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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-08 · Heft 6 (8.2.1870) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 6 (8.2.1870)
Date
1870-02-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JW «. 34. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Heransgeg eben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 8. Februar 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich' einm al Dienstags, in 2 bis 2>/, Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig'! Tblr. Inserate werden mit I '/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen au; der Haupt-Expedi'.ion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Hanpt-Zeitungs-Burcau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Berlin. — Die westrussischen Juden. IV. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Carlsruhe. — Oesterreichischungarische Monarchie: Wien, Pest. — Schweiz: Aus dem Aargau. — Rußland: Moskau. Feuilleton-Beilage: Die jüdisch-griechischen Dichter. «Fortsetzung.) — Zur diesjährigen Feier des Todestages Moses Mendelssohns. — Vermischtes. — Curiosurn. Leitende Artikel. Bonn, den 30. Januar. L e r 1 i u. Wir kehren jetzt zu der Reihe von Betrachtungen zurück, welche wir in Nr. 1 begonnen hatten. Sowohl der Umfang der jüdischen Gemeinde Berlins, als auch die Bedeutung, die sie besitzt, der Einfluß, den sie negativ und positiv, hindernd oder fördernd ausübt, rechtfertigt es hinlänglich, ja macht es zur Pflicht, sich mit ihr ausführlicher zu beschäftigen. Was nicht geschehen, bedarf ebenso der Erklärung, als was geschieht. Jedes geschichtliche wie organische Wesen hat seine verschiedenen Seiten, die ins Auge gefaßt werden wollen, wenn wir jenes nur irgendwie zu verstehen streben. Die in der Tiefe waltenden Gesetze der Natur wie der Geschichte sind sehr einfach, aber es entstehen sofort die größten Mannigfaltigkeiten in den Erscheinungen, welche jene Hervorrufen, in den Erzeugniffen, welche sich durch jene gestalten. Wir haben bemerkt, daß die Berliner Jndcnschaft seit Mendelssohn in ihrem Fond einen bestimmten Charakter habe, der sich trotz der Anfluth fremder Elemente noch immer erhalten hat und erkennbar blieb. Es ist dies: in allen Dingen eine gewisse Freiheit und Eleganz in den Formen, eine harmonische Gleichmäßigkeit im Ausdruck zu beobachten, überall mehr nach dem Verständniß und der paffenden Darstellung desselben, als nach Tiefe der Forschung, Lebhaftigkeit des Gefühls und Schwung der Phantasie zu suchen. Wir finden diese Eigensckaften in Mendelssohn ausgeprägt; da er aber selbst sich erst in Berlin gebildet hat, so mag man ihn nicht als Schöpfer dieser Charakterweise ansehen; doch aber hat er sie vorzüglich entwickelt. Wir finden sie seitdem immer wieder. Die unmittelbaren Schüler M.'s, David Friedlander und seine Freunde; die bekannten geselligen Kreise der Juden und Jüdinnen, welche eine Zeit lang in Berlin alle anderen durch Geist und geistige Eleganz in Schatten stellten, endlich die Resormgenoffenschaft und was diese hervorbrachte: sie alle zeigen diesen selben Charakter in prägnanter Weise. Wir überlassen es dem Urtheil Anderer, ob die neue große Synagoge denselben auch theile; in Gegenständen des Sehorgans trauen wir uns gegenwärtig kein Urtheil zu. Um den ursprünglichen Kern der Berliner Judenschaft sammelte sich aber nun, früher sehr allmälia, feit 1840 schneller, seit 1847 reißend schnell die heran strömende Masse fremden Elements. Es frug und frägt

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