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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-03-29 · Heft 13 (29.3.1870) · p. Seite 260

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 13 (29.3.1870)
Date
1870-03-29
Page
Seite 260 (sequence 20)
Language
German
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260 Vermischtes. Einer der merkwürdigsten Funde der semitischen Archäologie wurde vor Kurzem gemacht. Bor mehr als einem Monat theilte der französische Akademiker, Herr Graf Melchior de Bogu6, einer der größten Archäologen unserer Zeit, mit, daß er auf einem Ausfluge nach Jerusalem Zeuge einer Entdeckung gewesen sei, an deren Wirklichkeit er kaum zu glauben wage. Eine spätere Mittheilung ergänzte die Notiz dahin: „Man hat in Dibon, einer moabitischen Stadt östlich vom todten Meere (jetzt Diban), einen Stein, bedeckt mit altsemitischen Charakteren von 34 Zeilen, jede 30—40 Buchstaben enthaltend, gefunden, auf welchem Mesa, der König von Moab, seine Kämpfe und Siege über den König von Israel erzählt; wie er die Städte Dibon, Qerioth, Betzer (vulgo Bosor), Aroer, Choronaim, Baal-Meon und.... eingenommen und (wiederum) aufgebaut und seinem Gotte Kamos Dankopfer dargebracht habe." Äst nun der hier erwähnte König der Mesa der Bibel (s. zweites B. der Könige, Cap. I und III), so ist der besiegte König von Israel Ahasja, welcher etwa 897—896 regierte und unter welchem Moab von Israel abfiel und gegen welches ein resultatloser Zug der drei vereinigten Könige von Israel, Juda und Edom unternommen wurde. Die Schriftzüge des Denkmals machen die Annahme wahrscheinlich, daß jener alte moabitische König gemeint sei, sie gleichen denen, welche wir auf sehr alten Siegeln, babylonischer und hebräischer Herkunft, angetroffen haben. Auch die geographischen Namen, welche das Denkmal erwähnt und die den Kennern der Bibel wohlbekannt sind, machen diese Annahme wahrscheinlich. CapitLn Warren, der sich um die Ausgrabungen in Jerusalem schon viele Verdienste erworben, hatte von dem Funde des Mesa-Steins Nachricht erhalten, und bald auch die betrübende Kunde, daß die Araber denselben in Stücke zerschlagen hätten. Seinen eifrigen Bemühungen im Verein mit dem kenntnißreichen Herrn Ganneau, dem Kanzler des französischen Consulats in Jerusalem, gelang es, die Trümmer des Steins zu erwerben, und der letztere setzte die Stücke glücklich wieder zusammen, so daß wenig Bedeutendes fehlt. Der bekannte Archäologe Deutsch vom British-Museum in London hat bereits in der Times die obigen Angaben über den Ursprung des Steins bestätigt und wird sich hoffentlich als einer der ersten Sachkundigen der Entzifferung unterziehen. Ense. Er schreibt unter dem 5. Januar 1854. Als Herr v. Bismarck - Schvnhausen nach Frankfurt als Bundestags-Gesandter kam, bemerkte er sehr mißfällig, daß die preußrschen Geldgeschäfte durch Rothschild besorgt würden, und er verlangte, daß es durch Bethmann geschehen solle. Der Jude war ihm verhaßt; er machte eine Gesinnungssache daraus, mit diesem nichts zu thun zu haben. Die Behörden in Berlin wollten aber seine Weisungen nicht annehmen. Nach einiger Zeit bemerkte man, daß Herr v. Bismarck seine Besoldung durch Rothschild beziehe, und daß er dies Haus warm empfehle und in großer Vertraulichkeit mit den Häuptern desselben verkehre. Der erste confessivnslose Ball in Breslau sollte am Sonntag stattfinden. Die „Bresl. Morgenztg." berichtet darüber wie folgt: Unsere christlichen und jüdischen Kaufleute haben zusammen marchandirt, discontirt, dinirt, soupirt, smvllirt, sie haben sich sogar sponsirt, aber niemals miteinander getanzt. *) Ist das nicht höchst merkwürdig? Verbindungen sind zwischen ihnen geschloffen worden auf Lebensdauer, aber daß jemals ein Christian mit einer schönen Rebekka, oder ein Jtzig mit einer nicht minder anziehenden Christine über die glatten Parquets des Börsensaales gewalzt hätte, das steht in den Annalen Breslaus nirgends verzeichnet. Daß nun, nach. Jahrhunderte langer choreographischer Entfremdung, eine Anzahl angesehener Männer zu einem confessionslosen, confessionell-neutralen Ball einladen, diesen (Fortschritt haben wir unbedingt dem — Herrn v. Wühler zu verdanken. Ware er nicht gewesen, wir hätten die Confe fsionslosigkeit lange nicht so lieben lernen, wir hätten noch lange nach Glaubensartikeln gesondert getanzt. Der Ball am Sonntage wird gleichsam eine Anticipation derjenigen geistigen Früchte sein, welche durch die confessionslose Schule, das Ziel unseres Ringens seit Jahren, gezeitigt werden sollen. *) Bekanntlich ist es erst seit 1848 in Breslau den jüdischen Kaufleuten erlaubt, die Börse zu besuchen. So gebt e» oft da am schnellsten und weitesten, wo es lange Zeit am langsamsten ging. Curiosa. Vor Kurzem erschien wieder eine Fortsetzung der Tagebücher aus dem Nachlaffe Varnhagens von Verlag von Baumgärtuer's Buchhandluug in Leipzig. — Druck voll Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotzc.

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