Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 10 (8.3.1870)
- Date
- 1870-03-08
- Page
- Seite 187 (sequence 7)
- Language
- German
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5 I i 187 Genüsse dieser aus der Staatscafse bestrittenen Beneficien ausgeschlossen, erhält der jüdische Cultus — wie dies doch in Belgien, Holland, Frankreich der Fall — nicht nur keinen Zuschuß aus Staatsmitteln, es find auch die jüdischen Lehrer auf das Hospitiren an den confessionellen Lehrerbildungs-Anstalten ausschließlich angewiesen. Deshalb erachten wir es als Pflicht unserer Glaubensgenossen so lange die Fürsorge auf diesen Gebieten zu übernehmen, bis der Staat gleiches Maaß über Alle einführt, Allen gerecht wird, so lange selbstständig jüdische Studirende und Lehramtscandidaten zu unterstützen, bis der Staat den immer dringender zu erhebenden Forderungen nach Rechtsgleichheit nachkommt." Sicherlich werden die anderen Gemeinden von West- und Ostpreußen dem Vereine noch viele Mitglieder hinzugesellen. Mögen dieselben erwägen, daß sehr leicht bald Söhne ihrer eigenen Gemeinde die Hülfe ihres Vereins in Anspruch nehmen können. Aus der Provinz Posen, im Febr. (Privatmitth.) In Betreff der jüdischen Corporationen ist folgende Verfügung erlassen worden: Da die Dienstcorrespondenz der hiesigen k. Regierung mit den Vorständen der jüdischen Corporationen in der großen Mehrzahl der Fälle ohne wesentliches Interesse für die Landraths-Aemter ist, so werden sowohl der Vereinfachung des Geschäftsganges wegen, als mit Rücksicht auf die mit dem 1. d. M. eingetretene Portopflichttgkeit der dienstlichen Correspondenz die Regierungs-Verfügungen hinfort in der Regel an die Vorstände der jüdischen Corporationen des Departements unmittelbar gerichtet werden. Die Corporationsvorstände sind hiervon mittelst Verfügung der k. Regierung zu Posen vom 8. d. M. mit der Anweisung benachrichtigt worden, ihre Berichte und Eingaben in Corporations-Angelegenheiten in der Regel ohne Vermittelung des Landraths-Amts unmittelbar derselben einzureichen. Ausgenommen bleiben die Fälle, in denen die Corporations-Vorstände die Aeußerung der Landräche über chre Anträge zur Förderung oder Unterstützung derselben wünschen oder für erforderlich halten, die Fortdauer der bisherigen Praxis sich daher zur Abkürzung der Geschäfte empfiehlt. — Der Lehrer an der jüdischen Schule in Deutschen hat von der Regierung in Posen 50 Thaler erhalten, obgleich die jüdische Schulcasse schon jährlich 50 Thaler Subvention erhält. Wie es heißt, hat er diese Summe jährlich, also als persönliche Zulage zn erwarten; wahrscheinlich um die Stelle in finanzieller Beziehung der Art zu gestalten, daß nicht mehr so häufig ein Wechsel eintritt, als bisher der Fall war, oder dieselbe nicht, wie schon öfter der Fall war, längere Zeit unbesetzt bleibe. Hamburg, 10. Februar. (Privatmitth.) Hier erscheint alle Montage ein Blatt, welches den Titel „Montags-Nachrichten" führt. In demselben giebt der bekannte Rothe W. Marr „misanthropische Briefe," die, wir gestehen es offen, wir nicht gelesen, da uns erst die letzte Nummer dieses Blattes vom 7. dieses durch einen Freund vorgelegt ward. Die genannten Briefe erreichen darin ihre 36. Nummer. Von dem Style dieses Briefes will ich absehen, er ist allzu salopp und formlos, um goutirt zu werden. Der sich zur Affentheorie bekennende Verfasser benachrichtigt sein Lesepublicum, daß er nunmehr vorläufig mit dem Christenthume fertig sei und sich zu der Mutter desselben, zum Judenthume, wenden wolle. Er spricht den Christen, besonders auch den christlichen Geistlichen, seinen Dank aus, daß sie ihn wegen seiner Kritik des Christenthums durchaus nicht befeindet hätten, was immerhin einen Fortschritt bedeute. Bon den Juden erwarte er nicht so viel Gutes, sie seien viel empfindlicher und hitziger. Daß aber seine Briefe bei dem Publicum keinen factischen Erfolg gehabt, käme von der Geistesträgheit, von der Denffaulheit her, welcher die große Mehrheit der Menschen, besonders auch die Philosophen sich ergeben. Man sieht, der gute Mann macht es sich sehr leicht. Daß das christliche Publicum seinen Fraubasereien keine Aufmerffamkeit schenkte, erklärt er sich als Fortschritt der Duldsamkeit; daß er für sie keine Anhänger gewinnt, rechtfertigt er durch die Trägheit — während er doch, wenn er selbst etwas Duldsamkeit besäße, die Ursache allein in der Schuld seiner eigenen Meinungen, in der Leerheit und Unhaltbarkeit derselben zunächst suchen sollte. Uebrigens irrt er sich wahrscheinlich darin, daß die Juden ihm mehr Beachtung schenken würden. Sie werden sich wahrscheinlich ebenso passiv verhallen, um so mehr, da die Expectorationen des Herrn Marr ja nichts Neues sind und man ihn schon deshalb in seiner Arbeit des Wiederkäuens nicht stören wird. Seine Ab-