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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-03-22 · Heft 12 (22.3.1870) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 12 (22.3.1870)
Date
1870-03-22
Page
Seite 237 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Juden ihn ms. Feuilleton-LeUage M Nr. 13. Leipzig, den 22. Marz 1870. Titus, wie er war. (Schluß.) *) Dies sind die Thatsachen, die wir aus dem Leben des Titus nach den uns überkommenen Geschichtsquellen mitzutheilen hatten, und es kommt nun darauf an, aus ihnen den wahren Charakter des T^s zu erkennen. Die Gegensätze in seiner Handlungsweise waren zu auffällig, als daß es uns verwundern könnte, schon bei dem seiner Lebenszett nächsten Geschichtsschreiber entgegengesetzte Urthelle zu finden. Der ungefähr um die Todeszett oes Tüus geborene Sueton beginnt deffen Lebensbeschreibung mtt den Worten: „Titus, die Liebe und Wonne des Menschengeschlechtes, der jedoch als Privatmann und auch unter der Regierung seines Vaters Haß und öffentlichen Tadel erfahren hat;" denn, wahrend er als Kaiser jene Bezeichnung ver höchsten Menschenfreundlichkeit erhielt, war er als Cäsar so gefürchtet und gehaßt, daß man in ihm einen zweüen Nero vorausfah. Entwickeln wir uns daher seinen Charakter an der Hand der geschilderten Thatsachen. In seiner Kindheit und Jugend war Titus der Spielball der wechselndsten Schicksale. Von dem niedrigen Dache seines Vaters kam er zu dem glänzendsten, üppigsten Hofe und wurde bis zum 14. Jahre in engster Verbrüderung mtt dem kaiserlichen Prinzen erzogen. In diesem, für die äußeren Eindrücke und Verhältnisse empfindlichsten Alter wurde er aus der kaiserlichen Pracht wieder in die Armuth verstoßen, unter deren Druck er drei Jahre der Entbehrung leben mußte. In das Kriegslager versetzt, machte er eine schnelle, glänzende Carriere, zeichnete sich durch Muth und Waffengewandtheit aus und gewann seltene Anerkennung und Belobung. Aber mitten aus dieser Laufbahn, die ihm so große Aussichten eröffnete, wurde er abermals durch das Schicksal seines Vaters herausgerissen und mußte den bisherigen und wetteren Erfolgen entsagen. Außer dem Kriegsdienste gab es damals nur noch eine Carriere, um zu *1 Zn Ne. 10 muß e§ in diesem Artikel S. 107. Sp. 2. 3. 4. v. 0. stall „drei Monate" heißen „zwei Monate"; S. 108. SP. 2. Z. 24. v. 0. „höfische" stall „höfliche". Ansehen und Geltung zu gelangen, die der Rechtspraxis. Er warf sich auf diese, ohne sich jedoch hier besonders bemerklich machen zu können; er ging unter die Philosophen, ohne jedoch auch hier sich hervorzuthun. Schon aber stand ihm ein neuer Glückswechsel bevor. Sein Vater wurde abermals aus seiner Verborgenheit hervorgeholt und an die Spitze des Heeres gegen den furchtbar anwachsenden Aufstand der Juden gestellt: Tüus war an deffen Glück betheiligt und erhielt sofort das Commando einer Legion. Auch hier zeichnete er sich durch Unerschrockenheit und kühnes Vorgehen, wenn auch nicht immer durch Um- und Vorsicht aus. Man weiß, daß den Soldaten viel mehr jene als diese Eigenschaften imponiren. Da ging in Rom eine große Umwälzung unerwartet vor sich. Die julische Dynastie wurde gestürzt, und in schneller Folge hervorragende, aber aus dunkler Herkunft stammende Männer mit dem Purpur bekleidet. Was diese Schicksale auf das Gemüth und und den Charaker des jugendlichen Titus für Eindrücke geübt, welche Richtung sie seinem Geiste gegeben, das wird uns aus den folgenden Ereigniffen am klarsten. Sofort erfaßt Titus den Gedanken, sich durch den greisen Galba zum Thronfolger adoptiren zu lassen, und hierzu die ihm von seinem Vater aufgetragene Begrüßung des neuen Kaisers zu benutzen. Mitten auf der Reise durch die Nachricht von dem Tode Galba's ausgehalten, wandelt sich dieser Gedanke in ihm zu dem Entschlüsse, seinen Vater selbst auf den Thron zu erheben. Es ist offenbar, daß er diese Pläne in Verbindung mit seinen Freunden, die er an sich zu fesseln verstanden, faßte und ausbildete. Wie wenig Bespasian selbst an solche ehreizige Entwürfe dachte, erhellt schon daraus, daß er sich eeilt hatte, den Otho anzuerkennen und durch sein Heer anerkennen zu lassen. Dies hinderte Titus nicht, seine Absichten auch wider den Willen des Vaters durchzuführen, und er wagte es, in den Kampf mit beiden Schwierigkeiten zu treten, mtt der Weigerung seines Vaters und mit der Gewinnung mächtiger Parteigänger. Große Gefahren waren damit verbunden, denn das mit so vielen Personen einzuleitende Verfahren mußte bald bekannt werden, seinen Vater und ihn compromittiren, und der Mißerfolg brachte Sturz und Tod herbei. Diese Gefahr fürchtete Bespasian, der, um sich in sie zu stür-

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