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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1863-12-01 · Heft 49 (1.12.1863) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
27 (1863)
Issue
Heft 49 (1.12.1863)
Date
1863-12-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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sucht der Referent vergebens 6s", ignoriren meinen „Takt 3" ganz und lassen mich im zweiten Takt im G-dur Accord fis suchen. — Mein Brouillon zeigt mir, daß ich Seite 46, Zeile 2, Takt 4 geschrieben habe, und da suche ich sowohl in der Orgelbegleitung wie in den Singstimmen fis vergebens. Es beweist ferner sehr wenig Wahrheitsgefühl, wenn Sie mir die Behauptung unterschieben, „Ihre Compositionen waren derart, daß selbe mit andern Texten zu den profansten Gesängen sich eignen würden", während ich schrieb: „von profanen Gesängen gar nicht zu unterscheiden wären." Was Ihre falsche Accentuation betrifft, deren Schuld Sulzer's Schir Zion tragen soll, so finde ich es durchaus nicht gerechtfertigt, selbst einem Sulzer Fehler nachzuschreiben. Nun finde ich aber in dem „liturgischen Gesangbuche" von Sulzer (sein größeres Werk habe ich nicht bei der Hand), auch nicht einen der Accentuationsfehler, die Sie sich haben zu schulden kommen lassen. Wenn Sie zu alledem noch behaupten, es wäre in Bezug auf Accentuation noch keine Norm festgestellt und jede hierauf bezügliche Kritik müßte mindestens als verfrüht bezeichnet werden, so kann ich nur bedauern, daß Ihnen die von jeder guten hebräischen Grammatik aufgestellten Regeln der Betonung so sehr unbekannt sind. Die Schüler meiner ersten hebräischen Knabenklasse sind sehr wohl im Stande Ihnen zu sagen, warum boelim und nicht boelim, melech und nicht melech u. s. w. gesprochen wird. Schließlich wiederhole ich es: nur um Ihnen und der guten Sache zu nützen, habe ich auf die in Ihrem Werke enthaltenen Fehler aufmerksam gemacht, und nur aus diesem Grunde stelle ich noch einige der auffallendsten hierher. Seite 8, Zeile 2, Takt 8 findet sich ein Ouerstand im Tenor, des und gleich darauf im Baß 6, was gerade nicht sehr lieblich klingt. Seite 9, Zeile 2, vorletzter Takt a-g im Sopran, d c im Baß, das sind Quintenfortschreituugen der auffallendsten Art, da sie in den Außenstimmen liegen. Seite 10, Zeile 2, Takt 10 und 11 geben Sie erst den Sopran, daun dem Tenor und Baß einen recht hübschen Waldhorngang, der mich lebhaft an den Schluß von „Lützow's wilder verwegner Jagd erinnert" und in geistlichen Gesängen nie Vorkommen darf, wenn sie nicht einen sehr profanen, ja den profansten Charakter annehmen sollen. Ebenso vermeidet man gern chromatische Gange, wie Sie solche auf Seite 17, Zeile 1, Choro, Takt 3 und 4 anwenden, die in Terzen fortschreitend, erstens schwer zu singen und dann durchaus nicht geistlichen Charakters sind. Seite 14, Zeile 2, Takt 5 befindet sich im Solo- Tenor die Note f. Sie muß, wie bekannt, unter allen Umständen bei der Auslösung eine Stufe tiefer schreiten; Sie lassen dieselbe nach a gehen. Seite 18, Zeile 2, Takt 1 zu 2 hat der Sopran üs-cis, der Baß aber 6s-s (2 Achtel) cis. Das eingeschobene a hindert die schlechte Wirkung der Octcven in den Außenstimmen durchaus nicht. Wenn Sie auf Seite 19, Zeile I, Takt 9 und 10 im Sopran wieder einen Waldhorngang schreiben, so scheint mir dies eine besondere Vorliebe für dieses Instrument zu bekunden; ich muß Sie aber auf das verweisen, was ich über einen ähnlichen Gang schon gesagt. Ich kann den mir zugemessenen Raum nicht noch durch weitere Aufzahlung der Fehler Ihres Werkes mißbrauchen, breche also hier ab und spreche schließlich im Vertrauen auf Ihre Strebsamkeit den Wunsch aus, in Ihrer nächsten Arbeit den etwa gerügten Fehlern nicht mehr zu begegnen. Berlin, den 19. November 1863. Emil Vreslaur, Schüler der Professoren Julins Stern und Flodoard Geher und Lehrer an vr. Landsbergers Religionsschule. Druck von I. B. Hirschfrld in Leipzig.

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