Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 87 (21.7.1838)
- Date
- 1838-07-21
- Page
- Seite 354 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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554 Wie möcht' ein Jeder lieben den Bruder in dem Christen, Mit seinem besten Lhun den guten Muth sich fristen. Und mancher Jude stirbt so leicht auf seinem Kiffen, Und hat nicht Ahnung deffen, was er erdulden müssen, Er heget keinen Fluch, er hegt nur GvtteS Segen, Der ihm auch zieht gar mild und wonniglich entgegen. Die Sag' vom ew'gen Juden, die ist nicht wahr zu nennen Für unsre Zeit, für uns, das muß ich frei bekennen, Ein Jeder traget nur sein eigenes Verschulden, Wer in sich Arges hegt, der wird es auch erdulden. Ein Jeder, der da hat geweihet sich dem Bösen, Der findt nicht Ruh' und Rast und göttliches Erlösen, Wer also wandern muß und nicht kann ruhig sterben. Der wird mit Recht den Namen des „ew'gen Juden" .erben. Correspondeuzen, Auszüge, Repliken, Kleine Berichte über Schulwesen. L Legnitz (Schlesien). Die seit kaum zwei Decennien hier sich constituirende israel. Gemeinde zählt gegenwärtig einige vierzig Familien, die mehrentheils aus dem benachbarten Glogau und den Städten der Provinz Posen sich ansässig gemacht. Welche Schwierigkeiten ihnen das Gemeindewesen, die Errichtung und Erhaltung von Instituten für Religion und Cultus verursachte, übergehe ich, da dies eines eignen Berichtes bedürfte; denn anfangs in ihrer Minderzahl, auf sich selbst allein nur beschränkt, wie immer in ähnlichen Verhältnissen der Israelit auf sich allein nur angewiesen ist, vermochten sie nur mit großer Anstrengung alle Kosten zu erschwingen. Daß zu der Zeit nichts Gemeinsames etwa die Bestallung eines Lehrers behufs des Religionsunterrichts zu Stande kommen konnte, leuchtet ein. Die Bemittelten hielten sich Hauslehrer - und die Unbemittelten halfen sich so gut sie konnten, doch mit der Zeit als die Gemeinde sich vergrößerte, ward immer mehr und mehr das Bedürfniß eines Religionslehrers, der auch zugleich zuweilen öffentliche Vorträge in der Synagoge halten sollte, fühlbar, und nur der Widerspruch einiger Individuen, die auS zu vieler Rücksicht der finanziellen Verhältniffe, die gute Sache nicht allein nicht fördern, sondern dieselbe sogar zu verhindern strebten, hielt daS Lanstgewünschte noch einige Zeit sich zu realisiren zurück. Aber her Geist des Bessern wie immer, siegte dennoch. Unter dem Vorstande der 3' chrenwerthen Männer der Herren Raphael PrauSnitzer, Isidor Kronecker und Markus Lewin, kam die Errichtung einer Schule zu Stande, die mit der Hilfe Gottes die Religion unsrer Väter befestigen, und für die Dauer der Jugend einpflanzen wird. Viele Kämpfe hatten sie zu bestehen, da die meisten Knaben sowol als Mädchen bereits die hiesigen christl. Bildungsanstalten besuchten, und deshalb schon beträchtliche Summen verausgabt worden . waren, hierzu kommt noch, daß von Manchem auch der zu erwartende Erfolg einer Rerigionsschule noch in Zweifel gezogen ward. Aber sie hielten standhaft bei dem Vorgenommenen aus, und setzten allen Hindernissen den ruhigen festen Gluchmuth entgegen, und es gelang. Besonders zeichnete sich bei dieser Gelegenheit der erste Vorsteher Hr.R. Prausnitzer dadurch rühmlich auS, (welcher überhaupt bei jeder Angelegenheit, die daS Wohl der Gemeinde, oder das Gcsammtintereffe des Judenthums betrifft, hier vor Allen Andern voranschreitet), daß er einen Fonds als eisernes Kapital festsetzte, wodurch der Schule jährlich eine Summe von 50 Lhlr. zu fließt, damit auch Kinder unbemittelter Eltern an dem Unterrichte Theil nehmen können. Hierdurch, und mittelst der thatigen Bemühung dieser Herren Vorsteher kam die Sacke, die jedoch auch bei Vielen der hiesigen Mitglieder Anklang fand, zu Stande. Es ward also eine Schule behufs de6 Religionsunterrichts, und zugleich auch eine besondere Klaffe für Elementargegenstände errichtet. Es nehmen an der Schule die Töchter sowol als Knaben in besondern Klaffen Lheil, und hat sich diese Anstalt eines fortdauernden Wachöthums zu erfreuen, so zählte sie bei ihrem Beginn 19 und jetzt nach Verlaus von 4 Monaten 28 Schüler. Auch ist das Institut von Seiten der hohen Behörde gebilligt worden und hat sich besonders ein resp. Mitglied der hochlöblichen hiesigen Regierung wohlwollend darüber geäußert. Die Unterrichtsgegenstände sind Religion, Pentateuch, hebr. Sprache, jüdische Liturgie, jüdisch Schreiben, biblische Geschichte und in einigen besondern Stunden Sonnabends und Sonntags Vorbereitung zur Confirmation, woran jedoch nur jetzt die schon der Schule entwachsene Jugend Theil nimmt. In der Elementarschule sind außer den oben erwähnten Lehrobjecten noch: deutsche. Sprache, Geographie,. Rechnen, deutsch Schreiben, Gedächlnißübungen, Verstandesübungen, Lesen und Srilübungen. Daß hier Rücksicht auf Alter und Fähigkeiten der Kinder genommen werden muß, versteht sich von selbst. -Eine öffentliche Prüfung konnte bis jetzt noch nicht abgehalten werden, da die ganze Anstalt erst in ihrem ersten Beginn ist, sobald eine solche erfolgen oder überhaupt sich eine wichtige Veränderung ereignen sollte, werde ich so frei sein, wenn es anders von Ihnen gewünscht wird, solches mitzutheilen. Dr. Sammter. (Fortsetzung folgt). Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Vertagshandlung. Bekanntmachung. Den öfter« Nachfragen derjenigen Eltern zu genügen, welche uns ihre Kinder in halber oder ganzer Pension anvertrauen wollten, beehren wir uns, die zu diesem Zwecke erforderliche, nunmehr getroffene, Einrichtung, hierdurch ergebenst anzuzeigen, mit dem Bemerken, daß Zöglinge mit dem Monat Juli d. I. bei uns cintmcn können. Die sorgfältigste Pflege und Obhut und der ihrer dereinstigen Bestimmung angemessenste Unterricht so« den uns anvertraueten Zöglingen zu Theil werden. Besonders dürste auswärtigen israelitischen Eltern, die ihre Kinder das Gymnasium, die polirechnische oder israelitische Schule Hierselbst besuchen lassen wollen, unser Anerbieten nicht unwillkommen sein. Auswärtige Eltern, die über das Nähere unterrichtet zu sein wünschen, wollen .sich gefälligst in portofreien Briefen an unö wenden. Cassel, am 21. Juni 1838. E. M. Leviseur, , Religionslehrer, S. M. Leviseur, Lehrer an der israelitischen Schule Hierselbst. Redactcur: Or. L. PHMppsoir. — Verlag von BaumgävtnerS Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirschfeld (Hierzu daS literar. und Homilet. Beiblatt No. 20.)