Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 27 (1863)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1863)
- Date
- 1863-10-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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27. Jahrgang JW 41. Allgemeine Zeitung -es Zudcnthums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 6. October 1863. Diese Zeirung erscheint wöchentlich einmal. DieaüagS, in 1*/r bis 2 Bogen. Preis deS Jahrgang» 3 Thlr. Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 22 >r Sigr. Inserate werden mit l'/r Ngr. für die Petitzcile oder deren Raum bereLnet. Beilagegebühre» betragen für 1 Bogen 4 Thlr.. für >/r Bogen 3 Thlr.. für */« Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung»-Ervedirionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexxeditiou für beide Letztere hat sich da» «önigl. Sachs. Haupt. Zeitung». Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Das Judenthum des 19. Jahrhunderts und das Christenthum. (Fortsetzung.» — Spenden-Liste für die Riester - Stiftung. — Die Ethik des Maimonides. Zeitungsnachrichten: Preußen: Frankfurt a/O., Cleve. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Gyula. Frankreich: Paris. Rußland: St.-Petersburg. Leitende Artikel. Bonn, 24. September. Das Iudertthmn des 19. Jahrhunderts und das Ehriftcnlhum. 10. Die Zehn-Worte «nd die Bergpredigt. (Fortfetzung.) Zu einer Vergleichung dieser beiden Kundgebungen fordern nicht blos die äußern Umstände auf, unter denen sie nach den Berichten gefchehen sind, sondern auch, daß sie von jeher als die Grundlagen der jüdischen und christlichen Sittenlehre angesehen wurden. Es heißt Evang. des Matth. 4, 25 ff.*): „Und es folgte ihm *) Der Unparteilichkeit wegen citireu wir nach der Uebersetzuug de Wette's. viel Volkes aus Galiäa und den Zehnstädten und Jerusalem und Judäa und von jenseit des Jordans. Da er aber das Volk sah, stieg er aus den Berg) und er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Und er that aus seinen Mund, und lehrte sie, und sagte". Es ist also eine Ansprache Jesus gemeint vom Berge herab, aus den ihm seine Jünger gefolgt, an das Volk, das den Berg umgab, und so außerordentlich verschieden auch die ganze Scenerie am Berge Sinai in ihrer Größe und Mächtigkeit hiervon ist, so liegt es doch am Tage, daß vom Evangelisten eine Analogie beabsichtigt wird. Doch bevor wir in das Einzelne eingeheo, sind noch einige allgemeine Bemerknngen nothwendig. Das Jndenthnm, aus dem Grunde des Mosaismus, kennt keine Trennung der Glaubenslehre und Sittenlehre. Ihm sind beide identisch, oder besser, die eine so sehr die Consequenz der andern, daß sie ihm gar nicht zu trennen sind. Das Sittengesetz folgt dem Judenthume aus der Lehre von Gott so unmittelbar, daß jenes ohne diese unverständlich, diese ohne jenes ein unzulängliches Bruchstück wäre. Denn die Lehre von Gott wäre ohne den Begriff der Vorsehung und Vergeltung Unvollständig, und das Sittengesetz, welches seinen Fundamentalsatz in: „Ihr sollt euch heiligen, denn ich, der Ewige, euer Gott, bin heilig", und sein Axiom in: „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde" hat, ist in seinen Einzelheiten immer nur Folgerung aus den Eigenschaften, die dem göttlichen Wesen beigelegt werden. Gott ist dem Judenthume die