Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1863)
- Date
- 1863-10-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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27. Jahrgang je 42. Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ firr alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Phrlippfon in Bonn. Leipzig, den 13. October 1863. Diese ZriMug erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in l1/* bi- 2 Bogen. Preis de» Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Rgr» Bicrteljährig 22Rgr. Inserate werden mit 1 > 2 Rgr. für die Petitzeile oder deren Raum bereLnel. Beilagegebührcn betragen für 1 Vogen 4 Thlr., für l/z Bogen 3 Thlr., für V* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen. Postämter und Zeitung-. Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpedition für beide Letztere hat sich das König!. Sächs. Haupt.Zeitung«.Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judenthum des 19. Jahrhunderts und das Christenthum. (Fortsetzung.) — Die feudale Presse. — Spenden-Lifte für bie Rießer - Stiftung. — Die Ethik des Maimonides. (Schluß.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt aMain, Braunschwcig, Strelitz. Preußen: Breslau. Oest erreichischer Kaiserstaat: Krakau. Rußland: Warschau. Großbritannien: London. Donaufürstenthümer: Brüssel. Jonische Inseln: Korfu.— Nachtrag: München, Wilna, Paris. Leitende Artikel. Bonn, 1. October. Das Iudenthinn des 19. Jahrhunderts und das Lhriflcnthum. 12. Versöhnung und Erlösung. (Fortsetzung.) Eins der wichtigsten Momente in der Religion ist die Frage über die Ausgleichung der Sündhaftigkeit, über die Rückkehr aus der Verschuldung. Jeder Mensch sündigt. Aber diese allgemeine Möglichkeit, Anlage, Neigung zum Bösen, ohne welche der Mensch auch kein sittlich freies Wesen werden konnte, entschuldigt die Sünde eben nur im allgemeinen, rechtfertigt sie aber nicht. Denn jede Sünde ist eine besondere That für sich, ein Unterliegen der Pflicht vor der Leidenschaft, eine Uebertretung eines göttlichen Gebotes, ein Abfall von unserer Bestimmung, eine Handlung wider die Absicht Gottes, eine Entfernung von Gott. Indem also jede Sünde ein besonderer Ausfluß unserer Willensthätigkeit ist und die Neigung zum Guten ebenso immer in uns vorhanden ist als die Neigung zum Bösen, sind wir durch und für jede Sünde schuldbar. Wie werden wir nun dieser Schuldhaftigkeit ledig? Wie gelangen wir zu Gott zurück? Judenthum und Christenthum beantworten diese Frage verschieden, und diese Verschiedenheit charakterisirt sich durch zwei Worte: das Judenthum spricht von der Versöhnung, das Christenthum von der Erlösung. Denn das Judenthum stellt an die Spitze dieser Lehre den Satz: „Der Ewige, der Ewige, Gott, barmherzig und gnädig, langmüthig und voller Huld und Wahrheit, bewahrend Huld den Tausenden, vergebend Sünde, Missethat und Schuld, läßt aber nichts unbestraft" (2 Mos. 34, 6. 7). Wenn also auch Gott an die Sünde die natürlichen Folgen, ja wenn er auch au dieselbe durch seine Fügung schmerzliche Wirkungen für den Thäler sich knüpfen läßt, so genügt dies für die Schuldhaftigkeit der Seele nicht. Das Kind, das von dem zürnenden Vater gezüchtigt worden, schnell ist der Schmerz vorübergegangen; aber so lange der Blick des Vaters noch streng auf es gerichtet, es aus seiner Nahe verbannt ist, es in seine Liebe und sein Vertrauen nicht wieder völlig eingesetzt worden, fühlt sich das Kind tief betrübt und unglücklich, und dieser Schmerz brennt mehr