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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-12 · Heft 15 (12.4.1870) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 15 (12.4.1870)
Date
1870-04-12
Page
Seite 282 (sequence 2)
Language
German
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282 meindebeamten. Die Frage der Fremdenunterstützung insbesondere erscheint unaufschieblich in einem Momente, wo von Westrußland so vielfache wie berechtigte Ansprüche und daneben noch der persönliche Andrang in Form einer wahren Invasion an die Gemeinden herantreten. Besondere Vorkommniffe jedoch sprechen noch besonders nachdrücklich für den Gemeindebund. Ein dem Judenthume fremder Geist der Separationslust scheint sich verschiedenseitig von links und rechts in beklagenswerther Weise in unser Gemeindewesen trennend einschleichen zu wollen. Der erhaltende, pietätvolle jüdische Sinn und das treuanhängliche jüdische Herz sträuben sich gegen diese Gefahr für die von unfern Vätern überkommenen frommen und humanen Gemeindeinstitutionen. Möge in dem Gemeindebunde ein gemeinsamer Boden geschaffen werden, aus welchem eine umfassende Einigungsorganisation in den Gebieten der Gemeinde- Verwaltungen alles Gemeinnützige, das die Gemüther eint und nicht trennt, festgehalten, gehegt und gepflegt wird. Mit Aufrichtigkeit und Freudigkeit allerorten gewürdigt, wird dieses echt jüdische Vorhaben in „Friedensliebe und zur Friedensförderung" sich Gottes Segen erfreuen. Beitrittserklärungen von Gemeinden oder Einzelnen nimmt jeder der Unterzeichneten bereitwilligst entgegen. Der geschäftsführende Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindetages. Moritz Kohner, Vorsitzender (Leipzig). Emil Lehmann, Schriftführer (Dresden). Georg Feigl (Prag). vr. D. Honigmann (Breslau). Josephthal, Adv. (Nürnberg). P. Wertheim (Berlin). Bonn, den 3. April. Ein großes Ereigniß. Während man im alten Europa trotz alledem und alledem die Vorurtheile noch immer nicht loswerden kann; hier einen prinzlichen Mörder vor einen besonderen „hohen Gerichtshof" stellt, dort die größte Besorgniß hegt, die Beschlüße einiger hundert Priester könnten den Staat erschüttern nnd die Staatsgrundgesetze in Frage stellen, überhaupt von Dingen und Ereignisien sich occupiren läßt, die kaum die Bedeutung einer Tagesbegebenheit haben — vollendete sich vor Kurzem eine Thatsache von unermeßlichem Werthe in den Vereinigten Staaten, ohne daß man diesseits des Oceans ihrer mehr als flüchtig gedacht hat. Ein Neger ist in den Senat der Vereinigten Staaten als Senator eingetreten! Da zugleich in der jüngsten Zeit die letzten der nordamerikanischen Südstaaten die völlige Negeremancipation in die Verfaffung ihres Staates ausgenommen und dadurch ihre Sitze im Congresie wieder eingenommen haben, so ist das Werk der völligen Gleichstellung für die schwarze Race vollendet. Die Sclaverei ist mit ihren letzten Spuren aus dem gesammten Norden Amerikas verschwunden. Nur in Brasilien und einigen kleinen Staaten Südamerikas wird sie noch aufrecht erhalten, um dann den vierten und fünften Welttheil vollständig verlaßen zu haben. Hatte die alte Welt den Schimpf auf sich geladen, das Sclaventhum in die neu entdeckten Erdtheile eingeführt zu haben, so ist es eine geschichtliche Rechtfertigung, daß sie in diesen zuerst völlig wieder getilgt worden; aber es wäre wahrlich an der Zeit, daß sie auch aus den alten Culturstätten des Menschengeschlechts für immer Abschied nähme! Ein Neger im Senate der Union! Welch ein Wunder! Wer Härte dies noch vor einem Jahrzehend für möglich gehalten! Denn man kann es nicht leugnen, daß nirgends das Borurtheil gegen die Schwarzen so groß war und zum Theil noch ist, wie in Nordamerika, wo man dem Neger nicht erlaubte (vielleicht noch heute nicht erlaubt) in einen Omnibus zu steigen, wo Weiße sitzen — ebenso wie man vor 1848 in Galizien einem polnisch gekleideten Juden nicht erlaubte, in den Postwagen zu steigen. Hier also hat einmal das Recht, das unveräußerliche Menschen- und Bürgerrecht das eingefleischte Borurtheil zwar nicht gebrochen, aber doch überwunden, es zum Schweigen gebracht vor seiner unbeugsamen Macht! Nun, wir kennen in Europa nur ein Herrenhaus, in welchem bis jetzt ein Jude Platz genommen, nämlich das österreichische. Weder in England, noch in Frankreich ist man so weit gekommen, Preußens nicht zu gedenken. Aber wir gestehen offen, daß wir dieses Ereiguiß

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