Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1863)
- Date
- 1863-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu No. 42 d. Allg. Ztg. des Zudenth. Entgegnung an Herrn Lirchheim. Die Nummer 36 vom 1. September d. 2. der Allg. Z. d. 2dths. enthält unter der Uebcrschrift „Literarischer Wochenbericht" eine Einsendung des Herrn Kirchhcim in Frankfurt a. M., in welcher derselbe sich das Vergnügen mgcht, meine Person zur Zielscheibe seiner Jnvcctivcn zu machen. Wenn der sehr geehrte Herr nicht die weitverbreitete Allg. Ztg. d. 2dths. zum Kampfplätze sich erkoren hätte, so würde ich wohl schwerlich ihn in seinem Vergnügen gestört haben, weil seine Auslastungen so sehr das Gepräge des Übeln Willens an sich tragen, daß jeder Leser sofort die Absicht merken muß und dadurch ihr Zweck verfehlt ist. Da er sic aber unter der geachteten Firma „Literarischer Wochenbericht" in die Spalten dieser Zeitung eingcführt, so muß ich mich schon herbeilassen, einen Gang mit dem Herrn zu wagen. HerrKirchheim ist so freundlich, mich als jeder Wissenschaft und Kenntniß bar zu bezeichnen und meine Schriften als unwahr und unzuverlässig. Für das letztere sucht er den Beweis durch folgenden Satz zu führen: „So sagt er z. B. — wenn unser Gedachtniß nicht trügt— von den Juden in Berzoni, daß sie in einer solchen Unwissenheit lebten, daß sie nicht einmal wüßten, was Beten sei; aber er hebt cs dennoch als eine Merkwürdigkeit hervor, daß sie kein rituelles Fraucnbad hätten und er sic deshalb zurcchtgewicsen habe." — Ich bin nun der — nach Herrn Kirchhcim wahrscheinlich höchst unwissenschaftlichen — Ansicht, daß zur Begründung eines Urthcils eine genaueKcnntnißnahme von der zu bcurtheilcndcn Sache erforderlich ist, und sinde deshalb diese Beweisführung des Herrn Kirchheim sehr unwissenschaftlich. In meinen Werken ist nun nirgends die Rede von einem Orte „Berzoni". Vermuthlich meint der geschätzte Herr Birzani in Kurdistan, von welcher Stadt ich berichtet, daß ich den Aelteften der Gemeinde Vorstellungen gemacht, daß sie kein gehöriges Frauenbad besäßen — und daß unsere dortigen Glaubcnsbrüdcr in so großer Unwissenheit sich bcsindcn, daß sic nicht einmal ein Gebet gehörig zu verrichten verstehen. 2m Verfolge meiner Schilderung der Verhältnisse der kurdischen Juden bemerke ich, daß wenige unter ihnen lesen können und ihre einzige religiöse Kennruiß in dem Kriat Schema besteht: von ihren Mailum tRabbincn) berichte ich, daß sie den Schulchan Aruch Bcrh Joseph besitzen u. s. w. — Somir habe ich berichtet, daß die Masse der dortigen Juden sehr wenig religiöse Kenntnisse besitzt, wodurch aber der Besitz religionsgcsctzlicher Einrichtungen nicht ausgeschlossen ist. Wie hieraus meine Unzuverlässigkeit zu folgern ist, das ist in der That ein Rärhsel. So steht es um den einzigen Beweis, den Herr Kirchhcim führt! Woher Herr Kirchhcim die Kühnheit nimmt, mir Sprachkennmissc, mir jede Befähigung abzusprcchcn, ist mir ebenfalls unerklärlich. Alexander von Humboldt beehrt mein „Acht Jahre in Asien und Afrika" mit der Bezeichnung „I'important ouvrage"; — in Carl Rittcr's Empfehlung heißt cs: „zu denen der erfahrene und gelehrte Herr Benjamin sich mit so anhaltendem Eifer und wissenschaftlichem Streben ausgerüstet hat"; H.und A.Percrmann und viele andere der größten Männer unserer Zeit schließen sich diesen Urrheilcn an. Ich darf deshalb wohl vertrauen, daß das Publikum den Aussprüchen dieser Zierden der Wissenschaft mehr Glauben bcimessen wird als den durch nichts motivirten Schmähungen dcs Herrn Kirchhcim. Als böswillige Verleumdung aber erkläre ich die Behauptung des Herrn Kirchhcim, daß „nur der Hang zu einem unstätcn Leben" mich zu meinen Reisen veranlasse, daß ich „die Aufsuchung der 10 Stämme" als Mittel