Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1870)
- Date
- 1870-03-08
- Page
- Seite 192 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Rußland. Warschau, 17. Febr. Man schreibt von hier: Gestern fand hier das Begräbniß des hiesigen Ober- Rabbiners Baer Meisels statt. Der Leichenzug, bei welchem nach streng jüdischer Sitte gar keine Parade entfaltet war, war dennoch im höchsten Grade imposant durch die ungeheure Menschenmenge, die sich betheiligte. Nicht nur die Juden, deren Gemeinde in Warschau übrigens wohl die größte in Europa ist, da deren Mitgliederzahl 70,000 übersteigt, betheiligten sich bei dem Begräbnisse, sondern auch sehr viele Christen aus allen Ständen. Meisels genoß nicht nur als Beamter und Privatmann die höchste Achtung, sondern auch als politische Persönlichkeit stand er in hohem Ansehen. Als er noch in Krakau war, wurde er im Jahre 1848 von dieser Stadt zum Reichstags-Abgeordneten nach Kremsier gewählt. Im Jahre 1861 war er Mitglied des damals aus Wahlen hervorgegangenen Staatsraths. Während der in jenem Jahre eingetretenen Reattion kam Meisels als Nationalgesinnter in die Citadelle, von wo er nach sechsmonatlicher Haft des Landes verwiesen wurde. Erst nach Ernennung des Großfürsten Constantin zum Statthalter des Königreichs Polen und der damit verbunden gewesenen nationalen Verwaltung unter Wielopolski durste Meisels hieher zurückkehren und sein Amt wieder antreten. Seine liberale Gesinnung und sein polnischer Patriotismus verursachten, daß er von den Behörden mit Mißtrauen beobachtet wurde, ein Mißtrauen, das ihn bis über das Grab hinaus begleitete. Die Censur hat nämlich den Nekrologen, welche die hiesigen Zeitungen über den Verstorbenen bringen wollten, das Imprimatur versagt und kaum eine kurze Mittheilung des Todes gestattet, welcher nicht einmal die Erwähnung des außerordentlichen Leichenzuges folgen durste. Nordam erika. Baltimore, 12. Februar. Das hier erscheinende politische Tagesblatt „Baltimorer Wecker" bringt mit vielen schmeichelhaften Bemerkungen für den Berfasier das Antwortschreiben des Dr. Philippson an die hies. Loge, welche seinen Namen angenommen (s. Nr. 5 d. Z.). Von der letzteren war eine besondere, auch von zahlreichen Mitgliedern anderer Logen besuchte Sitzung anberaumt worden, in welcher das Antwortschreiben vorgelesen und mit enthusiastischem Beifall ausgenommen wurde. Anzei gen. Vacanz. Die hier erledigte Rabbiner- und Prediger-Stelle soll wieder besetzt werden. Gewandte, im Amte stehende Prediger, die eine rrx-nn n-inrr von bekannten rabbinischen Autoritäten besitzen und befähigt sind, dem hiesigen hebräischen Unterrichtswesen vorzustehen und daran zu wirken, wollen sich geneigtest melden und ihre Zeugniffe einsenden. Akademische Bildung ist wünschenswerth, aber nicht Bedingung. Fester Gehalt 500 Thlr. jährlich nebst fteier Wohnung und bedeutende Nebeneinkünfte. Berücksichtigt werden nur die bis zum 1. Mai o. eingehenden Meldungen. Rawicz, den 10. Febr. 1870. Der Corporations-Borstand. Gesucht! Die Gemeinde Anschi Chesed hier, der gemäßigten Reform huldigend, wünscht einen Rabbiner auf 5 Jahre vom 1. August l. I. mit dem jährlichen Gehalte von 3000 Dollars aufzunehmen. Derselbe muß in deutscher Sprache predigen und fähig sein, die mit der Gemeinde verbundene Religionsschule zu beaufsichtigen. Anmeldungen und Zeugniffe müssen vor dem 8. April l. I. dem Unterzeichneten eingesandt werden. New-Aork. S. Schuster, Pres. 71 Avenue D. Annonce In unserer Gemeinde ist zum 1. April d. I. die Stelle eines geprüften Religionslehrers, Vorbeters und Schächters zu besetzen. Das Einkommen beträgt ca. 300 Thaler. Bewerber wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugniffe beim Unterzeichneten Vorstande melden. Heiligen stadt, (Reg.-Bez. Erfurt). Der Synagogen-Vor st and.