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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-01-25 · Heft 4 (25.1.1870) · p. Seite 73

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 4 (25.1.1870)
Date
1870-01-25
Page
Seite 73 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Feuilleton-öeilage ju Ar. 4. Leipzig, den 25. Januar 1870. Die jüdisch-griechischen Dichter. Wenn irgend eine Nation eine normale, organische Entwickelung seines geistigen Lebens und Inhalts durchlebt und in großartigen Erscheinungen manisestirt hat, so war es die hellenische. Das allmälige Erblühen, das Ersteigen der höchsten Entfaltung ihres Wesens, das Verwelken und Absterben zeigt sich hier in zweifellosen Phasen, welche durch eine Fülle von Monmnenten ihren Character klar erkennbar machen. Die hellenische Nation hat nicht wie die jüdische und wie einige neueren irgend welchen Verjüngungsprozeß durchgemacht und nock ein Mal eine annähernd klassische Periode erlebt, sondern selbst lebendigere Epochen während ihrer absteigenden Zeit, wie unter den römischen, später unter den byzantinischen Kaisern, producirten nichts Bester es und Größeres, als den Zeiten des Absterbens abzuringen war, sind nur energische Zuckungen im Todeskampf einer großartigen Natur. Die Zeit Alexander des Großen war der Wendepunkt des hellenischen Lebens. Wie in politischer Beziehung die Griechen durch das Schwert dieses Eroberers auf immer ihre Selbständigkeit, ja eigentlich ihre staatliche Existenz verloren: so bedeutet sein großer Lehrer Aristoteles die letzte Phase für die schöpferische Kraft des hellenischen Genius. Er, der die Wissenschaft erfunden, das große Gebiet des menschlichen Forschens und Schaffens in bestimmte Gebiete getheilt und auf jedem einzelnen die Fundamente der zukünftigen Bauwerke gelegt hat, der hierdurch die Verknüpfung der antiken und der neueren Welt recht eigentlich gegeben, er hat auch die letzte Schöpfung des griechischen Geistes vollbracht, der von hier ab nur Gegebenes weiter verfolgen oder reproduciren konnte, bis er nichts weiter mehr vermochte als künstlich nachzubilden und zuletzt des Lebens beraubte Formen festzuhalten. Nach Alexanders Tode suchte das Hellenenthum neue Pflanzstätten und Sitze auf, und fand diese zunächst in der von dem kühnen Kronenräuber gegründeten Stadt Alexandria in Aegypten. Die Herrscher dieses Landes, die Ptolemäer, wußten, daß sie ihr Reich nicht aus das ursprüngliche Volk dieses Landes, sondern vorzugsweise auf die Fremden stutzen könnten, die Aegypten überschwemmten. Es waren dies die Griechen und die Juden, denn von den letzteren hatte schon Alexander eine höchst beträchtliche Colonie nach der neuen Stadt verpflanzt, und die Kriege der Ptolemäer mit den Seleuciden um die Obmacht in Vorderasieu führten immer mehr jüdische Ansiedler aus Palästina dorthin. Brachten nun die Griechen ihre Wissenschaft und Literatur nach Aegypten mit, so beförderten die Ptolemäer diese Bestrebungen mit großem Flachdruck und gewährten ihnen die umfastendste Unterstützung. Aber fern vom Mutterlande, mit einer schon aus gemischten Elementen zu einem besonderen Dialekte sich herausbildenden Sprache, konnte diese neue Entwickelung nicht productiv werden: sie wurde zur Gelehrsamkeit. Die bisherige Literatur wurde gesammelt, die Meisterwerke kritisch bearbeitet, die Sprach- und Kunstsormen untersucht und festgesteltr, die exacten Wissenschaften gefördert, und was sich nun an poetischem Geiste noch regte, beschränkte sich auf mehr oder minder glückliche Nachahmungen, so daß als eigenes Product nur die Epigramme erscheinen. Einige Zeit erhielt sich dies noch in einem gewisten Aufschwünge des Geistes; dann aber erlahmten die Flügel ganz, und die Erzeugniste wurden entweder dürr und nüchtern oder ergaben sich einem krankhaften Schwulste. Hier in Aegypten trat nun der erste bedeutende Contact zwischen Griechen und Juden ein. Die Begegnung konnte von vornherein keine freundliche sein, denn beide Nationen standen sich in ihrem Geistesinhalte wie in Sitte, Gesetz und Sprache so geradezu gegenüber, daß eine Vereinigung unmöglich war. Dennoch lag es naturgemäß in dem Beieinanderleben, daß ein Ausgleich wenigstens versucht werden, daß sich gewiste Fäden nach und nach zwischen beiden anknüpfen und eine Zeitlang fortspinnen mußten. Offenbar ist es, daß hierbei griechische Sprache und Form die Mittel bieten mußte, nicht umgekehrt. Denn jene war das herrschende und ausgebildetere Element. Die hebräische Sprache trat überall und immer zurück, wo die Juden in Contact mit anderen Völkern kamen. Drei Momente mußten sich hierin vereinigen. Bei der großen Bedeutung, welche die jüdische Colonie in Alexandrien und in Unterägypten überhaupt erlangt hatte, lag es in der Politik der Ptolemäer, das Leben der Juden, ihre Lehre und ihr Gesetz

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