Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1870)
- Date
- 1870-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226744-3226750--28024-3301825- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JW 5. 34. Jahrgang. Allgemeine Zeitung des Zu-enthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig PhiliPPson in Bonn. Leipzig, den 1. Februar 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag-, in 2 bis 2'/, Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig! Thlr. Inserate werden mit 1l/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zertungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedi'ion für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Burcau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Aufruf an die Israeliten Deutschlands zur Fundirung einer Hochschule für die Wissenschaft des Judcnlhums ijüdifch-theologische Facultat). — Zum deutschisraelitischen Gemeindebunde. III. — Antwortschreiben an die Ludwig Philippson-Loge in Baltimore. — Die westrussischen Juden. IV. — Literarischer Wochen bericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Karlsruhe, Fürth. — Oestcrreichischungarische Monarchie: Prag. — Amerika: Aus Nordamerika. Fenilleton-Beilage: Die jüdisch-griechischen Dichter. (Fortsetzung.) — Die Juden in Rom. — Curiosum. Leitende Artikel. Bonn, den 23. Januar. Aufruf an die Israeliten Deutschlands zur Fundirung einer Hochschule für die Wissenschaft des Iudenthums (jüdisch-theologische Facnltät). Ein Gedanke tritt jetzt abermals an Euch, Israeliten Deutschlands, heran, der, vor dreiunddreißig Jahren zuerst ausgesprochen, dann öfter wiederholt, nunmehr zur Ausführung gebracht werden soll. Wenn eine Idee einen so langen Zeitraum besteht, ohne abzusterben, so ist dies ein Beweis für ihre Lebensfähigkeit, für ihre Nothwendigkeit; so ist es zugleich ein Beweis, daß diese Idee und die Verhältnisse für sie immer mehr reifen mußten, bevor die Verwirklichung alle Schwierigkeiten und Hindernisse überwinde. Die ersten und 'sehr wesentlichen Schritte sind gethan: ein Statut ist festgestellt, ein Verein constituirt, ein Curatorium gewählt, und ein nicht unbeträchtlicher Theil der erforderlichen Geldmittel bereits gesammelt. Auf dieser Hochschule soll die Wissenschaft des Judenthums eine Pflanzstätte und eine sorgfältige Pflege finden. Die wissenschaftliche Bearbeitung aller zur jüdischen Theologie gehörenden Disciplinen soll hier dauernd gepflegt und in Vorlesungen vorgetragen werden; zugleich aber allen Jünglingen, welche sich dem höheren jüdischen Lehrfache, dem Rabbinate und Predigtamte widmen wollen, die Gelegenheit in umfassender Weise geboten sein, sich zu diesem Berufe die nöthigen Kenntnisse und Befähigungen zu erwerben. Wie die Wissenschaft überhaupt, so soll diese Hochschule, über den Parteien stehend, keiner religiösen Partei an sich zugehören, alle religiösen Richtungen im Judenthume vielmehr hier ihren wissenschaftlichen Ausdruck finden oder doch finden können. Unsre Väter in der Vergangenheit haben zu allen Zeiten das reichste jüdisch-theologische Wissen besessen und mit Liebe, Ausdauer und Scharfsinn angebaut und fortgebildet; aber die Wissenschaft war ihnen nur in einigen glücklichen Perioden eigen, nur Zeiten Saadia's, Maimuni's und einiger Anderen zeigen uns nach der damaligen Beschaffenheit der Wissenschaft überhaupt den Charakter einer solchen. Ist es in unsrer Zeit den Jüngern der jüdischen Theologie wegen des großen Umfangs, den die ihnen unentbehrlichen und von ihnen geforderten Studien auf anderen Gebieten einnehmen, nicht möglich, unseren Vätern in ihrem jüdisch-theologischen