Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1863)
- Date
- 1863-11-10
- Page
- Seite 706 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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706 1808 trat derselbe ins Gymnasium (Kathedralschule zu Kopenhagen), wo er mit vielem Fleiße studirte, und trat 1814 mit sehr guten Zeugnissen, nach abgelegter Maturitätsprüfung (examen artium), aus und ging zur Universität über. Er studirte Philosophie, Philologie, orientalische Sprachen und hörte theologische Vorlesungen. Zugleich aber widmete er sich unter Anleitung eines sehr besähigten Lehrers dem Studium des Talmuds und der jüdischen Wissenschaften überhaupt. Im Jahre 1814 wurden die Juden in Dänemark emancipirt. Die Regierung daselbst wollte nicht blos die äußere Stellung der Juden verbessern sondern diese auch durch Bildung nach innen heben. Insbesondere wendete die Regierung dem Religionsunterrichte große Aufmerksamkeit zu, welcher zu jener Zeit, da wie anderswo. sehr verwahrlost war. Auf Mannheimer, der die Aufmerksamkeit der Gemeinde trotz seiner Jugend auf sich gezogen hatte, richtete man den Blick. Im Jahre 1816 erfolgte seine Anstellung als Katechet. Im Mai 1817 wurde die erste Confirmation gehalten, welche von erhebendster Wirkung war. Der Erfolg dieser Feierlichkeit war ein glänzender Der Gemeindevorsiand wollte diesen mächtigen Eindruck für weitere Fortschritte benutzen, und so wurde bald hernach ein Gottesdienst unter dem Namen „Erbauungsstunden" oder „Andachtsübungen" eingeführt, die am Mittwoch abgehalten wurden. Nachdem man sich über die Beobachtung des Sabbaths hinausgesetzt hatte und denselben nicht feierte, hielt man — um dem Sonntage aus dem Wege zu gehen — an Mittwochen einen feierlichen Gottesdienst ab und Mannheimer fungirte als Prediger. Er glaubte in solcher Weife zu retten, was noch zu retten möglich war. Gar bald erkannte man, wie groß der Jrrthum war und daß Reform und Stabilität nicht in Nebenrücksichtea sondern in sich selbst ihre Begründung haben müssen. Die Confirmation wurde seitdem halbjährig oder jährlich mit Predigt und Gesang in ursprünglicher Form und Weise abgehalten und besteht noch heutigen Tages Die Andachtsübungen aber dauerten blos bis zum Jahre 1821, wo sie eingetretener Spaltungen halber aufgeho ben wurden. In diesem Jahre machte Mannheimer eine Reise nach Deutschland und kam nach Berlin, wo D. I. Ries und andere Männer die neueren Bestrebungen sehr för derten. Mannheimer wurde ausgesordert zu predigen. und der Mann, dem die deutsche Sprache nicht Muttersprache war, entzückte die Stadt der Intelligenz, den Sitz der deutschen Wissenschaft. Von Berlin ging er nach Wien. Da befanden sich die Israeliten (eine Gemeinde bildeten sie nicht) in religiöser und cultueller Beziehung in großer Aufregung. Die Ankunft Mannheimer's in Wien, welcher während seines Aufenthaltes in Berlin aufgefordert wurde, dahin zu gehen, war sowohl der Regierung wie der fortschreitenden Partei erwünscht. Mannheimer predigte an drei Sabbathen im Laufe des Monates Juli 1821 in dem alten Dampfingerhofe und in vollem Sinne des Wortes enthusiasmirte er seine Zuhörer. Mannheimer war während seiner Anwesenheit rastlos thätig. Er hatte einen brachliegenden Boden urbar zu machen oder eigentlich nach dem Worte des Dichters „Wasser zu ballen in der Faust!" Die wiener Tolerirteu, welche nach außen hin kein geschlossenes Ganze repräsentirten, waren nach innen mannigfach zerklüftet und zerspalten. Sie hatten ihre Heimath in allen österreichischen Provinzen und in „Deutschland", und jeder hatte seine eigenen Traditionen auf religiösem Gebiete aus der Jugend, die er nun geltend machen wollte. Da galt es, die schöpferische Kraft zu bewähren. Und Mannheimer hat sie bewährt. Er schuf mit Beihilfe der damaligen Vorsteher und Vertreter eine Gemeinde. Er arbeitete das Programm und das Rituale für den Gottesdienst aus und zwar auf der breiten Grundlage der Tradition, um in solcher Weise den Vorschriften des „Schulchan Aruch" zu genügen und das religiöse Bedürfniß zu befriedigen, damit kein Riß in die Gemeinde komme, und Lberbrückte in solcher Weise die Kluft, welche die beiden Parteien trennte. Er verfaßte für die Gemeinde die uöthigen Eingaben an die Behörden. Er conserirte persönlich mit dem damaligen obersten Kanzler, Grafen Saurau, der eine besondere Theilnahme für Mannheimer's Bestrebungen hatte, die er auch später bewährte, als die Regelung des Gottesdienstes zur Ausführung kam. Die Regierung zeigte sich auch durch Mannheimer's Wirksamkeit den Wünschen der Israeliten rücksichtlich ihrer politischen Stellung geneigt. Nach Ablauf des Urlaubes trat er seine amtliche Stellung im December 1821 in seiner Vaterstadt wieder an. Da suchte er die Gemeinde zum Bau einer Synagoge anzueifern, (seitdem die Synagoge im Jahre 1795 abgebrannt war, bestanden 13 Minjanim oder Privat-