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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-08 · Heft 6 (8.2.1870) · p. Seite 120

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 6 (8.2.1870)
Date
1870-02-08
Page
Seite 120 (sequence 20)
Language
German
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120 Arabischen und starb in Damascus. Andrea Mongajo von Belluno') hielt sich um Avicenna's willen lange in Damascns auf, lernte das Arabische und emendirte seinen Autor; die venezianische Regierung stellte ihn dann für dieses besondere Fach in Padua an. Aus Görlitz schreibt man der „Niederschl. Zeitg." am 14. Januar: Heut Nachmittag 3 Uhr erfolgte die Beisetzung des verstorbenen Bau-Jnspectors Eduard Hoffmann. Derselbe hat ursprünglich der katholischen Confession angehört, war dann zur christkatholischen Gemeinde übergetreten, spater jedoch auch aus dieser ausgeschieden. Es zeigte sich unmöglich, die Mitwirkung eines christlichen Geistlichen bei den Bestattungsfeierlichkeiten zu erlangen- Obwohl die Witwe darum gebeten hatte, daß ein Geistlicher am Sarge des Verstorbenen ein paar Worte des Trostes an die Angehörigen und Freunde spreche, so war es ihr doch allseits versagt worden. Da ersuchte die Witwe den Rabbiner, Herrn vr. Freund, einen persönlichen Freund des Verstorbenen, in ihrer Behausung am Sarge eine Rede zu halten, und Herr Freund hatte diesen, ihn ebenso als die Witwe ehrenden Antrag auf das Bereitwilligste angenommen. Er gab der zahlreich anwesenden Versammlung einen Abriß des Lebens und des reichen edlen Charakters des Verstorbenen, sowie seiner umfassenden, im Dienste seiner Mitbürger entwickelten Thätigkeit, und wenn er auch nicht aus die Tröstungen der Religion Hinweisen konnte, so werden die Angehörigen und Freunde aus seiner Rede gewiß nicht weniger Trost geschöpft haben. Selbst bei unseren Gegenfüßlern in Australien wirdjetzt ein lebhafter Kampf geführt, der also gegenwärtig seine Stationen rund um die Erde hat. Eine Correspondenz des Jewish Chronicle aus Melbourne vom October berichtet Folgendes: Kürzlich fand hier ein ernstlicher Streit wegen des 1. Kap. des ersten Buch Moses statt; ein vr. Bumby, früher wesleyanischer Geistlicher, jetzt Schullehrer, hielt eine Vorlesung über diesen Gegenstand, in der er sich bemühte zu beweisen, daß die Schöpfungsgeschichte eine unzusammenhängende Masse von Widersprüchen sei. Er nahm die Wissenschaft zur Hilfe, um ihre Unhaltbarkeit und evidente Unrichtigkeit zu zeigen. Natürlich waren die Skeptiker entzückt und zollten der Vorlesung lauten Beifall. Aber der Gegenstand ist seitdem von sehr geschickten Autoren behandelt und diese wisienschastlichen Theorien zerstört worden. Der Bischof von Melbourne vernichtete in einer sehr klaren und logischen Rede von zwei Stunden vollständig die Argumente Bumby's, und Herr I. S. Joseph zeigte in einem oder zwei Briefen, welche im „Argus" veröffentlicht wurden, die mangelhafte Kenntniß des Hebräischen, welche der Doctor in seiner Beweisführung an den Tag gelegt. Der Red. Ornstien hält jetzt eine Reihe von Vorlesungen über Wissenschaft und Offenbarung, um zu zeigen, wie innig die eine mit der andern zusammenhangt, aber es scheint mir, daß die wahre Erklärung dieses skeptischen Uebels, das immer wieder unter der christlichen Geistlichkeit auftritt, in den Zweifeln zu suchen ist, welche sie an der Wahrhaftigkeit ihrer eigenen Religion hat, und da sie nicht wagt, dies zu bekennen, so greift sie das alte Testament an, mit dem Gedanken, damit die Basis alles Glaubens zu zerstören. Curiosum. Es gab kleine Städte sowohl in Süddeutschland als auch im Großherzogthum Posen, in welchen vor etwa anderthalb Jahrhunderten und mehr heimatlose vagabondirende Juden angesiedelt wurden, die dann von Geschlecht zu Geschlecht gewerbsmäßig den Bettel betrieben und von nichts Anderem lebten. Die Behörden dieser Städtchen staken mit ihnen unter einer Decke, gaben ihnen Päffe, stellten ihnen Zeugniffe aus und nahmen dafür ihren Antheil an den Erträgniffen des Erwerbes entgegen. Die Leute verstanden aber auch ihr Handwerk. Zur bestimmten Zeit flogen sie aus dem Neste, wie die Bienen aus dem Stock, Greise, Männer, Frauen, Kinder, und vertheilten sich über die Länder, ihre Reisestriche wechselnd, weiter oder näher ausdehnenv. Bon Stadt zu Stadt wurde auf Kosten der mildthätigen Glaubensgenossen gelebt, und die Gaben gut gespart, bis man gegen die Winterzeit zurückkehrte, und die rauhe Jahreszeit in der Heimath in Saus und Braus verlebte. So ging dies vom Großvater bis auf den Enkel und Urenkel und mancher Armenvorsteher hatte das Vergnügen, den bettelnden Enkel eines ihm wohlbekannten bettelnden Ahnen kennen zu lernen. Im sog. „Reich" ist dies längst verschwunden; im Posenscheu sollen noch einige Spuren dieser Colonien vorhanden sein. i) Pierins Valerien., de infelic. lit. bei Anlaß des Monk gajo. — lieber Rcunusio, vgl. Sansovino, Venezia, Fol. 250.' j ■ Verlag von Baumgärtner's Bnchhandlnng in Leipzig. — Druck von Z. 83. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Or. H. Lotze.

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