Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1863)
- Date
- 1863-10-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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27. Jahrgang JW 44. Allgemeine Zeitung -es Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 27. October 1863. Diese Zcuung erschein! «öchrnriich einmal. Dienstag», in 1 V* bi» 2 Bogen. Preis de» Jahrgang» 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Rgr. Vierteljährig 22fr Ngr. Inserate werden mir 1fr Ngr. für die Pctirzeile oder deren Raum dcrccdnel. Bcilagcgcdührcn betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für */» Bogen 3 Thlr.. für */« Bogen 2 Tblr. Alle Buchbanblungen. Postämter und Zeitung». Erxetilionen nehmen Bestellungen an; der Hauxtexpe« ditiou für beide Letztere har sich da» König!. Sachs. Haupt» Zeitung»»Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judcnlhum des 19. Jahrhunderts und das Christenthum. (Forlsetzung.) — Die wlcderausgelcbre Kvlnidre-Frage. — Oeffenrliche Aufforderung. — Die Verhandlungen über die Zulassung von Juden;um Notariat im österreichischen Herrcnhause am 14. October. — Spenden-Liste für die Ricßer - Stistung. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Würzburg, Frankfurt a/M., Aus Würremberg. Preußen: Berlin. O e st errcichischer Kaiscrstaat: Wien, Wien. Donaufürstenthumer: Bukarest. Leitende Artikel. Bonn, 16. October. Das Iudertthmn des 19. Jahrhunderts und das Lhriflcnthum. 13. Wunderglaube. Cngelglaube. Aberglaube. (Fortsetzung.) Sowohl im Alten als im Neuen Testamente wird von Wundern berichtet, das heißt von außergewöhnlichen, theils dem Gange der Natur widersprechenden theils diesem zwar gemäßen, aber den Zeitumständen und Zwecken nach nur aus einem besondern und unmittelbaren Eingreifen Gottes herzuleitenden Ereignissen. Es ist hier nicht der Ort, zu untersuchen, welche Stelle der Glaube an diese Wunder in dem ganzen und eigentlichen Bekenntniß der jüdischen und christlichen Religion einnimmt. In beiden finden wir die verschiedenartigste Auffassung, von der Meinung einiger Talmudisten an, welche diese Wunder in der letzten Stunde des sechsten Schöpsnngstages im voraus von Gott dem Gange der Natur eingeordnet und geschaffen glauben*), bis zu den Rationalisten, welche die Wunder als ganz naturgemäße Erscheinungen, die nur von den Verfassern der Schrift als Wunder aufgefaßt wurden, z. B. den Durchgang durch das Rothe Meer als eine Ebbe betrachten, oder den Kritikern, welche diese Berichte als Erzählungsweise (inodus narrandi) aus kindlicher Urzeit ansehen. Ebenso wenig haben wir hier aus das mittelalterliche Iudenthum und die chassidischen Secten, die den Wunderglauben bis ins Aberwitzigste ausgearbeiiet haben, wie auf die gleichen Zustände in den verschiedenen christlichen Kirchen und Volksschichten bis auf unsere Tage zu blicken; sondern uns ist eö nur darum zu thun, die Urquellen beider Religionen, das Alte und Neue Testament selbst in Betracht zu ziehen, sie nach dieser Richtung hin zu vergleichen und die Folgerungen festzufiellen, welche daraus als dauernd und bestimmend hervorgehen. Das eigentliche Gebiet der Wunder in der h. Schrift Israels beginnt mit der Befreiung Israels aus Aegypten und schließt mit der Niederlassung dieses Volkes in Canaan. Schon hieraus ergiebt sich ihr Charakter und *) Vgl. kirke Ahoth V, 9.