Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1863)
- Date
- 1863-11-03
- Page
- Seite 696 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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696 Wir haben soeben gesagt, daß die 'meisten unserer Bildhauer nur graciöse Werke liefern; diese Bemerkung kann auch in diesem Jahre gemacht werden. In dem ganzen Saale ist nur eine Sculpturarbeit, im wahren Sinne des Wortes, der Simson von Hrn. L. Wiener. Auch das Publikum, welches an die wellenförmige und durch ihre fortwährende Wiederholung etwas ermüdende Linie der Nymphen, Najaden und anderer marmorner Nackte heilen gewöhnt ist, fand sich unversehens vor dem Werke des Herrn Wiener und hat sich, nachdem es die Arbeit geprüft hat, überzeugt, daß man in Belgien nicht Unrecht lhun würde, wenn man unsere Bildhauer aus den Weg der monumentalen Bildsäulen dränge, um sie von dem gemachten und übertriebenen Naturalismus zu befreien, in welchem der falsche Geschmack sie erhält. Der Simsen des Herrn Wiener ist eine einfache und große Statue. Ter mächtige Herkules der Hebräer ist im Begrisi, die Stricke, welche seine Hände sesieln, zu zerreißen. Alle seine Kräfte conrentriren sich in einer sehr leichten und majestätischen Bewegung, nach einem einzigen Punkte hin; man fühlt die Anstrengung aller seiner Muskeln, man glaubt sie alle nach dem Hindernisie stch wenden zu sehen, welches er zerbrechen will, und unwillkürlich macht man beinahe die Bewegung des Kolcsies mit. Diese innere Verbindung des Gedankens des Beschauers mit der Bewegung der Statue ist, nach unserm Gefühle, der größte Erfolg, welchen ein Künstler erreichen kann, und wir wünschen Herrn Wiener Glück dazu. Der Körper des Simsen ist mit Sorgfalt geformt und gefühlt, der Ausdruck ist richtig, vollkommen richtig, das Ganze bildet eine reine und große Linie. Als Kritiker muffen wir sagen, daß ein weniger olympischer Kopf bester aus den Schultern eines Richters von Juda gepaßt haben würde. Bonn,!5. October. Auch zur Jubelfeier der Schlacht bei Leipzig haben zwei Israeliten feiernde Lieder erscheinen lassen, nämlich vr. Samuel Klein in Goldberg: Zur Jubelfeier der großen Völkerschlacht bei Leipzig. Goldberg 1563; und L. H. Sommer in Verden: Deutschlands Schmach und Deutschlands Sieg. Verden 1863. Das erstere besteht aus sieben Gesängen, das letztere aus zweien. Beide sind dem wärmsten Patriotismus entfloffen, und wenn das erstere an schwungreicher Sprache voransteht, so gewinnt das letztere durch concretere Gestalt. Mögen unter uns die Männer des Wortes ebenso wie die der That fortsahren und erweisen, daß in dem Bewußtsein des Juden der deutsche Nationalsinn mit der Glaubenstreue in ernster Harmonie steht, daß beide stch gegenseitig tragen und kräftigen! — „Lug und Trug unter den Germanen. Bon den ältesten Zeiten bis zum Erlöschen der Herrschaft der Karolinger. Von Dr. Leonhard Freund. Berlin 1863." Unter diesem etwas sonderbaren und leicht mißverständlichen Titel will der gelehrte Verfaffer eine ausführliche Darstellung über die Rechtsbehandlnng des Betruges unter den Deutschen heransgeben, und das vorliegende Heft bringt die Einleitung des Werkes. Wir führen es an diesem Orte an, weil es uns freut, einen mit außerordentlicher Belesenheit gerüsteten, mit philosophischer Bil-! düng und bedeutendem kritischen Talente versehenen jun-! gen Glaubensgencffen aus diesem ernst wissenschaftlichen! Gebiete stch ein Verdienst erwerben zu sehen, das nothwendigerweise auch zur Anerkennung kommen wird. — Bonn, 16. October. “isris, ein vollständig kurzgesaßtes, talmudisch-aramäisch-chalcäisches Handwörterbuch zum Verständniß des Talmud und der Midraschim, nach den besten ältesten und neuesten Hilfsquellen bearbeitet von M. E. Stern. Wien 1863." Dieses 64 Seiten fassende Merkchen ist nicht, was den Fleiß und die Mühewaltung zu seiner Abfassung betrifft, nach seinem Umfange zu beurtheilen, sondern wird zum Nachschlagen für viele eine sehr willkommene Gabe sein. Freilich kann und soll es auf tiefe Sprachforschung sowie auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen, aber für das augenblickliche Bedürfniß oft genügen. Für eine zweite Auslage würden wir dem unermüdlichen Verfasser Vorschlägen, da sein Buch doch zumeist für studirende Schüler bestimmt ist, die Wörter mit Vocalen zu versehen, um den in Talmudschnlen nicht gebildeten Schülern die richtige Aussprache zu erleichtern. — „Jahrbuch für Israeliten auf das Jahr 5624—1864 (Fortsetzung des K. Klein'schen Jahrbuches). Von I. K. Büchner. 21. Jahrgang. Leipzig 1863." Wir können es nur dankbar anerkennen, daß Herr I. K. Büchner sich der Mühewaltung unterzog, das Klern'sche Jahrbuch, welches sich in Deutschland soweite Verbreitung verschafft hat, fortzusetzen, und halten uns überzeugt, daß derselbe bei seiiiem guten Tacte und vielen wissenschaftlichen Freunden es zu immer werthvollerem Inhalte bringen werde. Der vorliegende Jahrgang erfteut sich der Mannigfaltigkeit der darin ausgenommenen Aufsätze und Gedichte, von Venen einige mit schöner hebräischer Uebersetzung begleitet sind. Sicherlich wirb kein Leser es unbeftiedigt auS §