Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1870)
- Date
- 1870-01-18
- Page
- Seite 47 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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47 ungefähr 150,000 Fr. geschenkt, die dazu bestimmt ist den rumänischen Studenten, welche ihre Studien an ausländischen Universitäten vervollständigen wollen, ohne Unterschied des Glaubens zu Hülfe zu kommen. Es ist dies nicht nur eine großmüthige Handlung, die die Herren Hillel B. Manoach damit gethan, sondern auch eine That der Klugheit. Das sicherste Mittel, den Verfolgungen in diesem Lande zuvorzukommen, wo noch die Geißel des religiösen Hasses wüthet, bestehet darin, die Verfolger zur Schule zu schicken. Hoffen wir, daß die rumänischen Kammern diese Belehrung nicht nöthig haben und daß sie von selbst verstehen werden, daß es ihr eigenes Interesse, so wie auch ihre Ehre erheischt, daß sie ihr Land auf den Weg der civilisirten Rationen leiten. Wir glauben zu wissen, daß dies der theuerfte und heißeste Wunsch des Fürsten Karl ist." Bukarest, 29. Dec. Die Zeitungen enthalten folgenden Artikel: Die Judenfrage kann in unserer Kammer noch immer nicht zur Ruhe kommen. Auch gestern führte sie wieder zu außerordentlich stürmischen Debatten. Der abgeordnete Eodrcscu behauptete nämlich, die staatliche Existenz Rumäniens sei durch die massenhafte Einwanderung der Juden bedroht. Es handle sich, wie er darthun wolle, nicht mehr um das Kommen einzelner Individuen, die in der Moldau oder Walachei ihren Unterhalt suchen, sondern um die Invasion eines Volks, welches — bisher heimathlos und zerstreut — Rumänien zu seiner Heimath gewählt habe. Die mächtige Association in Paris, genannt „Alliance Jsraölite", beabsichtige die Gründung eines israelitischen Staates und habe dazu den Orient und speciell Rumänien auserkoren. Dies gehe nicht nur aus den Auslassungen der Preßorgane, mit welchen die „Alliance" in Verbindung stehe, hervor, sondern werde auch durch statistische Ziffern bewiesen. In den letzten zwanzig Jahren sei die Zahl der Juden in der Moldau von 11,000 bis aus 400,000 gestiegen, so daß bei einer Einwohnerzahl von 2,000,000 Rumänen in der Moldau auf je 5» Rumänen 1 Jude komme. In Frankreich treffe auf 240 Franzosen, in England aus 728 Engländer und selbst in Oesterreich nur aus 33 Christen ein Jude. Angesichts solcher Verhältnisse müsse jeder Rumäne um seine Rationalität besorgt sein. Er stelle daher den Antrag: die Regierung möge den Juden ferner keine Pachtungen im Lande gestatten. ihnen nicht mehr erlauben, Grundeigenthum zu erwerben, und das Verbot, keine Schenken aus dem flachen Lande zu halten, möge streng durchgesührt werden. Minister Cogalnitscheano erkannte die Gefährlichkeit der massenhaften Judeneinwandernng, ebenso wie den großen Einfluß der Pariser „Alliance Jsraölite", der dem einer Großmacht gleichkomme, an, erklärte aber: die Regierung habe in Folge der freisinnigen Verfassung Rumäniens, bei der unbeschränkten Freiheit der Presse, des Handels und des Verkehrs und des Vereiusrechrs, kein Mittel dagegen in Händen: es sei der Kammer indeß unbenommen, eine parlamentarische Commission zur Prüfung der Judensrage zu wählen, und diese könne ein Gesetz gegen die Juden einbringen. Die Regierung aber könne es nicht wagen, ohne wiederum in Conflict mit andern Mächten zu gerarhen. Georg Bratiauo findet diese Antwort des Ministers ungenügend, denn sie sei nichts als das stereotype „non possumus“ aller bisherigen Regierungen. Die Regierung möge das Project der 33 Moldauer Depurirten aus der Session von 1867—1868 wieder aufnehmen und der Kammer vorlegen. Dieses unmenschliche Project ist mit einer allgemeinen Judenaustreibung ungefähr gleichbedeutend, und hatte deshalb s. Z. mit Recht einen Schrei der Entrüstung in ganz Europa hervorgeruscn. Selbst das Ministerium Joan Bratiauo Golcsco widersetzte sich diesem Ansinnen, und es kann daher nicht wunder nehmen, daß Cogalnitscheano die Wiederaufnahme der berüchtigten Vorlage durch die gegenwärtige Regierung entschieden ablehnte. (Die Expectorationen des würdigen rumänischen Abgeordneten leiden an allen möglichen Ueberrreibungen. Rach der oben gegebenen statistischen Notiz ist nickt der fünfte, sondern erst der siebenundzwanzigfte Mensch in Rumänien ein Jude. Tie Alliance Jsraölite eine Großmacht zu nennen ist ein alberner Witz des Herrn Mi' nisters. Ja, sie ist eine Macht, die aber in nichts 'Anderem besteht als im Rechte, für welches sie eintritt, und de ren Einfluß allein durch die Protection des französischen Ministeriums gegen Verfolgung und Unterdrückung gesichert wird. Wo beide Factoren, das Reckt und der französische Einfluß nichts vermögen, wie z. B. in Rumänien und im anderweitigen europäischen Osten — da vermag auch die Alliance nichts. Indeß blickt ans allem doch die verbissene Wuth hervor gegen die Inden nickt so Vorgehen zu können wie mau möchte.)