Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1863)
- Date
- 1863-10-20
- Page
- Seite 663 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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663 Zeitgenosse Mosis, von Prof. Lauth"; „Localität der Kriege Davids, von Prof. Stähelin"; „Die hebräische Grammatik bei den Samaritanern" und „Syrisches", von Di-. Geiger. Was die erste Abhandlung betrifft, so übersetzt und erklärt sie die Inschriften auf einer großen Sitzfigur in der Glyptothek zu München. Ob aber der von der Figur vorgestellte „erste Prophet des Ammon und Oberbaumeister" Boken-chons wirklich ein Zeitgenosse Mosis war, erweisen die Combinationen des Verfassers noch nicht bis zur Evidenz. Interessant ist der Nachweis, daß in der Zeit Mosis bei den Egyptern 110 Jahre für ein Alter galten, das mit der Gunst der Götter leicht zu erreichen und wünschenswerth sei. Hierdurch werden die Lebensalter Iakob's, Joseph's und Mosis als keine ungewöhnlichen erwiesen, und die Stelle 1 Mos. 47, 9. verliert ihr Auffallendes. Auf die anderen erwähnten Abhandlungen kommen wir noch zurück. Zeitungsnachrichten. Preußen. Frankfurt a/O., 25. September. (Privatmitth.) Aus Anlaß des in diesem Monat in hiesiger Gegend stattgehabten Corps-Mannövers war Se. Excellenz der General-Lieutenant und Divisions-Commandeur Herr v. Tümpling Hierselbst von zwei verschiedenen Seiten — nämlich vom Rabbiner der hiesigen Gemeinde und noch einem ehrenwerthen Mitgliede derselben (Hr. Banquier I. M. Mende) — schriftlich ersucht worden, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß am 14., 15. und 23. September — als an den Tagen, auf welche die israel. Hochfeste Neujahr und Versöhnungstag fielen — nicht blos die hier in Garnison liegenden, sondern sämmtliche zu dem mannövrirenden Armeecorps gehörende Soldaten jüdischen Glaubens vom Dienste völlig dispensirt würden. Erst am 13. spat abends erhielten die beiden genannten Petenten jeder ein besonderes Antwortschreiben, in der höflichsten Sprache abgefaßt und dahin lautend, daß man es sehr bedaure, in Betreff des 14. und 15. Septembers auf den vorgetragenen Wunsch um so weniger eingehen zu können, als gerade an diesen beiden Tagen Se. Maj. der König Allerhöchstselbst zur Jnspection des ganzen (dritten) Armeecorps inmitten desselben erscheinen werde. Was dagegen den 23. September anlange, so würden — falls nicht große dienstliche Hindernisse, wie Truppenmärsche rc., in den Weg träten — die jüdischen Soldaten ihres hohen Feiertags wegen ganz gewiß berücksichtigt werden. — Die durch diesen letztern Passus noch immer nicht beseitigte Be- 'orgniß, wie es mit den jüdischen Wehrmännern am Jom Kippur stehen würde, ward uns indeß ganz benommen, als wir schon einige Tage vor dem heiligen Feste erfuhren, es hätte der Chef des III. Armee- Corps, Se. König!. Hoheit der Prinz Friedrich Carl, die Ordre ertheill, daß jeder zu dem genannten Corps gehörende Soldat jüdischen Glaubens, wo er immer am 22. September sich befinden möge, vom Mittag dieses Tages an, wenn er es verlangte, einen anderthalbtägigen Urlaub erhalten sollte. Es verficht sich nun von selbst, daß alle hierbei Jnteressirten (es sollen im Ganzen über 300 gewesen sein) von der ihnen bewilligten Gunst denn auch Gebrauch machten. Wir bemerken nur noch, daß in einem der obenerwähnten Antwortschreiben des hiesigen Divisions-Commandeurs am Schluffe noch ausdrücklich gesagt war, wie die qu. Milttärbehörde gern bereit sei, soweit es in ihren Kräften stche, den jüdischen Soldaten auch noch andere Berücksichttgungen zu gewähren, sobald sie vom Petenten oder einem andern aus der Gemeinde auf die betreffenden Punkte rechtzeitig aufmerksam gemacht würde. Daß, nach nunmehr beendigtem Mannöver, an den uns noch bevorstehenden Feiertagen (welche auf den 28. und 29. September, wie aus den 5. und 6. October fallen) die jüdischen Soldaten hiesiger Garnison von jeglichem Dienste befreit sein werden, liegt außer allem Zweifel. — Ein unlängst in Neustettin stattgehabtes Turnfest wird vom Rundschauer der Kreuzzeitung als ein „vorzugsweise jüdisches" bezeichnet, weil — wie er bestimmt wissen will— fast nur die jüdische Einwohnerschaft des Ortes ihre Häuser decorirt, die Turnerschaft, sowie der Festzug überhaupt, zum größten Theil nur aus Juden bestanden, und weil man endlich — nun kommt die Hauptsache — das Fest wiederum nur benutzt hatte, fortschrittliche Propaganda zu machen und durch unter die Leute vertheilte, nur Lügen enthaltende Flugblätter zur Opposition gegen die Regierung aufzusordern. Was den „Colonisattonsverein für Palästina" anlangt, so ist der Sitz des Central-Comites nun-