Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1863)
- Date
- 1863-10-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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27. Jahrgang JW 43. Allgemeine Zeitung -es Zu-enthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner ör. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 20. October 1863. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstag«, in l1/» bi« 2 Bogen. Prei» Iti Jahrgang» 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 1b Rgr. Vierteljährig 22>/r Rgr. Inserate werden mit l'/r Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum bereibnet. Beilagegcbübren betragen für 1 Bogen 4 Thlr., für ljz Bogen 3 Thlr., für V-i Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung».Ervedilionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpe» dition für beide Letztere bat sich da» König!. Sachs. Haupt.Zeitung» > Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Kurland contra Juden. — Spenden-Listc für die Rießcr - Stiftung. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Preußen: Frankfurt a O., Frankfurt a/O., Aus dem Poscnschcn, Gcllub, Bochum, Berlin, Berlin, Bergen. Oesterreichs scher Kaiserstaat: Wien, Lemberg, Arad, Lemberg. Italien: Aus Oberitalien. Schweiz: Bern, Endingen. Niederlande: AuS den Niederlanden. Nordamerika: New-Iork. Leitende Artikel. Lurland contra Juden. Von der russischen Grenze, Anfang October. In manchen Kreisen in Kurland ist es fraglich geworden, wie der Inhalt der städtischen Gutachten über die angeregte Juden-Emancipation hat bekannt werden können, namentlich der judenfeindlichen, da die günstigen einer strengen Discretion zu unterziehen jene Städte nicht für nothwendig erachten konnten; sie ziehen aber nicht die Thatsache in Betracht, daß er theils von vielen Gliedern der großen und kleinen Gilde, theils von den Stadtältesten, die bekanntlich aus Handwerkern, wie Schuster, Schneider u. s. w. zusammengesetzt sind, discutirt und unter ihrer Aegide producirt worden ist, wo eine strenge Geheimhaltung zu einer großen Seltenheit gehören dürfte, wie der Secretär in Grobin — ein geborner Libauer — es bewiesen hat, der zwei Juden zu sich beschieden und sie so lange ausznharren veranlaßte, bis er sein gehässiges Machwerk vorgelesen und sie mit der Frage entlassen, „ob es ihnen gut gefallen habe". Die durch eine ungeschickte Feder mißlungene Arbeit der goldingschen Stadtälterleute mit ihrer Rechtfertigung für fernere Judenbedrückung durch einen Hinweis auf die Stadt Riga und das osmanische Reich, wie auch die Nachbildung nach der libau'scheu von der kleinen Stadt Grobin, die aber den Verfasser jener Petition als Ausländer verdächtigt und angreist, verdienen keine Erwähnung. Ueber die zu erwartenden Gutachten seitens der Städte Mitau und Libau war man nicht im Jrrthnme, wo schon vor Jahren unter vorigem Regime eine Arbeit zum Zweck einer Classification und damit zu erzielende successive Ausweisung der Juden aus Kurland unternommen sein soll, die aber in Petersburg kein Glück gemacht hat; man war daher gefaßt, jene Ansicht für diese Gelegenheit neu verschärft zu sehen; und stehen diese jetzt einzig in ihrer Art da, da in ihnen nichts weiter von Entstellungen und Beschuldigungen, die aus judenfeindlichen Schriften und der Kreuzzeitung entlehnt und verstärkt worden, übersehen ist, als nur die einzige: „daß die Juden Christenblut zu Osterbrot brauchen"; dann aber erst wäre die mitan'sche Arbeit, wie manche sich schon auszudrücken beliebten, „nach Form und Inhalt mustergültig und vorzüglich für das jüdische Volk".