Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1870)
- Date
- 1870-04-12
- Page
- Seite 296 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226744-3226760--28261-3302078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
296 beschränkter und im Glauben schwacher Menschen, kurz, wir mißbilligen sie officiell. Wir glauben, daß jeder fromme Christ günstiger von unseren jüdischen Mitbürgern denken muß. Weder das mosaische Gesetz, noch die gegenwärtige sociale Entwickelung der Israeliten, noch ihre natürliche Sanftmuth rechtfertigen solche lügnerische Verdächtigungen. Im Verkehr mit den Israeliten werdet Ihr ebenso ihre Menschenwürde wie ihre Gottebenbildlichkeit und das Alter ihrer Geschichte zu schätzen haben. Und dann müßt Ihr die unvergleichliche Schönheit und Größe der evangelischen ^Vollkommenheit des Herrn Jesus Christus betrachten, welcher unter Höllenstrafe sogar Beleidigungen verbietet, und die Liebe und Menschlichkeit selbst gegen unsre Feinde gebietet. Er befiehlt auch, daß unsere reinen Seelen das Licht auf unsere Handlungen vor den Menschen werfen, damit sie unsre Wohlthaten erkennen, welche unfern Herrn im Himmel verherrlichen." „Gegeben in Unserem Patriarchat, den 18. Febr- (2. März) 1870." Möge dieses Beispiel von den übrigen griechischen und von den katholischen Geistlichen nachgeahmt werden. wenig bereit zeigen sie sich zur Unterstützung eines Auswanderers nach dem Auslande. (Schles. Z.) —. Das „N. W. Tagblatt" enthält folgendes: Reisende Kaufleute aus Rußland erzählen, daß Rabbi Hillel aus Omsk, ein in den Kreisen der orthodoxen russischen Judenschaft verehrter Wundermann, der sich für einen Abkömmling des berühmten Rabbi Maimonides ausgiebt, auf nichts weniger sinnt, als es dem römischen Papst gleichzuthun und sich unfehlbar zu erklären. Die Gemeinden, welche dem Rabbinate Hillels unterstehen, haben ihm bereits Zustimmungsadresien zugeschickt, aber wie das Dogma von der Unfehlbarkeit in der katholischen Welt auf eine starke Oppositton stößt, so fehlt es auch in den russischen Gemeinden nicht an „muthigen und aufgeklärten Geistern," welche chren Glaubensgenossen die Gefahren eines derarttgen Schrittes in lebhaften Farben vor Augen führen. Rußland. Aus Litthauen, im März. Die Auswanderungen armer Judenfamilien aus Litthauen nach Rußland dauern fort. Die Erlaubniß zum Auswandern ins Ausland wird ohne Beschränkung ertheilt, scheint aber nicht so viel Anklang zu finden, wie die Richtung nach Rußland, wohin man sich drängt trotz des Umstandes, daß für jeden Kopf ein Baarvermögen von 75 Rubeln zur Mitnahme garantirt werden muß, bevor der betreffende Paß, der pro Familie 5 Rubel kostet, ertheilt wird. Daß fürs Ausland kein Hang vorwaltet, ist leicht begreiflich, denn der gewöhnliche Jude in Lttthauen fühlt recht gut heraus, daß er nicht geeignet ist, in einem höher cultivirten Lande für sich etwas auszurichten, und daß es für ihn jedenfalls da bester ist, wo er gewisser Maßen noch über dem allgemeinen Culturzustande steht. Diese Ueberzeugnng scheint auch die Comitss in ihrem Wirken für die Auswanderer zu leiten; denn so bereitwillig sie sich für die nach Rußland Gehenden erweisen, eben so Anzeigen. Die hiesige Cantor- und Schächterstelle verbunden mit einem Gehalte von 285 Thlrn. jährlich und Nebeneinkünften, soll zum 15. Juni dies. Jahres anderweitig besetzt werden, und wollen sich qualificirte Bewerber unter Einreichung ihrer Zeugniffe beim Unterzeichneten Vorstande melden. Reisekosten werden nicht erstattet. Callies, im März 1870. Der Vorstand: L. Behrendt. Durch Berufung unseres Cantors ist deffen Stelle vacant, und soll möglichst bald wieder besetzt werden. Musikalisch gebildete Bewerber, welche als Schächter geprüft sind wollen sich melden. Das fixe Gehalt beträgt 300 Thlr. und die Scbächtergebühren mindestens 100 Thaler. p. a. Reisegelder werden nicht erstattet. Schwedt a/O., im März 1870. Der Borstand der Synagogen-Gemeinde.