Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1863)
- Date
- 1863-10-20
- Page
- Seite 662 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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66L kürzeste Angabe des Inhalts darbietet, so daß wir unsererseits nur die Versicherung hinzuzufügen haben, daß das Buch durchweg seinem Zwecke entspricht und mit Fleiß und Sachkenntniß gearbeitet ist. Wer mit seinen Schülern dieses Buch, sowohl was die grammatikalischen Regeln als die Uebungsaufgaben und Analysen betrifft, durcharbeitet, kann des dauernden Erfolges sicher sein. — Jahrbuch für Israeliten 5624, herausgegeben von Joseph Wertheimer und Dr. Leopold Kompert. Wien, 1864. Das an Umfang verminderte Jahrbuch enthält wieder mannigfaltige Beitrage, von denen einigen ein mehr dauerhafter Werth zugesprochen werden kann, andere stüchtige Kinder des Augenblicks sind, Bruchstücke von verschiedenartiger Bedeutung. Der Rückblick auf das verflossene Jahr vou Wertheimer ist wieder eine fleißige Zusammenstellung der einzelnen Vorkommnisse, sowie die Novelle des andern Herausgebers, in dessen bekannter Manier abgefaßt, sehr anziehend ist, aber des Gemachten nicht ganz ermangelt. Eine willkommene Zugabe ist die Photographie Mannheimer's, der in einigen Wochen seinen siebenzigsten Geburtstag feiert. — Einweihungsrede, gehalten bei der Neuweihefeier der Meiselsynagoge zu Prag am 4. August 1863, von vr. Leopold Stein. Prag, 1863. Der Rede ist eine geschichtliche Skizze über die Meiselsynagoge und ihren Stifter voravgeschickt. Die Rede selbst ist ebenso geistwie gemüthvoll und behandelt den Gedanken: „Wir bauen in einer ganz neuen Zeit auf dem uralten Grunde". — Discours sur la F&te Pascale, prononc6 par M. Dr. Cahen, grand-rabbin a Marseille. Metz, 1863. Wir constatiren mit Befriedigung, daß die jüdische Kanzelberedl samkeit in Frankreich in der jüngsten Zeit bedeutende Fortschritte macht und danach ringt, ihrer altern Schwester in Deutschland näher zu kommen. Bei der großen Stagnation des ftanzösischeu Judenthums ist dies ein höchst erfteuliches Zeichen; denn das Bedürfniß nach be< lehrender und erbauender Predigt im Gottesdienste ist immer ein Zeichen des Erwachens und Vorläufer eines regeren Strebens. Herr Cahen in Marseille ist einer der würdigsten Vertreter dieser anstrebenden ftanzösischen Kanzelberedsamkeit, und fügen wir die Anzeige dieser gehaltvollen Rede gern unsern ftüheren Mittheilungen über mehrere vou ihm veröffentlichte Predigten hinzu. Bonn, 25. September. Wir wollen hier nicht unterlassen, unsere Leser auf die „Gesammelten Schriften Moses Mendelssohn's" aufmerksam zu machen, die 1843 im Verlage von F. A. Brockhaus erschienen und jetzt als neue Ausgabe zu ermäßigtem Preise dargeboten werden. Sie zeichnet sich vor allen früheren Ausgaben durch möglichste Vollständigkeit und Correctheit aus, ist mit einem schönen Bildniß nebst Facsimile Mendelssohn's versehen und wohl ausgestattet. Der eigentliche Herausgeber ist der Enkel M.'s, Professor Dr. G. B. Mendelssohn, der Gelegenheit hatte, die Handschriften zu benutzen und der Ausgabe eine Biographie seines Großvaters voranschickte. Außerdem ist eine Abhandlung von C. A. Brandis „zur Einleitung von Moses Mendelssohn's philosophischen Schriften" eine willkommene Beigabe. Die Verlagshandlung bietet jetzt die acht Theile dieser Ausgabe den Theil zu 20 Sgr., das Ganze also zu 5 Thlr. 10 Sgr. an, und möge daher kein Freund der M.'schen Werke verabsäumen, sich auf diese Weise die Gesammtfchristen unseres geistigen Helden zu verschaffen. Wenn auch vieles in denselben für unsere Zeit nur noch von literär-historischem Werthe ist, so behält doch anderes seinen dauernde» Werth für immer. Aus zwei Gesichtspunkten aber möchten wir den jetzigen Juden, insbesondere aber den Theologen und Autoren unter den Juden das ernste Studium der M.'schen Schriften empfehlen. Erstens der Form wegen; denn wenn auch manche Ausdrucksweise, der Gebrauch dieses und jenes Wortes, dieser und jener Wendung jetzt etwas veraltet ist, so kann doch sein correcter Stil, die Feinheit und Lebhaftigkeit seiner Sprache, das Durchdachte und Geordnete seiner Darstellung noch heute zum Muster dienen und den jüdischen Gelehrten eine Warnung sein, sich nicht jener stilistischen Nachlässigkeit hinzugeben, in der so viele von ihnen theils aus wirklichem Mangel an Tact und tieferer Sprachkenutniß theils aus Nonchalance vor dem Publikum zu erscheinen sich nicht scheuen. Zweitens des Charakters wegen. Mendelssohn ist immer liebenswürdig, immer ruhig, und doch voll tiefen Gefühles. Auch wo er polemisiren muß, wo er kritisirt und tadelt, überläßt er sich nicht der Heftigkeit, strebt das Maß eiuzuhalten, sucht zu belehren, nicht aber zu vernichten. Welch' ein Vorbild für unsere Jetztzeit, in welcher so viele wähnen groß zu sein, wenn sie recht grob sind, und Bedeutendes geleistet zu habe», wenn sie andere heruntergezogen und in übertriebenster Weise erniedrigt haben! — In dem neuesten Hefte der „Deutschen morgenländischen Gesellschaft" (Band 17, Heft 3. 4) sind mehrere Abhandlungen enthalten, die uns hier interessiren. „Der Hohepriester und Oberbaumeister Boken-chons, ein