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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-03-15 · Heft 11 (15.3.1870) · p. Seite 220

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 11 (15.3.1870)
Date
1870-03-15
Page
Seite 220 (sequence 20)
Language
German
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220 Spanne Zeit, nämlich bis zum l 3. September 81 be- I sich als Menschenfreund verehrt und mit Liebesbezeugungen scbieven. Man kann kaum sagen, Titus habe jetzt den I umgeben zu sehen, beherrschen ihn. Der Kaiser vergoß Thron bestiegen, vielmehr war Bespasian nur von diesem! bei der geringsten Veranlassung und auch ohne dieselbe herabgestiegen. Sehen wir nun zu, wie Titus, der be-! reichliche Thränen. Wenn Domitian Verschwörungen reits 38 Jahre zählte, und deffen Regierungsantritt nicht I anzettelte, die Soldaten verführte, vom Hofe abreißen im Entferntesten bedroht war, während seiner kurzen! wollte, nahm Titus ihn zur Seite, redete ihm Geduld Regierung sich benommen. Sobald er Alleinherrscher I ein und zerfloß schließlich in Thränen. Im Colosieum war, entfernte er die sittenlosen Menschen von seiner I selbst, im Angesicht von 87,000 Zuschauern, sah man Person; die Orgien hörten auf, ebenso die Härte, die I ihn während der letzten Tage der Spiele in Schluchzen Grausamkeit. Bis dahin waren ihm die Spione und I ausbrechen, ohne irgend einen Grund, und die Thränen Angeber willkommen, jetzt ließ er sie mit großem Auf-! hörten nicht auf über seine Wangen zu fließen, ohne daß sehen ergreifen, auf dem Forum mit Ruthen peitschen, I er es sich selbst erklären konnte. Es war sicher, sein in der Arena ausstellen, als Sklaven verkaufen. Alle! Gehirn war afficirt, sein Nervensystem ruinirt. Kurze vou seinen Vorgängern bewilligten Privilegien rati- I Zeit darauf reiste er nach der Villa im Sabinerlaude, ficirte er durch ein Edict, jeden Bittsteller empfing er! wo sein Vater gestorben; er war traurig, beklagte seinen wohlwollend, jede Forderung bewilligte er ohne Prüfung.! frühen Tod, fügte hinzu, daß er nur eine That vollentließ Niemanden ohne Hoffnung, versprach mehr als! bracht, die er bereuen müffe, sagte aber nicht, welche dies er halten konnte. Plötzlich hieß es, zwei Patricier hätten I gewesen. Das Fieber ergriff ihn nach der ersten Reisenach dem Throne gestrebt; ihre Namen weiß man frei- I station; er mußte die Reise im Tragseffel fortsetzen, lich nicht. Titus beeilte sich, sie zu begnadigen, zur I Domitian wartete nicht ab, bis er in einem Bade von Tafel zu ziehen, zum Amphitheater in seine Loge zu I Schnee, welches der Arzt verordnet hatte, ausgeathmet; führen. Die Ueberraschung war eine allgemeine. Man! er warf sich auf ein Pferd und eilte im Gallopp nach hatte vor seiner Regierung gezittert, und jetzt wurde die I Rom, um sich der Regierung zu bemächtigen. Auch Do- Freude um so allgemeiner. Die allgemeine Trunkenheit! mitian entging der Anschuldigung nicht, seinen Bruder wirkte auf Titus zurück. Er öffnete seine Schatzkammer! vergiftet zu haben. Tims hatte diesen Menschen wohl für Alle, auch die Unwürdigsten, die Milde wurde! durchschaut: hatte er aber Etwas gethan, um von dem Schwäche, die Großmuth Verschwendung, die Nachsicht! Reiche die fürchterliche Geißel abzuwenden, welche Do- Nachläffigkeit. Bon jetzt ab hörten die Feste und die! mitian bald über die unglücklichen Völker schwang? Schauspiele für das Volk nicht auf; die öffentlichen I Dies war die Regierung des Tims. Mit wenigen Bäder wurden eingeweiht, das Colosseum durch Spiele I Worten haben wir Alles geschildert, womit sie ausgefüllt während hundert Tage eröffnet, während.derer 9000! worden; nicht das Geringste weiter bliebe zu vermelden wilde Thiere und die verhältnißmäßige Zahl Gladia- I übrig. Freilich that, zwar nicht im Anfang, aber doch toren maffacrirt wurden; Weiber, Strauße und Elephanten I später, Domitian das Mögliche, um die kurze Regierung kämpften mit, Bertheilungen und Lotterien wurden ins I seines Bruders als eine unendliche Wohlthal zu verkläungemeffeuste erhöht; man frug jeden Tag das Volk, I ren und die Beinamen aufrecht zu erhalten, welche dem was es für den andern Morgen haben wolle, und Titus I Kaiser Titus seine Höflinge gegeben, ermahnte es, frei seine Wünsche auszusprechen. Frägt I Wir haben hiermit Titus in den drei Epochen seines man, dieser Regierungsweise gegenüber, was Titus Be- I Lebens sorgfältig nach den Thatsachen geschildert. Jetzt deutendes. Weises, Dauerhaftes für sein Reich, für die I sind wir berechtigt, eine Erläuterung seiner Handlungsweise zahlreichen Völker, auf denen es lastete, gethan hat,! zu suchen und uns ein Urtheil über seinen Character zu bilden. welche Schöpfungen durch seine Gedanken und seinen I _(Schluß folgt.»_*_ Willen erstanden, mit welcher neuen Idee er das rö- I Vermischtes. mische Reich gestützt und gefestigt habe — so kann diese I Der neueste in Palästina im ehemaligen Moabi- Frage durch Nrchts beantwortet werden. Als grvtze terlandegemachteantiquarischeFund,einmitwerth- Unglückssalle herembrachen eme furchtbare Fenersbrunst I sollen phönicischen Inschriften versehener Denkmalstein rn Rom, vre Pest, der Ausbruch des Vesuvs, so leerte I vorsalomonischen Moabiterkönigs Mesha, war von Trtus berertwrllrg ferne Truhen, bcs die Schatze erschöpft I ^cn mißtrauischen Arabern, welche von den wißbegierigen waren; aber rasche und wrrklrche Maßregeln der Hülfe I Nachforschungen hörten, vorher zerstückelt und in Erdwurden nrcht vorgenommen, sie blieben fernem Nachfoll5*cril versteckt worden, in denen sie Getreide aufbeger überlassen. Bald sehen nur aber an der Person I ehrten. Aber alle Fragmente sind gesammelt und Codes Trtus selbst sonderbare Er^chttnungen auftreten. Es I ^er Inschrift an den Custos der hebräischen Bibliozergt sich an rhm erne krankhafte Empfindlrchkert; Melan- I j ^es Britischen Museums, Herrn Emanuel Deutsch, cholre und Trübsinn, so wre ern unersattlrches Bedurfnrß, | vermittelt worden. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. 33. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dp. H. Lotze.

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