Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-02-01 · Heft 5 (1.2.1870) · p. Seite 97

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 5 (1.2.1870)
Date
1870-02-01
Page
Seite 97 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226750--28044-3301845
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. Feuilleton-Beilage jit tlr. 5. Leipzig, den 1. Februar 1870. Die jüdisch-griechischen Dichter. (Fortsetzung.) Was nun das Drama betrifft, so ist es, so weit uns die Fragmente erhalten geblieben, außer einigen Einschiebseln, ganz nach dem 2. Buche Mos. gearbeitet. Moses tritt im Midjaniterlande auf, erzählt in einem Monologe die Schicksale seiner Jugend und warum er jetzt in diesem fremden Lande umherirre. Er erblickt sieben Jungftauen. Als er sie auredet, erklärt ihm Sepphora, vaß das Land Libyen genannt sei, worin viele Stämme, Aethioper, wohnten, und daß sie die Töchter des in der Stadt herrschenden Priesters seien. In einem zweiten kleinen Fragment berichtet Sepphora dem Chus, daß ihr Vater sie dem Fremdling zur Gattin gegeben. Im 3. Fragment erzählt Moses seinem Schwiegervater einen Traum, und dieser legt ihn ihm aus. Dieses Fragment lautet: Moses. Auf Bergesspitze sah ich einen hohen Thron, Der bis zum Himmel reichte; und es saß aus ihm Ein Mann, entsproffen wohl dem edelsten Geschlecht; Ein Diadem auf seinem Haupt und in der Hand, Der linken, der gewalt'ge Scepter, winkend mir Mit seiner Rechten; und ich stand jetzt vor dem Thron. Da reicht' er mir den Scepter dar, und auf den Thron Befahl er mir zu steigen, den er selbst verließ, Mir gebend auch sein königliches Diadem. Darauf erblickte ich der Erde Rundung ganz, Zugleich der Erde Tiefen und des Himmels Höh'n; Und plötzlich fiel der Sterne Schaar zu Füßen mir. Und alle zählt' ich sie, und mich umgab es da Wie von den Sterblichen ein Kriegeslager: da Erwacht' ich aus dem Schlaf, die Brust von Furcht bewegt. Raguel. £>, Fremdling, Herrliches hat Gott Dir angezeigt: O, möcht' ich leben noch, wenn solches Loos dich trifft! Umstürzen nämlich wirst Du einen großen Thron, Und Beut' austheilen, und der Völker Führer fein. Daß Du gesehn bewohnter Erde Rundung ganz,' Was unter Gottes Himmel weilt und über ihm: Du wirst, was ist, vorüberging und naht, erfchaun. Im folgenden Bruchstücke erscheint Gott im Dornstrauche und die Unterredung zwischen ihm und Moses geht fast getreu nach den Worten der heil. Schrift vor sich. Mose s. Sieh da! was will das Zeichen aus dem Dornstrauch mir? Gar wunderhaft und Sterblichen unglaublich ist's: Denn plötzlich brennt der Strauch in hohen Flammen auf, Und dennoch bleibet jeder Sprößling unversehrt. Was nun? Ich will der Wunder Größtes, nähernd mich, Betrachten, denn nicht Glauben bei den Menschen weckt's. Gott. Halt an, o Bester, näh're nicht noch weiter Dich, Moses, eh Du der Füße Binden nicht gelöst. Denn sieh! das Land, worauf Du stehst, ist heilig sehr, Und Dir erglänzet Gottes Geist aus diesem Strauch. Faß Muth, mein Sohn, und meine Reden höre wohl. Wohl ist's unmöglich Dir, mein Antlitz ganz zu schaun, Dem Sterblichen, doch meine Worte kannst Du gut Verstehn, weshalb anjetzt ich mich hierher begab. Denn Deiner >,also nennt Du sie) Ahnväter Gott, Albrahams, Isaaks und Jakobs Gott bin ich! Und jener eingedenk und der Verheißungen, Bin ich bereit, mein Volk zu retten, das Geschlecht Der Jwri, meiner Diener Leiden sehend ganz. Nun eil' hinweg, mit diesen meinen Worten meld' Zuerst dem ganzen Volke der Hebräer, dann Dem Könige, wie es von mir befohlen ward: Aus dem Äegypterland sollst führen Du mein Volk. Moses. Nicht bin ich guter Rede fähig, denn mir stockt Die Zunge oft, und stammelt, daß ich nicht bestehn Mit meiner Sprach' in Gegenwart des Königs kann. G ott. So schicke Deinen Bruder Aaron schnell, und ihm Verkünde Alles, was ich Dir befahl, er selbst Kann vor dem Könige die Worte sprechen; wie Du sie von mir empfängst, vernehm' er sie von Dir. Was hältst Du in den Händen da? sag' an geschwind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.