Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 50 (8.12.1863)
- Date
- 1863-12-08
- Page
- Seite 771 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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771 Jena als Privatdocent zu habilitiren, erlangt habe. Jetzt liegt uns seine Dissertation zur Erlangung der venia docendi vor. Caro, der sich bereits durch eine Geschichte Polens einen Namen erworben, wählte seinen Gegenstand aus demselben Bereiche, nämlich eine Charakterisirung des großen polnischen Geschichtschreibers Johannes Longinus (Dlugosz), der 1480 verstarb. Wir können diese Dissertation nicht blos als eine schöne kritische Monographie empfehlen, sondern auch als ein Muster, wie die gesunden und höheren Grundsätze der Geschichtschreibung als Maßstab an einen bestimmten vorliegenden Gegenstand sich anlegen lassen. Unparteilichkeit und kritischer Scharfsinn begleiten den Verfasser durch seine Untersuchung. — Nicht so glücklich war, wie ebenfalls in diesem Blatte berichtet worden, vr. H. Jolowicz in seiner Bemühung, eine Privatdocentur für die „Wissenschaft des Judenthums" in Königsberg zu erlangen. Als eine von diesem steißigen Polyhistor jüngst herausgegebene verdienstvolle Arbeit führen wir an: ,,A Standard selection from the modern English poets. Chiefly living. Dresden, 1863." Die Sammlung befaßt 320 Gedichte, unter passende Rubriken gebracht, und da sich die Liebe zur englischen Sprache und Literatur in Deutschland immer mehr verbreitet, so ist uns eine solche Sammlung, von einem Glaubensgenossen veranstaltet, für die jüdische Jugend um so willkommener, als bekanntlich in der englischen Literatur der Pietismus eine große Rolle spielt und der Verfasser selbstverständlich bei seiner Auswahl hierauf eine angemessene Rücksicht nahm. — Wir schließen an diese Notizen die Anzeige der soeben begonnenen zweiten Gesammtausgabe von „Berthold Auerbach's Schriften", welche die Cotta'sche Buchhandlung in 22 Banden erscheinen läßt; alle vierzehn Tage wird l Bd. herausgegeben, so daß binnen Jahresfrist das Ganze vollendet sein wird. Berthold Auerbach hat, abgesehen von seinen literarischen Berviensten, aus allgemeinem Gesichtspunkte für uns noch das besondere Moment, daß er, ganz und gar aus dem jüdischen Leben hervorgegangen, sich doch so tief in das echte deutsche Volksleben versenkt zeigt, daß die innige Verschmelzung des deutschen Juden mit deutscher Gefühlswelt und deutschem Charakter unzweifelhaft an ihm dargethan worden. Wir werden diesen Anschauungspunkt in Bälde näher auszuführen Gelegenheit nehmen, sobald eine der größeren Rubriken, in welchen diese Gesammtausgabe erscheint, vollendet vor unS liegen wird. Es werden nämlich nach 8 Theilen der Dorfgeschichten und einem Bande Brrfüß'le die beiden Auerbach'schen Schriften auf jüdischem Gebiete: „Spinoza" und „Dichter und Kaufmann" in vier Theilen erscheinen, an welche sich dann die übrigen Schriften dieses Autors reihen. — Bonn, 18. November. Im Guardian finden wir die Mittheilung, daß in England die Herausgabe einer autorisirten Auslegung der Bibel bevorsteht. Der Plan zu derselben ist in dem Kopfe des Sprechers des Unterhauses entstanden, welcher mehrere Bischöfe über die Sache zu Rathe gezogen hat und auf dessen Anregung der Erzbischof von Nork es unternahm, die Grundlage zu einem Commentar auszuarbeiten, „welcher den Leser in Besitz aller zum Verständnisse des Wortes Gottes nöthigen Erklärungen setzen und ihm gegen Einwürfe, die auf Mißdeutungen der Bibel beruhen, genügende Antworten an die Hand geben solle." Der PrimaS Erzbischof von Canterbury hat dem Plane seine Sanction gegeben. Einem Ausschuß, an dessen Spitze der Erzbischof von Jork steht, ist die Oberleitung des Werkes anvertraut; Hauptherausgeber ist der Rev. F. C. Cook. Das Ganze ist in acht Abschnitte eingetheilt, den Pentateuch wird Professor Harold Browne herausgeben, die geschichtlichen Bücher Rev. G. Rawlinson, die Bücher der Richter der Rev. F. C. Cook, die vier großen Propheten *) Dr. M'- Caul, die zwölf kleinen Propheten der Bischof von St. David und der Rev. R. Gandell ff. Jeder Specialherausgeber hat noch drei oder vier mitwirkende Gelehrte zur Seite. Der Guardian sagt dazu: „Es scheint uns hier wirklich ein Werk versprochen zu sein, welches kaum der Septuaginta oder der auf Geheiß König Jakob's angeferttgten englischen Uebersetzung der heiligen Schrift an Bedeutung nachstehen dürfte. Vielleicht wird es später als die Triginta citirt werden. Die Namen der Herausgeber und der Mitarbeiter verheißen uns, indem sie zugleich Burgen der Orthodoxie sind, einen Commentar, der, fast von der gesammten Kirche von England sanctionirt, nicht die Meinungsäußerung einer engen Schule oder Abzweigung dieser Kirche repräsentiren wird." — (Daß solche bestellte Arbeit meist ohne die erwarteten *) Bier Propheten, indem man Daniel dazu rechnet, der nach dem Kanon und dem Talmud (Raba baihra 15. 1.) nicht zu den Propheten sondern unter die Hagiographen gehört. Daß dies für die dogmatische Bedeutung von Wichtigkeit ist, wird z. B. von Maimonides LI. Neb. II, 45. erörtert. Die Redactiou.