem Behufe die Angelegenheit ungesäumt hier zu unterbreiten ist. Ofen, 2. April 1870. Br. Jos. Eötvös." Allerdings sind hiermit alle Zwangsmaßrezeln, die Organisation der ungarischen Judenschaft nach den Statuten des Congresses durchzuführen, aufgegeben. Es ist gewissermaßen der Freiwilligkeit überlassen, wer sie für seinen Theil realisiren will oder nicht. Die Behörden sind angewiesen, mit der Organisation weiter vorzugehen, wo sic aber auf Hindernisse stoßen, sie fallen zu lassen. An eine allgemeine Organisation ist daher nicht zu denken, und da hierin der eigentliche Schwerpunkt lag, so läßt sich sehr wenig erhoffen, um so weniger, als es auch in Zukunft jeder Gemeinde freistehen würde, aus dem Verbände wieder herauszutreten. Alle Streitigkeiten, welche sich innerhalb der Gemeinden erheben werden, sind nunmehr wieder an die politischen Behörden gewiesen, welche wie früher über die cultuellen Fragen u. s. w. zu enffcheiden haben. So weit hat cs die orthodoxe Partei wieder gebracht und glaubt dies in ihrem jüdischen Gewissen verantworden zu können. Das ist die moderne Orthodoxie, die freilich himmelweit von der alten und wahrhaften Orthodoxie verschieden ist. —. Die hiesige Gemeinde hat in jüngster Zeit einen fühlbaren Verlust durch den Tod des Oberlehrers der Mädchenhauptschule, Heinrich Rosenberg, eines ausgezeichneten Pädagogen, erlitten, der im 36. Lebensjahre seinem verdienstvollen Lebensberufe entzogen wurde, so wie durch den Tod dG Buchhändlers Herrmann Löwy, dessen bedeutende Leistungen für die jüdische Literatur den Sachkundigen bekannt sind. Frankreich. Paris, 14. April. Die neue, vom Senate zu berathende und dem Volke zur Annahme vorzulegende Constitutton führt auch diejenigen Kategorien auf, aus welchen zukünftig die Senatoren vom Kaffer gewählt werden dürfen. Zu diesen gehören, „die Erzbischöfe und Bischöfe, die Würdenträger der anderen vom Staate anerkannten Culte." Die französischen Cardinäle gehören fteilich zu den geborenen Mitgliedern des Senates. —. Nach der uns soeben zugekommenen kresse israelite hat Herr Albert Cohn einen neuen Att seiner vielbewährten Munificenz vollzogen, indem er seine reiche und werthvolle Büchersammlung, welche auch bedeutende Manuscripte, Unica und erste Editionen enthält, der Bibliothek des Israelitischen Seminars zu Paris und zwar zur sofortigen Uebernahme geschenkt, nud für Anstellung eines Bibliothekars eine Jahresrente ausgeworfen hat; selbst die Schranke wird er auf seine Kosten Herstellen lassen. Die gerechte Dankbarkeit, welche man in Paris für dieses große Geschenk empfindet, hat der Berwaltungsrath des Seminars in einem schönen Antworffchreiben zum Ausdruck gebracht. Bekanntlich unterrichtet Herr Albert Eohn seit vielen Jahren unentgeltlich an dem Seminar und gehört dem Verwaltungsrathe als eiftiges Mitglied an.