Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1870)
- Date
- 1870-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jtf. 1. 34. Jahrgang Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Di. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 4. Januar 1870. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2>/r Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig I Tblr. Inserate werden mit I *JS Ngr. für die Petilzcile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeirmigs-Expeditioncn nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat fich das Königl. Sacks. Haupt-Zeitungs-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Berlin und die jüdisch-theologische Faculrät. I. — Drei Cultusminister. — Die westrussischcn Juden. I. Zeitungsnachrichten: D eutschland: Berlin. Provinz Posen. Karlsruhe. Hechingen, Merchingen. — Oest erreichisch - ungarische Monarchie: Wien, Pest. Pest-Ofen. — Donaufürstenthümer: Bukarest. — Amerika. Washington. — Rußland: Moskau, Von der polnischen Grenze. Korrespondenz: Monatsberichte aus Ungarn. Feuilleton-Beilage: Die Juden in der Belagerung von Neapel- — Vermischtes. Leitende Artikel. Berlin, den 27. December. Berlin und die jüdisch-theologische Facultät. i. Eine Mittheilung aus Berlin in vor. Nummer berichtete bereits, daß ein provisorisches Comite in Berlin den Entwurf zu einem Statute für einen zur Gründung einer jüdisch-theologischen Facultat zu bildenden Verein verfaßt und nebst der Einladung zu einer am 26. December abzuhaltenden constituirenden Generalversammlung versandt habe. Auch wir erhielten eine solche Aufforderung mit noch besonderem dringenden Ersuchen, gedachter Versammlung beizuwohnen. Trotz der Ungunst der Jahreszeit entschlosien wir uns zu der Reise nach Berlin. Galt es doch einer Idee, welche wir vor zweiunddreißig Jahren zuerst aussprachen, und zur Ausführung zu bringen versucht haben. Wie diese damals an Berlin scheiterte, konnte sie ja jetzt durch Berlin gelingen'. Wir schreiben daher dieses aus der Hauptstadt des norddeutschen Bundes, und unsere Leser werden es gern sehen, wenn wir, die Gelegenheit ergreifend, nicht bloß den Verfolg unserer Angelegenheit schildern, sondern zugleich die Eindrücke und Beobachtungen, die sich uns in diesem Mittelpunkte des deutschen Lebens in der Gegenwart aufdraugen. Man wird uns Nachsehen, wenn wir dabei nicht einem bestimmten und im voraus entworfenen Plane folgen, sondern nach den Impulsen, die sich uns darbieten, uns über Charakter und Erscheinungen aussprechen. Sie gehören zu den neuen geschichtlichen Produkten, diese mehrfachen großen Metropolen der civilisirten Welt neben einander. Das Alterthum kannte nur die übrige Welt beherrschende Hauptstädte nach einander, und die eine erlangte ihre überwiegende Größe, nachdem eine frühere untergegangen oder wenigstens von ihrer Höhe herabgesunken. Wie aber die Bildung bedeutender Staaten neben einander ein vorzügliches Moment der neueren weltgeschichtlichen Entwickelung ausmacht, so haben auch in den einzelnen Staaten sich große Mittelpunkte gebildet, in welchen der Herzschlag des staatlichen und nationalen Lebens vor sich geht. Sie bilden gleichsam die großen Wafferreservoire, in welche sich die einzelnen Ströme und Flüsse aus den betreffenden Völkern ergießen, und aus denen sich wiederum die feuchten Nebel erheben, die über das Land hinziehen