Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1870)
- Date
- 1870-03-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JW 12 34. Jahrq-Mg. Allgemeine Zeitung des Iudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Her au s g cg eb en von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 22. März 1870. Diese Zeituug erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2'/2 Bogen. Preis des Jahrgangs l Thlr. Halbjährig 1 Thlr. Biertcljährig7> Tblr. Inserate werden mit > '/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Älle Buchhandlungen, Postämier und ZcitungS-Expedirionea nehmen Bestellungen an; der Haupl-Expediiion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zcitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Aus einem Berichte über den Gemciudetag. (Schluß.) — Literarischer Wochenbericht: , Leipzig. Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Freiburg, Erfurt, Hannover, Oppeln. — Oesterreichisch - u n - garischeMonarchic: Wien, Pest, Ärakau. — Donausürstenthnmer: Bottuschan» Bukarest. — Frankreich: Paris. — Schweiz: Aus dem Aargau. — Argentinische Republik: Buenos-Ayres. — Rußland: St. Petersburg. Feuilleton-Beilage: Titus, wie er war. (Schluß.) — Curiosum. Leitende Artikel. Bonn, den 13. März. Jlns einem Gerichte über Len GemeinLetag. (Schluß.) Begünstigt von den Gemeindevorständen wirdes in jeder Gemeinde geistige Elemente geben, die es gelingen machen, in den verschiedensten Formen die leicht zu erwärmende Jugend zu interessiren, und wenn erst die deutschen Gemeinden im Allgemeinen sich naher getreten sind, kann ein gegenseitiger Austausch, ein gegenseitiges Unterstützen mit hervorragenden Intelligenzen für gewisse Zeiträume durch gastliche Vorträge, Belehrungen, Anregung und Erhebung gewährt werden. Keine unserer hervorragenden Intelligenzen wird sich zu hoch fühlen, um der Einladung solcher Vereine nachzukommen und es wird bald dahin gelangen, daß die Besten unserer Redner, Denker und Dichter ein Gemeinbesitz aller strebsamen größeren oder kleineren Gemeinden werden, für welche letztere Männer hervorragender öffentlicher Wirksamkeit oft mythische Persönlichkeiten für immer bleiben. Sich hinanrankend an die Persönlichkeiten, welche in der öffentlichen Meinung von unbedingter Anerkennung getragen werden, wird jener geistbefangene Kleinmuth aussterben, oer es nicht wagt sich offen und laut zu einem Religionswesen zu bekennen, das die stolzeste Errungenschaft der Menschheit ist. Wenn nur dieses eine Saatkorn, welches der Gemeindetag mit dem einen Worte: Pflege des Bereinswesens, in die Gemeinden geworfen, aufgeht, wird er allein schon dadurch sich ein unberechenbares Verdienst erworben haben. Ich muß mir es versagen auf die verschiedenartigen nützlichen Folgen eines vernünftig organisirten Vereinswesens näher einzugehen. Wenn unsere reifere Jugend zu vornehm, vielleicht zu „gebildet" sein will, um von der neueren jüdischen Literatur Kenntniß zu nehmen, so würde sich ihr doch durch Begünstigung der Gründung von Lesevereinen eine Fülle echt poetischer, gemüthvoller Schöpfungen auf dem Gebiete der Novellistik, eine reiche Fundgrube geistvoller populär-philosophischer Schriften in classischer Form erschließen. Die Pflege des Gesanges würde für viele Klein- und Mittelgemeinden, auch für den Gottesdienst von besonderem Nutzen sein.