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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-04-05 · Heft 14 (5.4.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 14 (5.4.1870)
Date
1870-04-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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34. Jahrgauq. Allgemeine JW14. Zeitung des Iu-cnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. HerausgegeLen von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 5. April 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag», in 2 biS 2«/2 Bogen. Preis de» Jahrgang» 4 Thlr. Halbiähri 2 Thlr. Vierteljährig I Tblr. Inserate werden mit i */j Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen» Postämter ww ZeitnngS-Expckitionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedi.ion für beide Letztere hat stch das König!. Sachs. Haupt-Zcitungs-Burcan unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Ungarisch-jüdische Wirren. — Westrussische Juden. — Die römische Intoleranz. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin» Worms» Bonn, Aus der Provinz Posen. — O esterreichisch - ungarische Monarchie: Wien, Bon der Donau. — Italien: Mailand. — Dänemark: Kopenhagen. - Rußland: Petersburg» Kreis Telschen. — Palästina: Jerusalem. — Nordamerika: Philadelphia. Fevilleton-Beilage: DaS Gedachtniß im jüdischen Stamme. — Abstammung von Juden. — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, den 27. März. Anzarisch-ju-ische Wirren. Wenn in Deutschland und an einigen anderen Orten dieses Erdkörpers Reibungen zwischen den verschiedenen Richtungen, die gegenwärtig im Judenthume vorhanden sind, stattfinden, so wollen diese doch nichts gegen die jetzigen Wirren unter den Juden Ungarns bedeuten. Hier ist wirklich ein Kampf wie auf Leben und Tod, und, so traurig es auch ist, der Ausgang kann wirklich nur in einer Trennung der Parteien vorausgesehen werden. Dies Ziel scheint denn auch unter den obwaltenden Umständen nicht fern zu liegen. Wir werden uns auch hier wie immer möglichst der Unparteilichkeit befleißigen, und einen Standpunkt aufsuchen, von welchem die Vorgänge als Facta, nicht aber nach ihren Motiven zu beurtheilen sind. Man erinnere sich, daß die Idee eines israelitischen Congreffes in Ungarn zur Regelung der Gemeinde- und Schulverfaffung vom Minister Eötvös ausgegangen ist, so wie derselbe einen ähnlichen für die Katholiken und Protestanten im Auge hatte. Zur Beurtheilung dieses Projectes muß man erwägen, daß die Gewissensfreiheit ein unumstößliches Princip ist, daß aber, wenn eine Gemeinsamkeit der Confessionen stattfinden soll, es auch einer gewisten Ordnung, einer Gemeindeverfastung bedarf. Beide Principen können nun selbstverständlich sehr leicht in Conflict gerathen, wenn die herzustellende Verfassung der Gewissensfreiheit mehr oder weniger zu nahe tritt und zu einer Beschränkung derselben führen kann. Zu einer Zeit, wo in religiösen Dingen bei einer Confession Uniformität vorhanden ist, kann das richtige Maß leicht getroffen werden; zu einer anderen aber, wo sich verschiedenartige Richtungen, Bedürfnisse und Ziele herausgebildet haben, ist es unmöglich, die streitenden Elemente in Eines zusammenzufaffen, so zu sagen unter einen Hut zu bringen. DasUebergewicht wird dann immer die Majorität haben, und die Mino« rität sich dagegen wehren. Da ist dann der einzig richtige Weg, nur die Localgemeinden verfassungsmäßig zu ordnen, weil sich in solchen die Differenzen noch am ehesten ausgleichen lassen. Es war daher kein glücklicher Gedanke des ungarischen Cultusministers, eine einheitliche Landes-, Bezirks- und Gemeindeverfaffung schaffen zu wollen. Der Gewissensfreiheit meinte er dadurch zu genügen, daß er von einer Versammlung von Vertrauensmänner den Entwurf einer Wahlordnung machen und

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