Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1870)
- Date
- 1870-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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34.Jahrgang. Allgemeine JW 11. Zeitung -es Iudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 15. März 1870. Me ZeMmg ericheurt wochentlrck er«m»l Dre»ft»gS, m 2 bis 2'/. Bogen. Preis des Jahrgangs 4 THIr. Halbjährig 2 Thlr. Diertcliabria I Tblr. Snierate werden mit l V2 Ngr. für die Petttzerle oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postärnker und Zeirungs-Erpedirionen nehmen Bestellungen an; der Haupl-Expedi.ion für beide Leerere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Aus Bonn.— Aus einem Berichte über den Gcmcindctag. — Literarischer Wochenbericht: Gr. Becskerek. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn.—O österreichischungarische Monarchie: Wien. — Italien: Nom. — Holland: Amsterdam. — Schwei;: Aus dem Aargau. — Serbien: Semlin. — Rußland: Petersburg. Feuilleton-Beilage: Titus, wie er war. (Fortsetzung». — Vermischtes. Leitende Artikel. Bonn, den 6. März. Wer die gegenwärtigen Zustände innerhalb des Judenthums näher betrachtet, kann dieselben wohl unerquicklich finden. Mit jedem Jahrzehend treten die Gegensätze schroffer hervor, und machen sich in ihren äußeren Erscheinungen und Wirkungen fühlbar; die Richtungen gestalten sich zu Parteien, und von den Parteien will die eine und die andere zur Spaltung, also zur Sectirerei treiben. Jeder unserer Leser weiß, daß wir alle Richtungen im Judenthume, so weit sie aus aufrichtiger Ueberzeugung hervorgehen und in aufrichtiger Weise bethätigt werden, für vollberechtigt, nützlich, und als nothwendiges Ergebniß der geschichtlichen Entwickelung betrachten. Selbstverständlich können wir chassidischen Wahnglauben und pantheistische Irrlehren nicht mehr als dem Judenthume zugehörig erachten. Sonst aber bedarf jeder Stamm zu einem gesunden Bestände der Erde, der Lust und des Lichtes, um aus ihnen seine Nahrung zu ziehen; Wurzel und Stamm, Laub und Krone sind ihm gleichmäßig unentbehrlich. Daß auch ein Kampf der Meinungen stattfindet, scheint uns stets als ein günstiges Symptom gesunder Lebenskraft, und kann ohne jenen an Klärung und Gestaltung nicht gedacht werden. Sehen wir aber nun, wie seit längerer Zeit dieser Kampf geführt, diese Streitigkeiten abgewickelt werden, so tritt uns ein recht trauriges Bild entgegen. Wo der Streit zum Wort und zur That kommt, nimmt er einen so niedrigen Charakter, ein so gehässiges Wesen an, daß es jeden wahren Freund der Religion, der Sittlichkeit und insonders des Judenthums schwer verletzen muß. Niemand wird die orthodoxe Partei an sich mißachten und ihren redlicken Bestrebungen die Anerkennung versagen. Wenn man aber nun die Wortführer derselben hört, wenn man die von diesen verfaßten Zeitschriften und Pamphlete liest, so sieht man Mittel in Anwendung gebracht, so sieht man so viel Lüge, so viel Verleumdung, niederträchtige Beschimpfung, so maßlose Verketzerungs- und Verfolgungssucht, daß sich hier ein religiöser Verfall, eine sittliche Verkommenheit, und dabei zugleich ein Mangel an aller Bildung offenkundig machen, die wahrhaft erschrecken. Das Gebühren dieser Leute ist durchsichtig; vor Allein wollen sie sich einen Anhang schaffen, um ihres persönlichen Vortheils und Einfluffes willen; diesen Anhang wollen sie Hetzen und verbittern, um ihn in ihren Händen zu behalten; und dazu kommt nun ihre Leere, ihre Inhaltslosigkeit, da sie